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Peinlich 2019

Die 100 peinlichsten Berliner*innen 2019 (Plätze 1 bis 25)

Bildungssenatorin Sandra Scheeres, Foto: imago/ Andreas Gora

1. Mrs. Mangel: Sandra Scheeres, Schulsenatorin (SPD)

Vielleicht würden schon ein paar Viertklässler*innen reichen. Die könnten dann Sachaufgaben in der Art von „Im Jahr 2013 wurden in Berlin 35.038 Kinder geboren. Wie viele Kinder benötigen im Jahr 2019 einen Grundschulplatz?“ lösen. Denn die mathematische Kompetenz, zu ermitteln, wie viele Kitaplätze, Erzieher oder Lehrer Berlin braucht, hat man in der Behörde von Sandra Scheeres leider nicht. Deshalb herrscht ein einfaches Prinzip: Es gibt von allem zu wenig. Für alle. In puncto Gleichbehandlung ist Sandra Scheeres Sozialdemokratin. Was gleichwohl Folge hat: A-Eltern (Ärzte, Anwälte, Adlige) bringen ihre Kinder auf Privatschulen unter. Neunjährige bekommen Heulkrämpfe, wenn sie in der Klassenarbeit eine 2+ nach Hause bringen, weil der Numerus Clausus fürs Gymnasium schon mal bei einem Notendurchschnitt von 1,3 liegen kann. Brennpunktschulen müssen mit Quereinsteigern klarkommen, weil kein normal studierter Lehrer hinab in die Bildungsmisere will. Wie schön könnte eine wirklich soziale Bildungspolitik sein, die nicht nur auf dem Papier eine ist. Aktuell klappt Schule nur, wenn die Eltern sich dahinterklemmen: Zähneputzen, pauken und ab ins Bett. Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist die SPD in Berlin für die Bildung zuständig. Die auch schon acht Jahre unter Sandra Scheeres reihen sich nahtlos ein: Vollfrust.

Prognose 2020: Constantin bringt den ersten Teil von „Fack ju Zille“ ins Kino


2. Fanboy: Fler, Rapper, Rüpel, Hausbesucher

2019 war das Jahr des Fler. An etlichen konstruktiven Auseinandersetzungen ließ er uns teilhaben – alles Ausdruck seiner überschwänglichen Menschenfreundlichkeit, natürlich. Einen Polizisten, der ihn wegen nicht vorhandener Fahrerlaubnis festnahm, beschimpfte der Gangster-Rapper in Endlosschleife mit „Du Fanboy!“ – dabei ist er selbst einer. Zum Beispiel von Journalisten. Fler liest „Tagesspiegel“-Porträts über sich derart genau, dass er dem Redakteur danach einen Hausbesuch abstatten will (zuvor wurde schon einem „Welt“-Reporter ein „Gespräch“ angeboten). Eine „Diskussion“ mit dem jüdischen Satiriker Shahak Shapira eskalierte sogar so weit, dass sein Twitter-Account plötzlich aus dem Netz verschwand. Flers jüngstes Opfer wurde Bushido (siehe Platz 21). Der rappte gewohnt feingeistig über ihn, „dass ’ne Karotte in seinem Rektum“ stecke. Flers Replik war dann leider ähnlich lame: Bushidos Frau mache Party ohne ihn, disste er uninspiriert rum. Enttäuschend, finden wir. Sonst ist er doch auch für Überraschungen wie Klingelstreiche am späten Abend gut. Aber zumindest eines steht fest: Langweilig wird’s nie mit unserem Flizzy. Wir sind Fan, Boy!

