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Jeanine Meerapfel: „Wir dürfen die Fronten nicht verschärfen“

Streit um Einladungen, abgesagte oder verschobene Veranstaltungen: Der Nahost-Konflikt findet ein starkes Echo in der Kultur. Was tun?, fragten wir Jeanine Meerapfel, die Präsidentin der Akademie der Künste. tipBerlin-Redakteurin Claudia Wahjudi traf sie Anfang Dezember zum Gespräch, ein Thema waren auch die Differenzen zwischen der Akademie und ihrem Mitglied Candice Breitz, einer in Berlin lebenden Künstlerin aus Südafrika. Am 15. Dezember veröffentlichte Meerapfel ein Statement „Zur Verteidigung der Kunstfreiheit“. Am 18. Dezember gab Candice Breitz bekannt, aus Kritik daran ihre Mitgliedschaft in der Akademie der Künste ruhen zu lassen.

Jeanine Meerapfel, 80, ist seit 2015 Präsidentin der Berliner Akademie der Künste. Wir sprachen mit ihr unter anderem über Kunstfreiheit und den Nahost-Konflikt. Foto: Marcus Lieberenz/bildbuehne.de
Jeanine Meerapfel, 80, ist seit 2015 Präsidentin der Berliner Akademie der Künste. Wir sprachen mit ihr unter anderem über Kunstfreiheit und den Nahost-Konflikt. Foto: Marcus Lieberenz/bildbuehne.de

Jeanine Meerapfel, Präsidentin der Akademie der Künste, über eine komplexe Situation nach dem Hamas-Anschlag

tipBerlin Frau Meerapfel, im November, vier Wochen nach dem Anschlag und der Geiselnahme durch die Hamas erklärte sich die Akademie der Künste solidarisch mit Israel und bezog Stellung gegen Antisemitismus. Gab es da sofort Einigkeit?

Jeanine Meerapfel Die versammelten Mitglieder aller sechs Kunstsparten waren eindeutig dafür, die Rede, die ich geschrieben hatte, als unseren gemeinsamen Auftritt an die Presse zu geben. Das hat mich sehr gefreut. Sofort mit einer Stellungnahme zu reagieren, war mir und war uns in der Akademie der Künste sehr wichtig. Wenn Sie hören, dass Menschen geschlachtet, Frauen vergewaltigt und Kinder umgebracht werden, muss man sagen, das ist Wahnsinn und Terror. Danach wird es komplizierter. Wir befinden uns im Danach, und es ist kompliziert.

tipBerlin Auf der Mitgliederversammlung bedauerten Sie, dass viele Kulturhäuser bis dato langsam oder nicht auf den Anschlag reagiert haben. Wie stellt sich das im Dezember dar?

Jeanine Meerapfel Vielleicht hätte ich etwas geduldiger sein müssen. Das Deutsche Historische Museum und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz gingen ja schnell an die Öffentlichkeit, auch Opern, Orchester und verschiedene Theater.

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tipBerlin In Ihrem Haus mit über 400 Mitgliedern sind Architektur, Film, Schauspiel, Musik, Literatur und Bildende Kunst vertreten. Werden das Attentat und die Geschehnisse in Gaza in den verschiedenen Sparten unterschiedlich laut diskutiert? 

Jeanine Meerapfel Die Schriftsteller sind vielleicht leiser, denken ein bisschen mehr nach.  

tipBerlin Unter den Mitgliedern gibt es ein breites Spektrum von Meinungen zum Nahost-Konflikt – die einen haben Briefe unterschrieben, die nur vom Leid in Gaza handelten, die anderen Gegenbriefe aus Israel. Wie gehen Sie damit um?

Wir respektieren die Meinungen, das ist das Wichtigste. Wie man das macht? Indem man keine Verbote oder Gebote erlässt.

Jeanine Meerapfel, Präsidentin der Akademie der Künste

Jeanine Meerapfel Wir respektieren die Meinungen, das ist das Wichtigste. Wie man das macht? Indem man keine Verbote oder Gebote erlässt. Ich kann diese Meinungen respektieren, solange sie sich nicht gegen die Menschlichkeit und gegen unsere Verfassung wenden, und das ist nicht der Fall.

tipBerlin Wie spiegelt Ihr Veranstaltungsprogramm den Konflikt?

