Corona-Krise

Das Kulturfestival „48 Stunden Neukölln“ findet 2020 vor allem online statt

Das Kulturfestival 48 Stunden Neukölln findet 2020 vor allem online statt. Vom 19. bis 21. Juni können Interessierte am Bildschirm rund 200 Projekte verfolgen, die  Künstler*innen, Musiker*innen, Tänzer*innen, Autor*innen und weitere Kulturschaffende des Bezirks vorbereitet haben. Sogar eine Art Avatare lassen sich buchen. Und doch hat Neukölln an diesem Wochenende auch offline Kunst zu bieten. 

48 Stunden Neukölln: Ausstellung von Isa Melsheimer
Ausstellung von Isa Melsheimer, die im Rahmen von „48 Stunden Neukölln“ zu sehen sein wird Foto: Jens Ziehe, 2020/Isa Melsheimer

Mit diesem aufwändigen Angebot schlagen Martin Steffens und Thorsten Schlenger, die Leiter von „48 Stunden Neukölln“, einen anspruchsvollen Weg ein. Einerseits soll in der Pandemie vermieden werden, dass sich viele Menschen an einem Ort treffen. Das dicht besiedelte Neukölln zählt zu den Berliner Bezirken mit den meisten Corona-Fällen. Erst im Juni ist ein ganzer Häuserblock im Norden des Bezirks unter Quarantäne gestellt worden. Andererseits arbeiten in Neukölln viele Kulturschaffende. Sie benötigen in der Corona-Zeit dringend Auftritte und Publikum.  

48 Stunden Neukölln 2020: Neue Online-Formate 

Für die Betreuung der Gäste sollen im Online-Angebot des Festivals unter anderem ganz analoge Ausstellungsführer*innen sorgen. Mit Kameras ausgestattet, suchen sie stellvertretend für das Publikum Veranstaltungen wie die zentrale Kunstausstellung im Umspannwerk. Diese ist vor Ort für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Doch Nutzer*innen können über die Kunstvermittler*innen Kameraausrichtung und Verweildauer bei einzelnen Ausstellungsstücken beeinflussen.

In Videokonferenzen sollen zudem Kunstvermittler*innen Auskunft zu einzelnen Arbeiten geben. Einige Führungen werden in deutsche Gebärdensprache übersetzt. Lohnenswert sind auch die Übertragungen von vier Projekten aus dem Kesselhaus im Kindl-Zentrum für zeitgenössische Kunst. Hier treten unter anderem die Tänzerin Mirjam Gurtner und die Klangkünstlerin Lisa Premke auf. Sie wollen in eine Choreografie übersetzen, wie sich Nähe und Distanz in einer Pandemie zueinander verhalten.  

Es gibt 2020 auch Offline-Angebote bei 48 Stunden Neukölln

Trotz des großen Online-Angebotes sind viele künstlerische Arbeiten offline zu sehen: auf Plakatwänden und in Schaufenstern von der Bürknerstraße im Nordwesten bis zur Emser Straße im Süden des Bezirks. Urban Art und Street Art sind Genres der Stunde: Sie ermöglichen dem Kunstpublikum Abstand und den Aufenthalt im Freien.  

Claudia Bassier ohne Titel, 2020 Fotografie Poster Gallery 48 Stunden Neukölln 2020. Foto: Claudia Bassier
Claudia Bassier ohne Titel, 2020 Fotografie Poster Gallery 48 Stunden Neukölln 2020. Foto: Claudia Bassier

Unabhängig vom 48-Stunden-Kunstfestival sind die regulären Neuköllner Ausstellungsorte an diesem Wochenende geöffnet,  allen voran die Galerie im Saalbau, die Galerie im Körnerpark und das Kindl-Zentrum.  Hier müssen die Mitarbeiter*innen dafür sorgen, dass Maskenpflicht und dem Einsatz von Desinfektionsmitteln gewährleistet sind, zudem kontrollieren sie die Zahl der Besuchenden.  

In der Galerie im Saalbau lassen sich am Sonnabend und Sonntag jeweils von 14 bis 18 Uhr Künstler*innen der aktuellen Ausstellung treffen. Die Arbeiten der sieben Teilnehmenden setzen sich mit einem weniger bekannten Gedicht von Eugen Gomringer auseinander. Ein anderes Gedicht von Gomringer war 2018 nach Protest von Studierenden von der Fassade der Alice-Salomon-Hochschule entfernt worden.  

Kunst für die Pandemie  

Die Galerie im idyllischen Körnerpark zeigt wenig idyllische Installationen der Berliner Künstler*innengruppe OTTTO (Ka Bomhardt, Angela Lubic und Oliver Oefelein  o-tt-o.de ). Ihre Installationen und Filme passen perfekt in die Zeit: Es geht um Verblassen, Vergessen und Verlust in Zeitenwenden. Am Sonntag, den 21. Juni verschwindet diese Ausstellung, es ist ihr letzter Tag.   

Das Thema Verlust umreißt Isa Melsheimer im obersten Stock des Kindl-Zentrum  noch schärfer. Die Berliner Künstlerin zeigt ihr Video von der Aufführung eines Wasserballetts auf dem Gelände des brutalistischen Rathauses der Stadt Marl. Zudem  sind Gouachen zu sehen, Plastiken und Skulpturen aus Keramik, Beton und bestickten, teils geflämmten Stoffen. Und kleine Gewächshäuser mit Pflanzen. 

Zusammen ergeben die Elemente eine äußerst dystopische Landschaft: Hier geht die Moderne unter. Eine Krake greift nach einem Gebäude am Meeresufer. Das Herz des vom Aussterben bedrohten Buckelwals schlägt nicht mehr. Und ein Mensch mit Maske scheint in ansteigendem Wasser zu versinken. Zugleich keimen in den Gewächshäusern zarte Pflänzchen und wecken Hoffnung auf einen Neuanfang. Neues Isa Melsheimer zeigt die Kunst zur Zeit.  

  • Bis 5.7.: Isa Melsheimer, Kindl-Zentrum für zeitgenössische Kunst, Am Sudhaus 3, Mi-So 12-18 Uhr, 5/3 Euro, bis 18 J. frei, Maskenpflicht 
  • Bis 21.6.: Gruppe OTTTO, Galerie im Körnerpark, Schierker Str. 8, Neukölln, Mo-So 10-20 Uhr, Eintritt frei, Maskenpflicht 
  • Bis 2.8.: Narratives Schweigen, Galerie im Saalbau, Karl-Marx-Str. 141, Mo-So 10-20 Uhr, Eintritt frei, Maskenpflicht 

Mehr Kunst in Berlin

Kunst in Berlin: Die 12 spannendsten Ausstellungen im Juni 2020: Von Katharina Grosse bis Linda McCartney

Mehr über Cookies erfahren