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Linke Szene

Gerichtsurteil über Hausprojekt Liebig34: Theaterstück statt Räumung?

Schon wieder Aufruhr im Nordkiez: am Mittwoch, dem 3. Juni, wurde das Gerichtsurteil zum Hausprojekt Liebig34 gefällt – steht jetzt die Räumung an?

"Liebig34 bleibt" heißt es am 2.06.2020 während einer Pressekonferenz zum Prozess zur Räumung des Hauses.
„Liebig34 bleibt“ heißt es am 2. Juni 2020 während einer Pressekonferenz am Haus. Foto: Bildgehege/imago images

Der Kampf um das „anarcha-queerfeministische“ Hausprojekt Liebig34 geht in eine neue Runde. Heute, am 3. Juni 2020, fand am Landgericht in Moabit die Verhandlung um das Gebäude statt und endete mit einer Versäumnisklage. Demnach sind Haus und Grundstück zu räumen und zusätzlich rund 20.000 Euro an den Eigentümer, den mittlerweile berlinweit berüchtigten Immobilieninvestor Padovicz, zu bezahlen.

Steht eine Räumung der Liebig34 bevor?

Das Kollektiv entschied sich, den Prozess zu ignorieren, nur ihr Anwalt war vor Ort in Moabit und kündigte Widerspruch gegen das Urteil an. Der Eigentümer könnte theoretisch allerdings jetzt schon eine Räumung veranlassen, berichtet ein Beobachter des Prozesses.

Ein Musiker spielt am 2.06.2020 während einer Pressekonferenz zum Prozess zur Räumung des Hauses Liebig34.
Kein Protest ohne Musik. Foto: bildgehege/imago images

Währenddessen führten die Aktivist*innen des Hausprojekts am Mittwoch am „Dorfplatz“ vor ihrer Tür im Friedrichshainer Nordkiez ein „einmaliges Theaterstück“ auf, um ihre Perspektive darzulegen. Auch zum Brunch und Gesprächen luden sie Unterstützer*innen und Interessierte ein.

Schon am Vortag, hatten sie auf einer Pressekonferenz ihre Position klar gemacht. Eine Räumung wäre ein weiteres Beispiel für den „Ausverkauf der Stadt“, schreibt das Kollektiv in einer Presseerklärung. Am Abend folgten Proteste und einzelne Festnahmen, wobei die Gesamtlage nach Aussage von Anwohner*innen ruhig blieb.

Ob sich die Proteste heute Abend fortsetzen und ob der Eigentümer die Räumung der Liebig34 vollstrecken lässt, ist noch völlig unklar. Sicher ist aber: es bleibt unruhig im Nordkiez.

Die Nachbarschaft nahm regen Anteil an der Pressekonferenz zur drohenden Räumung der Liebig34.
Die Nachbarschaft nahm regen Anteil an der Pressekonferenz zur drohenden Räumung der Liebig34. Foto: bildgehege/imago images

In Berlin brodelt es: die Boot-Demo auf dem Landwehrkanal für Club-Kultur stoß vielen sauer auf. Jetzt äußert sich der Veranstalter zu Kritik an Rave. Viele der Hausprojekte in Berlin starteten als besetzte Häuser in den Neunzigern: 12 Dinge, die in den 1990er-Jahren Berlin prägten – von Loveparade bis zum verhüllten Reichstag. Nicht nur Hausprojekte sind gefährdet, auch Kulturstätten kämpfen um ihr Überleben: Colosseum droht das Aus – noch Chancen auf Rettung?

Mehr Informationen zum Hausprojekt und seiner Geschichte findet ihr unter anderem auf der Seite der Liebig34.

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