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Kommentar

Müll und Party am Teufelssee: Mehr Respekt für die Natur, bitte!

Ein Teil der Party-Meute ist von der Hasenheide an den Teufelssee gezogen – und lässt nun dort unter Büschen gestapelt ihren Müll zurück. Das ist nicht weiter gedacht als bis zu den eigenen Fußspitzen, findet unsere Autorin.

Das Gebiet um den Teufelsse hat sich wie die Hasenheide zum Party-Ort entwickelt.
Eigentlich idyllisch: der Teufelssee. Foto: Imago/Stefan Zeitz

Tanzverbot? Am Teufelssee ist trotzdem Party

Auch wenn das Leben so langsam wieder in die Stadt zurückkehrt und sich die Außenbereiche von Restaurants, Bars und Clubs wieder mit Leben füllen: Regulär und offiziell darf derzeit noch nirgends wieder getanzt werden. Zwar gab es im Revier Südost am vergangenen Sonntag eine Pilot-Veranstaltung, bei der Ellen Allien aufgelegt hat und die Menschen mit Maske tanzen durften. Aber abgesehen davon müssen die Gäste in den Gärten der Clubs an ihren Tischen sitzen bleiben.

Allerdings bedeutet das Tanzverbot nicht, dass die Menschen sich nicht trotzdem Orte suchen, an denen sie tanzen. Im letzten Sommer war das die Hasenheide mit den illegalen Geheim-Raves. Und auch jetzt, in den ersten Sommermonaten 2021, nutzen viele Berliner:innen einige Wiesen und Büsche in der sonst so schönen Hasenheide wieder als eine Mischung aus Cruising Area, Ersatz-Club und Ort zum Sonnen und Entspannen.

Ein Teil der Party-Meute jedoch ist schon weiter gezogen, nämlich an ein Wald- und Strandstück am Teufelssee, das seit Jahren als Cruising-Area für Schwule bekannt ist – und verhält sich dort ähnlich rücksichtslos gegenüber der Natur wie in dem Park in Neukölln. Anders als in der Hasenheide ist der Boden nach den Wochenenden zwar nicht mit Kronkorken, Flaschen und Plastiktüten übersät. Dafür stapelt sich der Müll unter einem Busch, ordentlich zusammengeräumt, wie ein Post in einer öffentlichen Party-Gruppe bei Facebook belegt. Das ist zwar gut gemeint, aber nicht weiter gedacht als bis zu den eigenen Fußspitzen.

Der Bereich um den Teufelssee ist kein öffentlicher Park

Für die Natur macht dieser Funken guter Wille kaum einen Unterschied, denn sobald ein Windstoß kommt, wird der Müll wieder auseinander geweht. Wer in der Natur feiert, der sollte seinen Müll gefälligst wieder mit nach Hause nehmen und nicht nur zusammenkehren, weil im Wald – oh Wunder – keine Mülleimer vorhanden sind.

Das Gebiet um den Teufelssee ist nun mal kein öffentlicher Park, das heißt, es gibt weder Müllabfuhr noch eine städtische Reinigung. Alles, was die Party-Crowd zurück lässt, bleibt auch dort. Es sei denn, die Polizei entdeckt die Hinterlassenschaften und sagt der Stadt Bescheid, wie am vorletzten Wochenende geschehen. Das bedeutet aber auch, dass die Polizei nun weiß, wo sie gucken muss, wenn sie illegale Open-Air-Partys unterbinden will.

Es ist Zeit, dass das Tanzverbot fällt – einerseits, weil es keinen Sinn ergibt, das Tanzen unter freiem Himmel zu verbieten, während es erlaubt ist, in den Innenräumen von Bars zu trinken, vor allem angesichts der Forschungslage des Verhaltens von Aerosolen in Innenräumen und draußen. Vor allem aber ist es Zeit, dass Berlins Raver:innen anfangen, die Natur zu respektieren und sich für den Dreck, den sie machen, verantwortlich zu fühlen.


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