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Das Festival Country to Country kommt nach Berlin: Honky Tonk im Neonlicht!

Nach vier Jahren Pause kehrt „Country to Country“, das größte Country-Festival Europas, nach Berlin zurück. Stars wie Brad Paisley sind dabei, Teil des Programms ist aber auch die Newcomer-Bühne Bluebird Café, die in der Passionskirche eingerichtet wird. Was euch beim C2C erwartet, erfahrt ihr von unserer Autorin Christine Heise.

Der moderne Nashville-Sound kommt von Randall King. Foto: Yve Assad
Der moderne Nashville-Sound kommt von Randall King. Foto: Yve Assad

Europas größtes Country-Festival Country to Country

Countrymusik ist im Popdiskurs ein Fremdkörper. Allein der kleine Bruder Americana genießt eine gewisse Aufmerksamkeit, stellt er sich doch gegen den Mainstream, Genrezuschreibungen und Donald Trump. Europas größtes Country-Festival Country to Country (kurz C2C) will nach vier Jahren Unterbrechung unter anderem durch die Pandemie alles besser machen und bietet an drei Tagen ein übervolles Programm aus Bands und Songwritern, Stars und Newcomern.

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Eine bunte, sehr europäische Mischung, denn so munter Mainstream und Independent zu mixen, ist in den USA eher unüblich. Uns soll genau das freuen, denn so stehen neben den Headlinern Brad Paisley und Old Dominion unbekannte, aufstrebende Acts wie Jackson Dean und Wyatt Flores auf der Bühne, traditionalistische Geister werden also genauso bedacht wie die neugierigen.  

Country to Country: Der Texaner Randall King ist ein erklärter Neotraditionalist

Superstar Brad Paisley gehört zu den wenigen Topacts, die auch sonst gerne um die Welt touren, und so kann er sich auf eine bestehende Fancrowd verlassen, die er mit der Quadratur des Kreises belohnt: Auch als Künstler der 2000er weiß er Vorbilder wie George Jones zu ehren, definiert seine Rock-Identität durch dominantes Gitarrenspiel und hisst die Friedensflagge, indem er auf seinen neuesten Songs neben Mick Jagger auch den ukrainischen Präsident Selenskyj zu Gast hat. Der Texaner Randall King dagegen ist ein erklärter Neotraditionalist, George-Strait-Verehrer und stolzer Hutträger. Er schafft den Spagat zwischen Puristik und Radiotauglichkeit, ein Kunststück in Zeiten von grassierendem Popcountry.

Die kalifornische Singer-Songwriterin Colbie Caillat. Foto: Imago/Jeff Moore/ZUMA Wire
Die kalifornische Singer-Songwriterin Colbie Caillat. Foto: Imago/Jeff Moore/ZUMA Wire

Auch dieser ist beim C2C Festival mit Newcomerinnen wie Hannah Ellis, Carter Faith, Alexandra Kay und Geheimtipp Zandi Holup reichlich vertreten, wobei Künstlerinnen wie Colbie Caillat aus Kalifornien, ähnlich wie die tolle Lauren Watkins, es mit soviel Charme und Songwritingkunst betreiben, dass es eine Wonne ist. Gerade erst hat Caillat ihr Country Debüt geliefert und schon setzt sie – flankiert von Sheryl Crow – Maßstäbe in Sachen Strahlkraft und Positivität des Herzens. 

Die Präsenz eines queeren, aktivistischen Songwriters wie Fancy Hagood kann nicht hoch genug geschätzt werden. Zwar war der C2C Jahrgang 2020 deutlich diverser in Punkto Hautfarbe und Crossover (Darius Rucker, Jimmie Allen, Willie Jones), aber der rückhaltlose Charme von „Southern Curiosity“, des aus Arkansas stammenden Podcasters und Songwriters, umgarnt jeden. Ebenso die selbstironischen, sonnigen, Harmonie getragenen Songs der zweiten Headliner Band Old Dominion: Die fünfköpfige Band aus Nashville steht für Positivität und Cleverness und für den großen kommerziellen Erfolg.

Bluebird Café – Wo Taylor Swift ihren Anfang nahm

Wo also finden wir das Raue und Reine, das Nicht-Polierte und -Gefeilte, dessen Verschwinden die aufstrebende Musikerin Sierra Ferrell gerade öffentlich beklagte: Drayton Farley aus Alabama erzählt die ungeschönten Geschichten. Seine Stimme ist geprägt von „torment and tears“, auf „songs“ reimt sich „wrongs“, und hier ist er, der Mann mit den drei Akkorden und der Wahrheit. Auch Jackson Dean aus Maryland pflegt diesen Outlaw-Style, ein Senkrechtstarter, der im Zuge der Heart-To-Heart Tour bereits im letzten August in Berlin war, auch er ein Mann der rauen Unmittelbarkeit, aber in Johnny-Cash-Manier mit viel Sinn für Hooks und Rhythmus.

Off the record und doch ein Teil des Programms ist das Bluebird Café einen Tag vor offiziellem Festivalbeginn: In der Kreuzberger Passionskirche findet dieses Songwritertreffen in der Tradition des Bluebird Cafés in Nashville statt, wo einst die Karrieren von Taylor Swift, Garth Brooks und anderen ihren Anfang nahmen. Rita Wilson, Ehefrau von Tom Hanks, ist hier mit ihren Songs und Geschichten neben Alana Springsteen und Stephen Wilson Jr. ganz nah und persönlich zu erleben. 

Ein Festival mit ungeheurem logistischem Aufwand, das nur wenig zeitversetzt auch in London, Glasgow und Belfast stattfindet, eine von Nashville befeuerte Musikmaschine – nicht gerade preiswert, aber ungemein wertvoll für den Stand der Dinge. „Country’s Cool Again“ heißt die neue Single von Grammy Gewinnerin Lainey Wilson (am 20. März im Columbia Theater), und Lana Del Rey verkündet: „We’re going country, it’s happening“, im September erscheint ihr Album „Lasso“.  

  • Country to Country (C2C) Verti Music Hall, Friedrichshain + Passionskirche, Kreuzberg, 1.3.–3.3., Tickets: ab 30 € (Bluebird Café), ab 99 € (Mainstage), weitere Infos und Tickets gibt es hier

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