• Stadtleben
  • Stau-Studie für Berlin: Zwischen Erkenntnis und grobem Unfug

Mobilität

Stau-Studie für Berlin: Zwischen Erkenntnis und grobem Unfug

Es ist für viele ein Glaubenskrieg: Fahrrad, Auto – oder BVG? Die Autofahrer freuen sich über Komfort, die Radfahrer über frische Luft und schnelles Vorankommen. Viele Nutzer der öffentlichen Verkehrsmittel beteuern, sie haben keinen dieser Vorteile. Allerdings muss man der Fairness halber wohl sagen, dass sie immer noch nicht so viel unnötig rumstehen, wie Autofahrer dies tun und sie müssen am Ende der Fahrt keinen Parkplatz suchen.

Der Verkehrsdatenanbieter Intrix hat ermittelt, dass der Kraftfahrer in Berlin im vergangenen Jahr im Schnitt 66 Stunden im Stau verharren mussten. Mehr als zweieinhalb Tage Stillstand. Übrigens meist bei laufendem Motor. Heißt: Nicht nur schlecht fürs eigene Zeitmanagement, sondern auch auch noch für die Umwelt.

Brennpunkte sind

  • die Bundesstraße B2 (Stadtgrenze bei Groß Glienicke bis Hofjägerallee)
  • die B96 zwischen Großbeeren und dem Tempohelhofer Ufer
  • die Stadtautobahn
Stau-Studie für Berlin: Es steht sich viel, aber wie lange eigentlich?
Fotolia.com © fotofox33

Stau-Studie für Berlin: Macht Corona es besser oder schlechter?

Für 2020 könnte sich das alles nochmal deutlich dramatisieren: Denn derzeit, zumindest berichten das viele Autofahrer, sind die Straßen ziemlich voll. Verdacht? Corona-Angst. Wer sein Auto sonst vielleicht nur für samstägliche Ausflüge nutzte, fährt derzeit lieber, als in den Bus zu steigen – es ist ja auch nicht unwahrscheinlich, dass in den Öffis der BVG die Ansteckungsgefahr mit dem Corona-Virus zumindest höher ist als im eigenen Auto.

Andererseits könnte sich das alles auch ganz schnell genau andersherum entwickeln. Wenn nach und nach die ganze Stadt unter Quarantäne gestellt wird, sind vielleicht auch bald die Straßen leer. Aus den bisherigen Krisenherden gibt es ja ausreichend Fotos verwaister Straßenzüge.

Bis dahin knattert es weiter in allen Gassen, es sei denn, die Mehrheit der autofahrenden Berliner folgt dem wahnsinnig weisen Rat der Studienmacher. Die ausgesprochene Empfehlung, um Stau zu vermeiden? Rad und Bahn benutzen. Wer hätte das gedacht? Das ist eine wenig überraschende Erkenntnis, die den Kosten-/Nutzen-Faktor der gesamten Studie etwas fragwürdig erscheinen lässt. Das hätte man ja auch so ahnen können, ganz ohne aufwendige Datenerhebung.

Im Stau stehen – oder doch lieber vorm Berghain?

Mal abgesehen davon, dass der Navigationsdienst TomTom auch eine Studie zum Thema in Auftrag gegeben hat hat und man sich fragen muss, wer denn nun groben Unfug vermittelt. Denn der Dienst sah laut Mitteilung den Berliner im Jahr 2019 insgesamt 124 Stunden stillstehend. Fast doppelt so lang also, gegenüber den von Intrix ermittelten 66 Stunden.

Stau-Studie für Berlin: In der Woche so lange im Auto warten wie sonst nur am Berghain.
Pritzkuleit

Das entspräche knapp zweieinhalb Stunden pro Woche. Also etwa der Zeit, die man Samstagnacht in der Berghain-Schlange auf Einlass warten muss. Und das tun ja auch noch mehr als genug Menschen freiwillig.

Die Studie von Intrix findet sich hier.

Mehr über Cookies erfahren