Klimaschutz-Debatte

Was ist das Problem mit Greta Thunberg und Fridays4Future?

In der „Welt“ hat die Berliner Journalistin Hannah Lühmann mit einem verschwurbelten Text die Fridays4Future-Demos unter Beschuss genommen. Warum eigentlich?

Becker1999/ Flickr/ Attribution 2.0 Generic (CC BY 2.0)

Im ersten Absatz ihrer Schelte „Es reicht der Blick in die funkelnden Augen von Anne Will“ gibt Hannah Lühmann den jugendlichen Klimaschützern recht, nur um in den folgenden vier Minuten Lesezeit die Bewegung im Duktus einer Einser-Abiturientin zu dekonstruieren. Frau Lühmanns Hauptkritik an den Fridays4Future-Demos, scheint der Schulterschluss der Generationen zu sein. Der ist ihr nicht geheuer. Immer „der gleiche Zirkus“ konstatiert sie, und ist genervt von der Einigkeit der Generationen. Es seien sich doch alle einig, herzlich umarmt marschieren da Eltern mit ihren Kindern für den Klimaschutz und so kann das ja nichts werden! Zu viel Einigkeit kann nur scheitern, so die These. Warum eigentlich? Erklären tut sie es nicht wirklich. Warum sollten die Eltern ihre Kinder für eigene Begehren missbrauchen, nur weil sie vom Nachwuchs aus ihrer Lethargie geweckt wurden? Das ergibt wenig Sinn und diskreditiert ganz bestimmt nicht die Bewegung.

Lühmann führt dafür ihre eigene, vermeintlich linksradikale, in den Reihen der Antifa gestählte Jugend als Gegenbeispiel auf. Damals, sie spricht von den relativ un-revolutionären Nullerjahren, da waren die Eltern (aka das Establishment) noch gegen einen und jetzt ist alles Friede, Freude, Eierkuchen. Diese Gutmenschen-Eltern mit ihren Gutmenschen-Kindern wollen Klimaschutz? Pfui Teufel! Und die Politiker und Fernsehmoderatoren beklatschen das bunte Klima-Treiben. Von Anne Will bis Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier. In rechterem Sprech würde man schnell bei Begriffen wie „Lügenmedien“ und „linksversüfft“ ankommen. Dafür sind sich „Welt“ und Lühmann naturgemäß zu fein.

Da müssen also Psychoanalyse, Hegel und der „Kinderkreuzzug“ anno 1212 angeführt werden, damit alles klug und feuilletonistisch daherkommt und das Philosophiestudium doch noch in der Praxis zum Zuge kommt. Man will ja nicht Greta Thunbergs Bewegung auf dem Niveau der AfD kritisieren, das dann doch nicht. Es ist eine kritische Simulation, die eine Stimmung schafft und sich ganz leicht rechts der Mitte positioniert. Hier wird ein Unbehagen an Fridays4Future und der damit verbundenen Möglichkeit artikuliert, dass es ein Anliegen von generationsübergreifendem Interesse überhaupt geben kann. Nämlich Klimaschutz. Lühmann verunglimpft dieses gemeinsame Anliegen als „inzestuös“.

Man muss sich schon fragen, was die Autorin damit bewirken will. Oder ihre Zeitung, die „Welt“, für die sie ja schreibt und deren Chef Ulf Poschardt sich kürzlich prominent in Frank Plasbergs Talk „Hart aber fair“ zum gleichen Thema – redegewandt und charmant wie immer – nachhaltig blamierte als er von „Autos mit Seele“ schwadronierte und die junge Klimaaktivistin Luisa Neubauer altväterlich zurechtwies.

Natürlich steht Poschardt nicht direkt hinter Lühmanns Text, das macht sie schon selbst. Dennoch schwebt ein gewisser Geist in den Redaktionsstuben und man argwöhnt bei der „Welt“ bezüglich der Klimaschutz-Demos. Die Autoindustrie und „freie Fahrt für freie Bürger“ gehen in Poschardt Welt nun mal vor linksgrüner Energiewende und Schülern, die freitags lieber auf die Straße gehen statt in den Unterricht. Diese Haltung wird durch solche hipster-klugen Meinungsstücke zementiert. Die Sprache ist nicht mehr so martialisch, wie damals als man bei Springer noch gegen Gammler, 68er und Atomkraftgegner wetterte, auch hier hat man sich bewegt. Jetzt schreiben dort Ex-Antifa-Mädels gegen kleine Klimaschutz-Kids und ihre Prenzlauer-Berger-Bioeltern. Die Fronten sind aber geblieben und auch Springer bleibt sich treu. Eigentlich wundert es wenig.