Jeanine Meerapfel Nur in Notfällen können wir mit Diskussionen und Ähnlichem sofort reagieren. Das Schreckliche ist, dass wir unser Veranstaltungsprogramm Monate im Voraus machen müssen. Wir planen jetzt 2024/25. Im Frühjahr 2024 werden wir ein großes Programm zu Utopien machen, in dem auch Utopien des Friedens Thema sein werden. Aber vielleicht hat es auch etwas Gutes, langsam zu sein, weil man mehr Zeit zum Nachdenken hat.

Jeanine Meerapfel spricht über die Veranstaltung „We Still Need To Talk“

tipBerlin Die Akademie hat eine Veranstaltung nicht weiter mitgetragen: „We Still Need To Talk“, die von Ihrem Mitglied Candice Breitz mitkonzipiert wurde, einer jüdischen Künstlerin in Berlin, die in Südafrika geboren wurde. Es sollte um „relationale Erinnerungskultur“ gehen. Die Akademie ist aus der Konzeption ausgestiegen, später die Bundeszentrale für politische Bildung. Wie sehen Sie das im Nachhinein?

Jeanine Meerapfel Es ging bei dieser Veranstaltung um Mehrdimensionalität von Erinnerung und die Erinnerungskultur in Deutschland. Um es in meinen eigenen Worten zu sagen: Es ging unter anderem darum, die Einzigartigkeit des Holocaust in Frage zu stellen. Da hat der Senat der Akademie der Künste Nein gesagt. Dass Frau Breitz die Veranstaltung weiter vorangetrieben hat, ist ihre Freiheit.

tipBerlin Diese Veranstaltung fand unter freiem Himmel statt, Unter den Linden, zeitgleich zu Ihrer Mitgliederversammlung in der Nähe. 

Jeanine Meerapfel Es ist das gute Recht jedes Künstlers, sich zu äußern. Und wenn Candice Breitz eine Veranstaltung draußen machen will, dann ist auch das ihr gutes Recht. Wir leben in einer Demokratie.

tipBerlin Was ist die Aufgabe von öffentlichen Kulturhäusern, wenn Meinungen wie jetzt zum Nahost-Konflikt so weit auseinandergehen? 

Jeanine Meerapfel Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung. Informationen verbreiten, und zwar differenzierte Informationen, die nicht nur mit dem zu tun haben, was in den sogenannten sozialen Medien passiert, sondern in der Realität. Und Informationen darüber, inwieweit auch in den traditionellen Medien aufgeheizt wird, auf eine Weise, dass es nur noch Ja und Nein, Schwarz und Weiß gibt.

tipBerlin Welche Veranstaltungsformen eignen sich dafür jenseits der Diskussionsrunde?

Jeanine Meerapfel Man kann Filme zeigen und über die Filme diskutieren. Man kann Theaterstücke inszenieren – bis hin zum Tanz – und dann über die Stücke  sprechen. Es gibt viele Möglichkeiten.

tipBerlin Immer mit Diskussion danach?

Jeanine Meerapfel Wir haben vor einiger Zeit einen sehr schönen Abend erlebt. Wir wollten in einer Zeit von Krieg Gedichte über Liebe hören.

tipBerlin Es ging um den Krieg gegen die Ukraine. 

Jeanine Meerapfel So war es ursprünglich geplant. Der Abend fand aber kurz nach dem 7. Oktober, also nach der Terror-Attacke der Hamas statt. Die Dichter und Dichterinnen haben in unserem Haus am Hanseatenweg Liebesgedichte vorgetragen. Wir haben am Anfang darüber gesprochen, in welcher politischen Situation wir uns befinden, aber diese Gedichte haben etwas von unserem Menschsein erzählt und von der Schönheit und Notwendigkeit der Kunst. Denn Kunst kann auch die Entspannung, Befreiung und Bereicherung bieten, die wir alle brauchen. Das heißt, nicht nur die Diskussion über sie, sondern auch Kunst an sich hat einen Sinn.

tipBerlin Die Frage, wer wo auftreten darf, stellte sich auch mit der Erweiterung von Russlands Krieg gegen die Ukraine.