Prognose 2020: Flers Autobiografie „Fanboys don’t cry“ liegt schon in der Schublade


Holger und Silke Friedrich, Foto: picture alliance/dpa

3. Silkeundholger: Die Eheleute Friedrich, Verleger*innen

Herrjeh! Da kriegt die gebeutelte „Berliner Zeitung“ endlich ein Verlegerpaar, das richtig Bock auf den Job hat. Und dann versenken diese Friedrichs ihren Vorschusslorbeer in einem Tempo, wie man es sonst nur von SPD-Vorsitzenden kennt. Schon bizarr, dass sich der IT-Unternehmer Holger und die Privatschul-Direktorin Silke offenbar sehr gern in ihrer Neuanschaffung abgebildet sehen – in der größtenteils sehr gelungenen „Neustart“-Ausgabe der „Berliner Zeitung“ zum Mauerfall ist die Silke dreimal und der Holger zweimal zu sehen. Verstörender aber geriet ihr Manifest auf der ersten Doppelseite dieser Ausgabe. In knapp 25.000 Zeichen las sich diese „Berliner Botschaft“ wie ein kurios chaotisches Brainstorming-Protokoll nach dem Ballern von sechs Energydrink-Pullen auf ex: populistisches Politikerbashing, Lobeslieder auf „Herrn Putin“, Egon Krenz und Rammstein – und wie stolz wir auf die Kraft sein könnten, mit der wir die Schuld an den Verbrechen unserer Vorfahren abtragen. Vollends irre wurde es, als „Die Welt“ herausfand, dass Holger Friedrich in jungen Jahren (unter Zwang) Stasi-IM wurde. Statt Krenz zu danken, wäre das Manifest ein guter Platz gewesen, um zu zeigen, wie die DDR junge renitente Menschen brach, wie es Friedrich erlitt. Ab jetzt kann es nur besser werden für die „Berliner“ Wir wünschen es euch sehr, liebe Kollegen.

Prognose 2020: Statt „Eine Curry mit Gysi“ neue Kolumne „Ein Halloumi mit Holger”


4. Dreckschleuder: Richter beim Landgericht Berlin und ihre eigentümliche Sicht auf rechte Troll-Gülle

Wir könnten jetzt einen ganzen Scheißehaufen an Beleidigungen abladen, natürlich nur im Sachzusammenhang mit diesem unfassbaren Urteil von Richtern des Berliner Landgerichts, nachdem die Grünen-Politikerin Renate Künast im Netz übelste Beleidigungen rechter Troll-Armeen hinnehmen muss. Dachten wir doch bisher, wenigstens die Gerichte schützten uns vor den Arschgeigen dieser virtuellen Kloaken. „Arschgeigen“ ist natürlich streng sachbezogen gemeint.

Prognose 2020: Saubermachen!


5. Gartenzwerg: Issa R., Clanchef-Darsteller

Wenn Don Corleone der Edelmann unter den Mafia-Paten war, so ist Issa R., Berlins omnipräsenter Clanchef-Darsteller mit Wohnsitz in Alt-Buckow, nur ein verzogener Lümmel. Einen Polizeikommissar fuhr er mit „Halt die Fresse!“ an, um dann den Gerichtsprozess zu schwänzen. Als Quittung sollte er 50 Tagessätze je 50 Euro latzen, eine Zahlung, die offenbar nach dem Einkommen eines Hartz-IV-Empfängers bemessen worden sein muss – während ihn sein Lebensstil sonst auf Golfplätze oder in den Garten seines Stadtrandhauses führt, wo er für „Welt“-Reporter den Geschäftsmann gibt. 

Prognose 2020: Cameo-Auftritt in der neuen Staffel von „Dogs of Berlin“


6. Eigenbedarf: Carsten Brückner, Vorstand des Eigentümerverbandes Haus und Grund

Mal angenommen, Sie wären Lobbyist der Wohnungseigentümer. Und fänden es nicht fair, dass die Leute glauben, Ihr Verein wollte ständig nur noch mehr Kohle machen. Und Sie halten diesen Mietendeckel für sooo ungerecht. Wie überzeugen Sie Otto Normalmieter? Indem Sie zur Mieterhöhung aufrufen. Was denn sonst. Und Deckel drauf!  

