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Platten

Pink Shabab, The Who, Luis Ake und mehr – Die wichtigsten Platten im Dezember 2019

Teebs

Beat-Meditation
Teebs „Anicca“ (Brainfeeder/Rough Trade)

Nichts ist beständig. Hat man das akzeptiert, stellt sich ein, was die Buddhisten „Anicca“ nennen. Den L.A.-Künstler hat es zu einer hellen, gelassen-fließenden Platte inspiriert. „Anicca“ ist Rhythmus gewordene Stille, meditativ und trotzdem immer in Bewegung. Die Stimmen der vielen Featuregäste (u.a. Sudan Archives, Panda Bear) schmiegen sich perfekt in die warmen Beatkissen. Höhepunkt: „Threads“ mit Kendrick-Lamar-Kollaborateurin Anna Wise. HM


Pink Shabab

Weirdo-Pop
Pink Shabab „Ema By the Sea“ (Karaoke Kalk/Indigo)

Der Londoner Joseph Carvell alias Pink Shabab ist in sehr unterschiedlichen Musikprojekten aktiv. Entsprechend vielseitig sind die Einflüsse auf seinem Solodebüt. Ist das nun psychedelische Lounge Music, Dream Pop oder entschleunigter, zugleich luftiger, angejazzter Discopop? Arrangiert sind die Songs um Carvells Instrument, den Bass herum. Wohl deshalb klingen sie groovy und geerdet zugleich: ein toller Alltagsbegleiter. SG


The Who

Rock
The Who „Who“ (Polydor/Universal)

2006 erschien das letzte Studio-Album von The Who, verdammt lang her. Nun sind Roger Daltrey und Pete Townsend mit einem großartigen, bunten Statement aus elf Songs wieder da, unüberhörbar laut, mit fettem typischem Who-Sound und auf altersweise und rotzige Art selbstironisch: „All this Music Must Fade“ – all diese Musik muss verblassen – heißt es in der Single-Auskopplung. Von wegen: Die UK-Tour im Frühjahr ist fast ausverkauft. Wen wundert’s? MPÖ


Liun & The Science Fiction Band

Future-Pop
Liun & The Science Fiction Band „Time Rewind“ (Enja & Yellowbird/Edel)

Das mit Lucia Cadotsch an den Vocals und Wanja Slavin an Saxophon und Synthesizern besetzte Bandprojekt lässt sich getrost als kleinste Supergroup Berlins bezeichnen. Das Berliner Duo setzt auf einen Analoges und Digitales verschmelzenden Synthpop-Sound mit fragilen Melodiebögen, dunklen Deeper-than-Dubstep-Beats und jenseitigen Electronics, getragen von Cadotschs Nicht-von-dieser-Welt-Stimme und Slavins nachgerade gewalttätigem Spiel. VSZ


Luis Ake

Schlager-Electronica
Luis Ake „Bitte lass mich frei“ (Mansions and Million)

Eines der bemerkenswertesten Debüts 2019 kommt aus, hust, Karlsruhe: Luis Ake singt Drangsal’eske Texte, aber statt Gitarren packt er Electronica de luxe drauf. Zwischen geilem Bass-Stöhnen geht das im Falsett so: „Und deine Augen und mein Narzissmus / Ja mein Narzissmus / ist mein Schmerz. / Der Winter geht, und ein Stück / Eis fließt zum Regen zurück.“ Poesiealben-Ake ist der beste Mann, um Headache und Heartache halbwegs heil zu überstehen. SH


Tuvaband

Psycho-Rock
Tuvaband „I Entered The Void“ (Brilliance/Rough Trade)

Als die Norwegerin Tuvaband nach Berlin zieht, schließt sie sich wochenlang ein, um sich ganz der Musik zu widmen. „I Entered The Void“ ist Produkt dieses klaustrophobischen Seelenzustandes, der sich einstellt, wenn man zu viel Zeit mit seinen Gedanken verbringt. Identität entsteht im Austausch mit anderen. Löst sie sich im Vakuum auf?, sinniert Tuvaband mit zarter, stets gedoppelter Stimme in einem Hallraum aus Punk-, Post- und Garage-Rock. HM


Julien Chang

Bedroom-Jazz
Julien Chang „Jules“ (Transgressive/Pias)

Dieses Debüt ist eine wundervolle Erfahrung: so, als würde man einen Sommer lang mit dem 19-jährigen Wonderboy aus Baltimore in seinem Klangkeller verbringen, wo er einem gesteht, dass er nicht nur Posaune spielt, sondern noch eine Palette anderer Instrumente. Er erinnert an Jacob Collier und klingt zudem so, als würde er Vampire Weekend und Sufjan Stevens mögen – und als wäre verdammt viel in ihm los, das vielfältige Ventile braucht. Geheimtipp! SH


Feher Kuti

Neo-NDW
Fehler Kuti „Schland is The Place For Me“ (Alien Transistor/Indigo)

Der Münchner Kulturanthropologe Julian Warner ist, neben seiner Arbeit an der Uni, als Dramaturg und bei der künstlerischen Forschungsgesellschaft „Hauptaktion“, eine Hälfte des Elektroduos 1115. Sein Solodebüt als Fehler Kuti ist im Sinne seiner theoretischen Arbeit auch als musikalische Aufklärung zu Fragen wie Rassismus gedacht. Dabei schließt er stilistisch unter anderem an dadaistische NDW-Pioniere wie Der Plan an. Aber mit mehr Groove. TCB


Crème de Hassan

Meta-Musik
Crème de Hassan „Tricontinental Circus“ (Inversions)

Der Berliner Meta-Musiker Ghazi Barakat alias Pharoah Chromium und der US-amerikanische Drone-Gitarrist Paul La­Brecque legen ihr drittes gemeinsames und ihr zweites Album als Crème de Hassan vor. Mit viel frei flottierender Elektronik, nordafrikanischer wie asiatischer Perkussion, Nietzsche-Zitaten auf Arabisch und raumgreifenden Liegetönen. Weniger zum Mitsingen als zum Sich-langsam-mit-den-Ohren-Hineinschlängeln. Das aber durchaus gewinnbringend. TCB


Desert Dessions

Rock
Desert Sessions „Volumes 11 & 12“ (Matador/Beggars)

Joshua Homme von den Queens of the Stone Age nutzt die Desert Sessions, um mit einer wechselnden Mischung aus Rockgrößen und Newcomern seinen Sound auf fremde Einflüsse treffen zu lassen. Man kann der illustren Truppe wohl vorwerfen, dass die Texte an Originalität verloren haben. Der US-Wüstensound, den Homme spätestens seit seiner Arbeit mit Iggy Pop vom klassischen Stoner-Rock emanzipiert hat, entschädigt aber für die eine oder andere Macho-Phrase. LR

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