Jeanine Meerapfel Mit der Europäischen Allianz der Akademien, der wir angehören, haben wir uns klar gegen diesen Krieg gestellt. Aber wenn russische oder ukrainische Künstler zu uns kommen wollen, sind sie willkommen. Diese Haltung vertreten wir bis heute – weil dieses Canceln, dieses Hinauswerfen von Menschen, nur, weil sie aus einem bestimmten Land kommen oder eine bestimmte Nationalität haben, unmenschlich ist.

tipBerlin Zurzeit wird viel gecancelt oder verschoben. Nach einem Eklat ist die Findungskommission der Documenta komplett zurückgetreten. Das Folkwang-Museum in Essen hat die Zusammenarbeit mit einem Kurator aus Haiti beendet. Die Fotobiennale 2024 ist abgesagt. Zuletzt stritt die Berliner Abteilung des Schriftstellerverbands PEN über einen Auftritt der britischen Autorin A.L. Kennedy in Berlin. Oft geht darum, dass die Betreffenden Erklärungen der vom Bundestag als antisemitisch eingestuften Initiative „Boycott, Divestment and Sanctions“ unterzeichnet hatten.

Jeanine Meerapfel Es ist falsch, die Lage so überspitzt darzustellen. Sie haben nicht erwähnt, dass Lars Henrik Gass, der Leiter der Kurzfilmtage Oberhausen, von Tausenden Unterzeichnern eines Schreibens dafür angegriffen wird, dass er sich gegen den Hamas-Terror gewandt hat. Das finde ich so falsch! Und wenn dies Menschen auf der anderen Seite passiert, finde ich das genauso falsch. Jeder Fall ist anders. Und wenn jemand einmal eine BDS-Unterschrift gegeben hat, ja, mein Gott! Er ist trotzdem ein Künstler, vielleicht jemand, der wunderbare Filme macht oder Bilder malt oder Bücher schreibt wie A.L. Kennedy, die ein engagiertes Mitglied unserer Akademie ist. Anders verhält es sich, wenn sich jemand in seiner Kunst antisemitisch oder antidemokratisch äußert. Das möchte ich klar unterscheiden.

tipBerlin Können Sie das präzisieren?

Jeanine Meerapfel Antisemitische Bilder, in denen Juden als Schweine dargestellt werden, kann man nicht ausstellen…

tipBerlin …wie auf der Documenta 2022 geschehen.

Jeanine Meerapfel Das ist in diesem Land zu Recht verboten. In dem Land der Mörder kann keine antisemitische Kunst gezeigt werden. Und man darf es nicht machen qua Grundgesetz. Unser Grundgesetz bietet in Artikel 3 die Grundlage, Antisemitismus strafrechtlich zu verfolgen. Es gibt also die Freiheit der Kunst, aber in dem Moment, in dem sie dazu genutzt wird, antisemitische oder rassistische Zeichen zu setzen, gibt es einen Stopp.

tipBerlin Der Wissenschaftler Meron Mendel schreibt im „Journal der Künste“, dem Magazin aus Ihrem Haus, dass das Recht auf Kunstfreiheit auch „antisemitische und rassistische Kunstwerke“ schütze.

Jeanine Meerapfel Das ist eine Meinung. Nur haben wir das Grundgesetz nicht ohne Grund. In dem Land, in dem es den Holocaust gab, kann man es nicht aushalten, dass es seit dem Terrorangriff der Hamas bis Anfang November um die 1.000 antisemitische Vorfälle gegeben hat, unter anderem Angriffe auf jüdische Institutionen und Menschen.

tipBerlin Sie sagten eben, Biografien daraufhin zu durchsuchen, wer was unterschrieben hat, gehe zu weit. Warum?

Jeanine Meerapfel Weil sich jeder Mensch ändern kann. Die Entscheidung des Parlaments, „BDS“ nicht mit Geldern zu unterstützen, ist etwas anderes, als Künstler zu canceln, weil sie irgendwann einmal für „BDS“ waren. Das sind verschiedene Angelegenheiten, die im Moment vermischt werden. Ich habe die Entscheidung des Parlaments so verstanden, dass der Staat kein Geld gibt für Projekte, die die BDS-Bewegung oder deren Ziele aktiv unterstützen.

tipBerlin Teams etlicher Berliner Kulturhäuser sind verunsichert, ob sie die Biografien ihrer Gäste auf BDS-Nähe überprüfen sollen, oder weil sie aufgefordert wurden, durchzuzählen, wie viele israelische und wie viele palästinensische Künstler bei ihnen ausgestellt haben. Sie scheinen den Eindruck zu haben, stillzuhalten sei zurzeit das Beste. 