Prognose 2020: Betriebskosten-Abrechner


7. Kaiserschmarrn: Georg Friedrich von Preußen, Ururenkel von Wilhem II., will einiges wiederhaben

Es gibt Monarchen, denen würde man gerne mehr politischen Einfluss wünschen: Die Queen gehört dazu. Als Automechanikerin leistete sie im Krieg ihren Beitrag gegen Hitlerdeutschland. Auch das norwegische Königshaus stand fest an der Seite des Widerstands gegen die Quisling-Regierung in Oslo. Und dann gab es noch die Hohenzollern – eine Sippe, die 1918 mit üppiger Apanage nach Holland abdankte und später unter den Nazis eine sehr zweifelhafte Rolle spielte. Dafür will ihr Nachfahre, Georg Friedrich von Preußen „seine Besitztümer“ zurück: tausende Kunstwerke aus Schlossmuseen der Hauptstadtregion – und Wohnrecht auf Schloss Cecilienhof in Potsdam. Nach Berlin gezogen ist er jedenfalls schon mal.

Prognose 2020: Kartenabreißer im Cecilienhof


8. Wahl-Brandenburger: Simon Vaut, Brandenburgs SPD-Spitzenkandidat zur EU-Wahl

Wenn Simon Vaut, (Ex-)EU-Spitzenkandidat der SPD in Brandenburg, zwei Dingen nicht vertrauen sollte, dann sind das: Brandenburg und die SPD. Erst flog im Frühjahr auf, dass Vaut in Berlin-Mitte statt in Brandenburg an der Havel lebt – und ins Umland vor allem zu Wahlkampfzwecken fuhr. Dann soll der geschasste Hoffnungsträger auch noch die Wikipedia-Einträge von Olaf Scholz und Klara Geywitz manipuliert haben, um (erfolglos) deren Chancen auf die SPD-Parteispitze zu erhöhen. Gebracht hätte beides bekanntlich nichts.

Prognose 2020: Endlich Auszeit in Brandenburg


9. Ekelpaket: Pears Globale Real Estate, Immo-Riese

Unternehmensgeflecht der britischen Milliardär-Zampano-Familie Pears, die in Firmen mit ganz seriösen Briefkästen ihren massiven Wohnungsbesitz in Berlin verwaltet. Steht hier stellvertretend für Renditejäger, die Berlin zerstören.

Prognose 2020: Kneipe „Syndikat“ bleibt!


10. Kunst-Deko: Mia Florentine Weiss, Konzeptkünstlerin

Empfindsamkeit, das ist für die Blondine mit dem abgehalfterten Ibiza-Look ein geflügeltes Pferd, das sie 2015 inmitten syrischer Geflüchteter inszeniert hatte. Oder ein absurder „Love“-Schriftzug, mit dem sie in diesem Jahr für den, nun ja, europäischen Gedanken wirbt. Wo doch das Denken, vor allem das abwägende Nachdenken, dieser studierten Modejournalistin so offensichtlich fern scheint. Kunst für Menschen, die Wandtattoos mögen und plötzlich Geld haben.

Prognose 2020: Mia Florentine wer?


11. Wolfsschranze: Gunnar Lindemann AfD-Abgeordneter mit bizarren Urlaubsbilder-Vorlieben

Andere zieht es in den Herbstferien in warme Länder, der Berliner AfD-Politiker entspannt mit Sohn im Donbass. Im ukrainischen Luhansk soll er Medienberichten zufolge vor einem Quartier der „Nachtwölfe“ posiert haben, einem nationalistischen Rocker- und Motorradclub. Und zu einem Foto seines Sohnes mit Maschinengewehr erklärte Papa dem „Tagesspiegel“: „Er wollte sicher nur gucken, wie schwer die Waffe ist.“ Der Sohn werde zudem in der Schule wegen seines AfD-Vaters bedroht. Was natürlich auch kein rechter Umgang mit Rechten ist.

Prognose 2020: Panzerfahrt


12. Breitbeinbratz: Julian Reichelt, „Bild“-Chef

Presseratsrügen pflastern seinen Weg. Bei Bild.de flimmern dann schon mal rechtsextreme Terrorvideos (Christchurch, Halle) in Ausschnitten über die Seite. Ansonsten erfüllt der Chuck Norris des deutschen Boulevardjournalismus bereitwillig die eher tiefer liegenden Instinkte der „Bild“-Leser*innen. Zum Beispiel Neid: mit Exklusiv-Enthüllungen über die Gehälter irgendwelcher Stars, während er seine Einkünfte mit Verweis auf die Sicherheit seiner Familie nicht offenlegen mag. Der „Bildblog“ machte daraus eine Serie. Und längst legendär: Reichelts bratzige Breitbeinigkeit auf Twitter. Da wünschen wir uns fast schon Kai Diekmann zurück. Und das verzeihen wir Reichelt nie.

