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Begegnung

Rollschuh-Queen Oumi Janta: Von Berlin aus in die weite Welt

Ein Leser schrieb uns mit der Bitte um ein Autogramm von Oumi Janta. Das letzte Mal sprachen wir mit dem Rollschuh-Star vom Tempelhofer Feld kurz nach dem viralen Erfolg ihres Videos im Sommer 2020 – mitten in der Pandemie. Grund genug, dachten wir, Oumi Janta nicht nur den Autogrammwunsch zu überbringen, sondern bei der Gelegenheit auch mal über die vergangenen zwei Jahre zu sprechen.

Asphaltboden, der die Welt bedeutet: Oumi Janta auf dem Tempelhofer Feld. Foto: vadimphotography 
Asphaltboden, der die Welt bedeutet: Oumi Janta auf dem Tempelhofer Feld. Foto: vadimphotography 

Für Oumi Janta geht es jetzt wieder richtig los

Wir treffen Oumi Janta in einem Café am Rosenthaler Platz. Sie kommt gerade von einem Termin am anderen Ende der Stadt, im Anschluss hat sie hier das nächste Gespräch. Ein voller Tag sei das, etwas stressig, aber es gehe ihr super. „Jetzt geht es wieder los”, sagt sie. Die letzten Wochen hatte Janta sich freigenommen, es war die erste richtige Pause in den vergangenen zwei Jahren.

Damals, im Pandemie-Sommer 2020, wurde die Rollschuhtänzerin- und lehrerin quasi über Nacht berühmt. Das Video, in dem Janta vor strahlend blauem Himmel auf Rollschuhen zu House-Klängen groovt, ging um die (Instagram-)Welt. Stars wie Alicia Keys und Viola Davis hatten es damals auf ihren Kanälen geteilt. Bei dem Instagram-Shootingstar klingelte das Telefon nonstop, eine Anfrage jagte die nächste: Werbekampagnen, Fashion-Shootings, Interviews, Talkshows. „Das hat gar nicht aufgehört. Also habe ich von Monat zu Monat gelebt, sogar eher von Tag zu Tag“, sagt die 30-Jährige.

Ihr Kalender war voll und sie ist viel in Europa rumgekommen. „Ich muss gestehen, wenn mich jemand danach fragt was ich die letzten zwei Jahre alles gemacht habe, kann ich mich kaum daran erinnern. Es war so viel.“ Neben all den Jobs unterrichtet Janta weiterhin Jam Skating im „Jam Skate Club“, also die Rollshuh-Tanzart, mit der sie berühmt wurde. Auf dem Tempelhofer Feld findet man sie jedoch mittlerweile selten. Zu viele Blicke, zu viele auf sie gerichtete Smartphones.

Für ihren  lässigen Style feiern Fans Oumi Janta Fans auf der ganzen Welt. Foto: vadimphotography 
Für ihren lässigen Style feiern Fans Oumi Janta Fans auf der ganzen Welt. Foto: vadimphotography 

Ruhm in Rekordzeit mit Licht- und Schattenseiten

Das Leben der Wahlberlinerin hat sich radikal verändert, ihre entspannte und sympathische Art hat sie sich dabei bewahrt. Sie spricht so offen und freundlich wie damals beim ersten Gespräch mit tipBerlin, als sie noch nicht für Modelabels wie Bottega Veneta vor der Kamera stand, mit Arte-Moderatorinnen Rollschuh fuhr und in Fernsehtalkshows neben Karl Lauterbach saß. Klar genieße sie die Aufmerksamkeit, sagt Janta, und sobald man in der Öffentlichkeit steht, wird man zu einer Projektionsfläche für die anderen, zu dieser Figur. Aber sie sei letztlich genauso ein Mensch wie alle anderen.

Im Gegensatz zu den meisten Menschen wurde Janta jedoch von heute auf morgen berühmt, und das mitten in einer Hochgeschwindigkeits-Branche, an die sie sich eben nicht langsam gewöhnen konnte. Zwei Monaten nach dem Viral-Hit hatte sie einen Zusammenbruch. „Ich habe irgendwann gemerkt, dass das sehr viel Arbeit ist, die meine maximale Präsenz verlangt“, erzählt sie „auf einmal wussten Leute so viel von mir, erkannten mich auf der Straße. Das war überfordernd“. Sie habe funktioniert, aber seelisch kam sie nicht mehr mit. Janta findet es wichtig, über solche Dinge offen zu sprechen.

Oumi Janta weiß, was sie will

Aus dieser Zeit zog die umtriebige Jam-Skaterin für sich die wichtige Erkenntnis das Wohl ihres Körpers und ihrer Seele über Aufträge zu stellen. „Ich mache das, worauf ich Lust habe und wofür meine Kapazitäten ausreichen.“ Und auch mit den Schattenseiten des Ruhmes aus wie Neid, negativen Kommentaren und falschen Freunden hat sie gelernt umzugehen: „Es ist ganz wichtig, bei sich zu bleiben, eine Basis zu haben und stabil zu sein. Damit meine ich, dass du weißt wer du bist und was du willst“, sagt Janta. 

Diese Überzeugung hat die junge Frau mit senegalesischen Wurzeln nicht erst kürzlich entwickelt, sondern sie hat sie überhaupt erst dahin gebracht, wo sie heute ist. Vor vier Jahren, damals hat sie noch Industriedesign studiert, war sie während einem Erasmus-Aufenthalt in Norwegen und viel in den Bergen unterwegs. Der Anblick des weiten Himmels und der majestätischen Milchstraße habe sie überwältigt, so Janta. „Ich habe mich so klein gefühlt, dass ich mich fragte, was ich eigentlich mit meinem Leben machen will.“ Ein konkreter Plan sei ihr damals nicht gekommen, aber der Impuls, dass sie das Rollschuhfahren intensiver betreiben will.

Mut zum Risiko

Dann kam eins zum anderen: Ein Jahr später hatte Janta als Brillen-Designerin einen sicheren Job und ein gutes Einkommen. Und sie beschloss zu kündigen, um sich dem Rollschuhfahren zu widmen. Wie absurd diese Entscheidung für Außenstehende, insbesondere ihren Vater klingen musste, ist ihr bewusst: „ Das war total riskant. Rollschuhfahren, was ist das?! Aber man muss mutig sein.”

Ihr Mut hat sich ausgezahlt und Janta blickt nicht weniger zuversichtlich in die Zukunft. „Ich bin an einem Punkt in meinem Leben, wo ich nach all den Erfahrungen und Begegnungen der vergangenen zwei Jahre noch genauer weiß, was ich will und deswegen gezielter an Dinge rangehen werde.“ Ganz oben auf der Liste stehen die USA. Wegen der Reisebeschränkungen musste bisher alle Anfragen dort absagen. Bei einem Angebot habe ihr das Herz etwas geblutet, sagt Janta. Aber was es war, verrät sie nicht, weil „ich noch hoffe, dass es noch mal passiert.“ Jetzt geht es aber erst mal zum nächsten Interview.

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