Zu viel Sonne

Sophia im Bi Nuu

Zum Heulen schön: Sophia sind Großmeister der Melancholie

Wenn, ja wenn Robin Proper-Sheppard glücklich ist, dann geht er raus in die Sonne, aber er schreibt keine Songs. Das tut er nur, wenn er unglücklich ist, nach Trennungen zum Beispiel – und davon hat es einige gegeben im Leben des US-Amerikaners, der lange schon in London und Brüssel lebt. So kommt es, dass die Songs seiner Band Sophia, deren einziges konstantes Mitglied er selbst ist, von Schwermut gezeichnet sind: „Life’s a bitch and then you die“, beklagte Proper-Sheppard einst. „It’s easy to be lonely“, singt er heute – kaum optimistischer – auf seinem Album „As We Make Our Way“, mit dem er sich nach siebenjähriger Auszeit zurückgemeldet hat. Die gute Nachricht: Er hat es in nicht ganz so finsterer Stimmung geschrieben, aus überbordender Lebensfreude allerdings auch nicht.
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Die ersten Worte nach langem Instrumentalvorspiel sind leider doch: „We could have cried all day“. Aber zum Heulen ist ja tatsächlich so einiges, zum Beispiel das spurlose
Verschwinden dessen, was mal Sonne war, hinter dieser Berliner Wolkendecke. Da kommen die melancholieverliebten Sophia-Songs gerade recht. Ein musikalisches Auffangbecken für spätherbstliche Gefühle. Und wie singt Proper-Sheppard? „In California, the sun isn’t everything.“ Zu viel Sonne und Glück ist auch nicht gut, man kommt dann einfach nicht zum Songschreiben.

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