Prognose 2020: „Bildblog“-Serie „Bringt Julian Reichelt Familien von (…) in Gefahr?“ geht weiter


13. Falsche Flagge: Doris Ghannam und BDS Berlin

Vor zwei Jahren gab’s noch großen Bahnhof, als die antiisraelischen Lobbyisten von BDS das Pop-Kultur-Festival bestreikten. Und nun? Traf der jüngste Boykottaufruf neben dem About Blank auch das Conne Island in Leipzig und den Hamburger Golden Pudel Club – aber ernsthaft gejuckt hat’s keinen. Was macht man da? Logisch: Man rennt mit hetzerischen Schildern auf eine Klimademo. Doris Ghannam von BDS Berlin war es tatsächlich nicht zu blöd, bei „Fridays for Future” mit einem Transparent aufzutauchen, das darüber informierte, dass Apartheid nicht umweltfreundlich sei. Nice try.

Prognose 2020: Anti-Israel-Transpi auf Mietendemo – da findet sich irgendein Anlass


Die verpollerte Stadt. Bergmanstraße in Kreuzberg. Foto: imago images / tagesspiegel

14. Die Top 5 der Verkehrssünden

1. Verkehrserziehung
Neongrüne Straßenpunkte mit der Anmutung eines sehr schrägen Drogentrips, Parklets mit Behaglichkeitsfaktor von betagten S-Bahn-Holzbänken und 21 Eiszeitfindlinge als Straßenbegrenzung auf die harte Tour: Das eineinhalb Millionen Euro teure Begegungszonenprojekt Bergmannstraße ist so schön wie eine komplett irre Außenwette bei „Wetten, dass…?“

2. Lost Radweg
Nagelneue grüne Fahrbahn-Markierung in der Greifswalder Straße, die sich beim erstbesten Starkregen verdünnisierte. Echt neben der Spur.

3. Horror auf Rollen
Gäbe es ein „Berliner Unwort des Jahres“ – der E-Roller wäre der heißeste Kandidat fürs Siegertreppchen. Die sacht schnurrenden Scooter haben eine beeindruckende Blitzkarriere vom Mobilitäts-Gadget der Zukunft zum Quasi-Wegwerfprodukt hingelegt. They see them rollin’, they hatin’.

4. Oberalbtraumbrücke
10.000 Radler*innen pro Tag auf der Oberbaumbrücke – und in beiden Fahrtrichtungen je ein sanierter Fahrradweg neben einer Fahrbahn, die von zwei auf eine überbreite Autospur reduziert wurde. Folge: überholende Kfz, die auf den Radweg drängen.

5. Schildschwemme
22 blaue Schilder auf 500 Metern Radweg: Wenn das Pankower Beispiel am neu gebauten Rosenthaler Weg Schule macht, braucht Berlin für die laut
Mobilitätsgesetz geplanten zusätzlichen 100 Radweg-Kilometer 4.400 neue Radweg-Schilder.


15. Flintenfreunde: AfD-Chat-Ungemach, Stephan Wirtensohn, Roland Gläser und die fancy Wumme

Social Media, Knarren, Zwinker-Smiley: Ja, da lacht das AfD-Herz (siehe Platz 11). Wie bei einem 2017er Chat des Berliner AfD-Sprechers Roland Gläser mit dem Pankower Parteifreund Stephan Wirtensohn, der Anfang 2019 medial steilging. Da posierte der Pankower Fraktionschef der AfD mit Wumme als „Antifaneutralisator :-)”. Und Gläser ging voll ab: „Haben will. Toll.” Tja. Schuss ins Knie, Volltreffer! Zwinker-Smiley.

Prognose 2020: Gewehr bei Fuß


16. Genital daneben: Till Lindemann, Rammstein-Musiker

Wieder ein Jahr, in dem der Rammstein-Sänger Dick auftrug: mit eigener Penis-Vodka-Linie, einem inszeniertem Pinkelfoto auf Instagram und einer kruden Penis-Skulptur in einer Ausstellung in Erfurt. Wir sehen da dickes Potenzial für eine Samstagabendshow auf RTL 2: „Genital daneben“. Das wird groß!