Jeanine Meerapfel Nein, zu reden ist das beste Mittel.

tipBerlin Wer mit wem?

Jeanine Meerapfel Alle mit allen. Und zuhören.

Wenn Kunst antisemitische Züge oder womöglich rassistische Züge trägt, sollte man sie nicht zeigen.

Jeanine Meerapfel

tipBerlin Wie können sich Institutionen vor Antisemitismus schützen? 

Jeanine Meerapfel Wenn Kunst antisemitische Züge oder womöglich rassistische Züge trägt, sollte man sie nicht zeigen. Wenn man aber jemanden eingeladen hat und merkt, dass diese Person etwas anders präsentiert, als sie vorgegeben hat, dann muss man diskutieren und sehen, was man macht. Dafür gibt es kein Rezept. Es gibt nur ein Rezept: Wir leben in einer freiheitlich-demokratischen Ordnung, und die wollen wir bitte behalten. Dafür müssen wir sehr vorsichtig sein mit Verboten und mit Geboten. Und lieber einmal zu viel sprechen, als zu lange zu schweigen.

tipBerlin Die Akademie der Künste war Mitglied bei der Initiative „Die Vielen“, die sich in großen Demonstrationen mit goldenen Fahnen gegen Rassismus und die AfD gewandt hat. Gibt es die Initiative noch?

Jeanine Meerapfel Sie formiert sich momentan neu. Es gibt bereits Gespräche dazu.

tipBerlin Manche Menschen mit Verbindungen in muslimisch geprägte oder arabischsprachige Länder fürchten unter Generalverdacht zu geraten, Antisemiten zu sein oder mit dem Terror der Hamas zu sympathisieren, wenn sie sich nicht proaktiv von ihm distanzieren.

Jeanine Meerapfel Wer scheut sich, etwas zu sagen? Das finde ich merkwürdig. Nach dem Terrorangriff der Hamas hat es in Deutschland diese eben erwähnten rund 1.000 antisemitischen Vorfälle gegeben. Was können wir dagegen tun? Aufklären, aufklären, aufklären, in den Schulen, sogar schon in den Kindertagesstätten, überall, natürlich mit arabischen Freunden, mit jüdischen Freunden, mit all ihnen sprechen und Dialoge starten. Diese Anstrengung muss die Gesellschaft jetzt bringen.

tipBerlin Seit der umstrittenen Einladung der Ruhrtriennale 2020 an den Historiker Achille Mbembe aus Kamerun, einem postkolonialen Theoretiker, dem Antisemitismus und Relativierung des Holocaust vorgeworfen wird, wird dieser Vorwurf auch gegen postkoloniale Aktivist:innen und Wissenschaftler:innen in Deutschland erhoben. Kann das die Aufarbeitung der Kolonialzeit gefährden?

Wir haben in der Akademie der Künste mehrere Veranstaltungen über koloniale Zustände beziehungsweise das koloniale Erbe gehabt, unter anderem zu den Ovaherero und den Nama. Wir haben uns selbstverständlich dagegen positioniert, dass man ihnen die Rechte und Gegenstände nicht zurückgibt, die man ihnen genommen hat. Nun muss man aber nicht alles miteinander vermischen, sondern auseinanderhalten: Was ist Kolonialismus? Was ist Antisemitismus? Und was heißt das historisch? Da gibt es im Moment großen Kuddelmuddel.

tipBerlin Wie finden wir aus dieser Lage heraus?

Jeanine Meerapfel Indem wir sagen, was Zionismus war, was die Kolonien waren. Und wenn wir uns mit Zionismus auseinandersetzen, dann auch mit der Tatsache, warum die Juden Israel gegründet haben. Wissen wir heute noch, dass nach dem Zweiten Weltkrieg mehr als 900.000 Juden aus arabischen Ländern wie Ägypten, Libyen und Syrien vertrieben wurden und nach Israel gekommen sind? Künstler genießen die Freiheit, von diesem historischen Background abzusehen. Trotzdem darf man nicht das eine mit dem anderen vermischen. Man braucht nur ein paar Bücher zu lesen und ein bisschen aufzupassen, und dann wird man in der Lage sein, zwischen Kolonialismus und Zionismus, dem Entstehen des Landes Israel und den Problemen des Kolonialismus zu unterscheiden.

tipBerlin Wenn Sie 2024 Utopien und Frieden thematisieren, wen laden Sie von wo ein?