Prognose 2020: Ein neues Dick-Pic geht immer


17. Robin Schutt: Florian Schmidt, kämpferischer Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg (Grüne)

Wir kennen doch alle diese Typen, die in der Kneipe Runde um Runde schmeißen, dafür derbe abgefeiert werden und im Morgengrauen plötzlich leider ihre Geldbörse zu Hause vergessen haben. So einer ist Florian Schmidt. Der ideenreiche„Mini-Robin-Hood” (Michael Müller, siehe Platz 71) will den Bezirk von den Spekulanten zurück. Per Vorkaufsrecht. Mit allen Mitteln. Es sind ja nicht seine. Sondern zum Beispiel die von Finanzsenator Kollatz (SPD). Der soll Schmidt die waghalsigen Manöver hinterherfinanzieren. Denn eine extra für diesen Zweck gegründete Genossenschaft, der Schmidt mehrere Häuser im Vorkauf beschaffte, ist in Geldnot. Von einem Vorkauf trat Schmidt bereits zurück. Jetzt hat der chronisch klamme Bezirk eine Millionenklage am Hacken.

Prognose 2020: Verfolgt aufmerksam, wer sich als Monika Herrmanns Nachfolger*in ins Spiel bringt


18. Blitz-Märker: Michael Zahn, CEO der Deutsche Wohnen

Kennen Sie den schon? Die Deutsche Wohnen stoppt Neubauprojekte in Berlin. Wegen des Mietendeckels. Und baut auf einmal in Brandenburg. Geiler Witz. Ein Kracher. Die DW und Bauen? So richtig? Berlins größter privater Wohnkonzern (knapp 117.000 Wohnungen) hat ja in den letzten fünf deckellosen Jahren wie irre in der Stadt gebaut! Oder? Wie bitte? Die bekamen in der Zeit gerade mal 100 neue Wohnungen fertig? Und machen vor allem mit Mieterhöhungen im Bestand fette Profite? Aha. Jetzt jammert ihr CEO Michael Zahn, der Mietendeckel sähe Zwietracht. Is’ klar. Wer hat denn bitte damit angefangen?

Prognose 2020: Bibbert vor einem Volksbegehren


19. Führerklunker: Das Auktionshaus Kloss und Hitlers Bilder

Das Pankower Auktionshaus wollte im Januar drei 1910 und 1911 verzapfte Landschafts-Aquarelle des Postkartenmalers Adolf H.  versteigern, der sich später beruflich ins Diktaturen-, Weltkriegs- und Genozid-Geschäft umorientierte. Kurz vor der Versteigerung rückte das LKA an. Es bestünden „begründete Zweifel an der Echtheit der Werke”. Wenn das der Führer wüsste. 

Prognose 2020: Gastrolle in „Schtonk 2“


20. Abteilung Attrappe: Paul Ziemiak, CDU-Generalsekretär

Ein blauhaariger Youtuber demontiert die CDU. Blass und wenig souverän reagiert Ziemiak, der Rezo „Falschbehauptungen“ und „Pseudofakten“ vorwirft, derer man ihn bis heute nicht überführt hat. Als Abteilungsleiter Attacke ein Totalausfall. Aber Rezo ist nicht nachtragend. Für Ziemiaks „Spiegel“-Gastbeitrag  über die „Anti-Deutschland-Partei“ AfD schickte der Youtuber „Props“.

Prognose 2020: Färbt sich die Haare auch mal


21. Rapper Rübezahl: Bushido, Musiker mit Karottenkenntnis

Eines muss man dem Ex-Clanboss-Buddy ja auch Jahre nach seinem letzten relevanten Track lassen: Den Integrations-Bambi, der ihm 2011 unter großem Empörungsgeraune ausgehändigt wurde, hat er sich redlich verdient. Beflissen wie ein Alman bei der Rasenpflege ließ Bushido seine Anwälte auf Dödelrivale Fler los, nachdem der seine Frau und Kinder mit allerlei Unflätigkeiten bedacht hatte – als Antwort auf Bushidos Track „Renegade“, in dem er wiederum Fler eine Karotte im Po attestierte  (siehe Platz 2). Früher fochten Battle-Rapper solche klugen Wortduelle auf der Bühne aus, heute eben vor Gericht. Aber wie sagte einst ein virtuoser deutscher Rapper? „Zeiten ändern dich.” 

Prognose 2020: Rockt die Kehrwoche


22. Bauherrin: Monika Grütters, Kulturstaatsministerin

Frau Grütters (CDU) ist 2019 der Sinn für Zahlen und Maßstäbe abhanden gekommen. Die geplante Eröffnung des Humboldt-Forums fiel aus. Im November tat sie den Spatenstich für ein Museum der Moderne zwischen Neuer Nationalgalerie, Philharmonie und Gemäldegalerie, das schon jetzt doppelt so teuer wie ursprünglich vorgerechnet ist. Und beim Buddelstart hub Grütters die Erde für den CO2-intensiven Glas- und Betonbau so fröhlich aus, als wäre sie nicht kurz zuvor in einem offenen Brief von Museumschefs um mehr Klimaschutz bei Kulturhäusern ersucht worden. Grütters mischte sich sogar, was sie als Politikerin gar nicht darf, in die Inhalte ein:  Sie bat Maler Gerhard Richter um Bilder für das Haus. Für umme. An der Stelle immerhin war sie kostenbewusst.

Prognose 2020: Legt noch eine Schippe drauf


Ulf Poschardt, Foto: imago/Eibner

23. Twitter-Zwitter: Ulf Poschardt, Chefredakteur der „Welt“-Gruppe und Blogger-Verteidiger

@ulfposh hat sich ausgeposht. Twitter sei „ein Werkzeug für die Feinde der Freiheit“ geworden, die aus Sicht des tiefergelegten Porsche-Publizisten für mehr Tempolimit und weniger Autos sind. Diesen „Hass“ mochte Ulf Poschardt nicht mehr ertragen und enttwitterte sich – öffentlich im eigenen Blatt. Nur Tage später war er doch wieder im Zwitscherdienst: mit einem Unterstützer-Tweet für den rechtslastigen „Welt“-Blogger Don Alphonso, der sich ebenfalls dagegen wehrt, dass man niemanden mehr denunzieren darf, ohne dafür Gegenwind zu ernten. 

Prognose 2020: On-Off-Beziehung als Zwitter auf Twitter


24. Rechtsbeistand: Gerhard Hanke, Spandauer Stadtrat (CDU)

Ob man den Mitgrölrock von Feine Sahne Fischfilet mag oder nicht: Gemeingefährlich sind die knuddeligen Antifa-Basisarbeiter nun wirklich nicht. Nach einem pyro- und schnapslastigen Konzert auf der Zitadelle Spandau argwöhnte die AfD-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung Spandau trotzdem, ob die Band bei ihrer Show nicht gegen Sicherheitsauflagen verstoßen habe – woraufhin Spandaus CDU-Stadtrat Gerhard Hanke artig beteuerte: „Sie werden diese Gruppe dort nicht mehr sehen, das kann ich Ihnen zusagen.“ Das Hausverbot relativierte er später, die Band zog gegen die Falschbehauptung, verbotenerweise Glasflaschen verteilt zu haben, vor Gericht und gewann – der reflexhafte Kotau vor der AfD bleibt: peinlich. Feine Blamage, CDU.

Prognose 2020: Punk’s not dead in Spandau


25. Kostenfalle: Katrin Lompscher, Bausenatorin (Linke)

So richtig traut sie ihrem Mietendeckel womöglich selbst nicht. Jedenfalls rät die Senatorin Mietern, mit Anträgen auf Mietsenkung bis zur (verfassungs-)gerichtlichen Prüfung des Gesetzes zu warten. Mit Warten hat sie ja Erfahrung. Zum Beispiel wartet sie immer noch mit ihrer Neubauoffensive. Und kriegt deshalb öfter selbst auf den Deckel.

Prognose 2020: Baut zumindest ihre Position aus

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