Jeanine Meerapfel Künstler:innen etwa aus Afrika und Argentinien. In diskursiven Veranstaltungen werden wir unter anderem literarische Vorstellungen von Utopie präsentieren. Es gibt ein Wochenende zu der großen lateinamerikanischen Utopie mit Filmen, die der Leiter der Kinemathek in Havanna vorstellen wird. Lateinamerika war der Kontinent der Utopien: Man hat immer gedacht, da wird es besser, da gibt es indigene Formen des Lebens, die besser sind als unsere. Außerdem wird Meron Mendel über Erziehung im Kibbuz sprechen: Inwieweit war oder ist das eine Utopie? Und  Moshe Zimmermann wird über die Utopie des Friedens sprechen.

tipBerlin Wie wollen Sie mit damit nicht nur die ohnehin Überzeugten erreichen?

Jeanine Meerapfel Das fragen wir uns immer wieder. Es gibt einen Film, der heißt „Die Strategie der Schnecke“, und die Strategie der Schnecke ist: langsam, langsam, aber stetig weiter, weiter, weiter und mehr und mehr und immer wieder. Immer wieder erzählen und Platz lassen für kontroverse Erzählungen und die Möglichkeit geben, sich anhand dieser kontroversen Ansichten eine eigene Meinung zu bilden.

tipBerlin Sind solche Erzählungen ein Modell für das Miteinander in der Stadt, übertragbar auf Bibliotheken, Schulen, Sportvereine?

Jeanine Meerapfel Ist es überhaupt ein Modell? Es ist eine Haltung, und die besteht darin, Meinungen auszuhalten. Ich bin keine Politikerin, die sagen kann, das ist das Modell für diese Stadt. Ich bin Künstlerin und ich kann als Präsidentin der Akademie der Künste versuchen, einiges zu bewegen, in der Hoffnung, dass es etwas bringt.

tipBerlin Die Akademie hat beratende Funktion in Sachen Kunst und Kultur für die Bundesrepublik.

Jeanine Meerapfel Absolut.

tipBerlin Was raten Sie wem?

Jeanine Meerapfel Wir sind im Gespräch mit der Staatsministerin für Kultur und Medien. Und wenn wir gefragt werden, wie man Antisemitismus bekämpft und die Verleugnung dessen, was gerade in Israel passiert ist, sagen wir unsere Meinung. Ob das Konsequenzen hat, weiß ich nicht.

tipBerlin Werden Sie danach gefragt, wie wir mit den Folgen des Nahost-Konflikts für das Zusammenleben hier umgehen?

Jeanine Meerapfel Nicht im Moment. Zum Nahost-Konflikt kann man sich eigentlich nur äußern, indem man beschreibt, was man fühlt, und zugleich sieht, was dort passiert. Bomben und Hass werden nicht die Lösung sein, und ich habe die Regierung Netanjahus für ihre undemokratische Haltung klar kritisiert. Und selbstverständlich denke ich an die Geiseln, die freikommen müssen, und an die Palästinenser, die unglaublich leiden unter diesem Krieg. Ich kann nur sagen, wir müssen alles tun, um die Fronten zumindest hier nicht zu verschärfen. Aber wo es darum geht, Hamas zu verherrlichen, dahin muss die Polizei.


Zur Person

Jeanine Meerapfel, 80, ist seit 2015 Präsidentin der Akademie der Künste in Berlin, zuvor war sie stellvertretende Direktorin der Akademie-Sektion Film- und Medienkunst. Die vielfach ausgezeichnete Filmemacherin, Drehbuchautorin und Produzentin wuchs als Tochter deutsch-jüdischer Emigranten in Argentinien auf und kam 1964 zum Filmstudium in die Bundesrepublik. Sie drehte unter anderem „Malou“, „Die Kümmeltürkin geht“ und „Im Land meiner Eltern“ und 2021 „Eine Frau“. Jeanine Meerapfels Präsidentschaft endet nach drei Amtszeiten im Mai 2024. 


Das Interview mit Jeanine Meerapfel findet ihr auch in der Januar-Ausgabe des tipBerlin. Ab 21.12. im Handel oder hier im Online-Shop.

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