Berlin verstehen

Berlin richtig kennenlernen: Diese 12 Erlebnisse gehören zum Hauptstadt-Urlaub dazu

Berlin ist nicht nur Brandenburger Tor und Reichstag oder Tempelhofer Feld und RAW-Gelände. Berlin lebt auch von den Erfahrungen, die man hier macht, wenn man in der Stadt langsam ankommt. Dazu gehören das pulsierende Leben und die unterschiedlichen Kulturen ebenso wie der öffentliche Nahverkehr oder die langen Nächte. Die Bonzen und die, die gegen sie protestieren. Schlange stehen und nackig machen. Wir haben 12 Aktivitäten gesammelt, die Hauptstadt-Tourist*innen gemacht haben müssen, wenn sie Berlin wirklich kennenlernen wollen.


Einmal mit dem Fahrrad durch den Kreisverkehr am Kotti fahren

12 Aktivitäten für Tourist*innen, die Berlin wirklich kennenlernen wollen: Der Kotti ist das wahre Herz Berlins.
Der Kotti ist das wahre Herz Berlins. Foto: imago images/Hoch Zwei Stock/Angerer

Fahrradfahren in Berlin ist schön und schrecklich zugleich. Schrecklich, weil Fahrradfahrer*innen regelmäßig um ihr Leben fürchten müssen, zum Beispiel wenn sie neben einer Rechtsabbiegerspur geradeaus fahren oder Autos sie mit zu wenig Abstand überholen. Gleichzeitig kann Radfahren in der Hauptstadt ein Glücksgefühl verursachen, wie es sonst nur diese bunten Pillen oder die Liebe vermag. Auslagen mit saftigem Obst, Altbau-Fassaden und Bäume mit ausladenden Ästen rauschen an einem vorbei. Und dabei steigen einem der Geruch von Döner und Falafel, Erdnusssoße und Shisha-Bars in die Nase. Gesprächsfetzen auf deutsch oder türkisch, amharisch, arabisch oder vietnamesisch fliegen an einem vorbei. Am besten erfährt man diese Vielfalt an Gerüchen, Geräuschen und Bildern am Kotti, dem heimlichen Zentrum von Berlin.


Currywurst essen – oder Pommes

Richtig gute Currywurst gibt’s bei Konnopkes. Foto: imago images/Jürgen Ritter

Das Publikum an der Currywurstbude ist ein Querschnitt der Gesellschaft. Hier treffen sich Bauarbeiter*innen und Büromenschen, Jugendliche und Rentner*innen. Dazu kommen Menschen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren. Denn die Berliner*innen wissen: Bei Konnopkes, Curry 36 oder an der Curry-Baude am Gesundbrunnen, vor allem da, schmecken die Pommes am besten. Natürlich ist die Currywurst ein Berliner Traditionsgericht, ob mit Darm oder ohne. Und die beste Currywurstsoße gibt es ohne Zweifel in Berlin. Sie ist pikant, aber nicht zu scharf und fruchtig und sauer zugleich. Und vor allem: nicht zu wenig. Denn Berliner*innen geizen nicht, weder mit Soßen, noch mit Getränken oder anderem flüssigem Zeug. Zum Beispiel Körpersäften. Trotzdem ist der wahre Star eine Portion Pommes. Pommes sind der Kitt der Gesellschaft.


Auf einem Dach sitzen und die Sonne untergehen sehen

12 Aktivitäten für Tourist*innen, die Berlin wirklich kennenlernen wollen: Weiter Himmel, viel Platz: Auf Berlins Dächern lässt's sich aushalten.
Weiter Himmel, viel Platz: Auf Berlins Dächern lässt’s sich aushalten. Foto: imago images/Westend61

Über den Dächern Berlins werden selbst die schlimmsten, dunkelsten Tage ein bisschen schöner. Wer lange genug in Städten gelebt hat, weiß: Manchmal brauchen Menschen einen weiten Himmel. Fast nirgendwo ist der so schön in Berlin, wo man vom Boden aus meist nur Ausschnitte davon zu sehen bekommt. Von den Dächern aus kann man den Blick schweifen lassen, über die Stadt, über den Himmel zum Fernsehturm hin, der wie ein lieber Onkel über die Stadt wacht.

Übrigens: Hat man einmal den Zugang zu einem Dach gefunden, kann man in Berlin einen ganzen Spaziergang über der Stadt machen. Denn hier sind fast alle Dächer so flach wie gute Witze. Eines sollte man aber vielleicht lassen: Besoffen und berauscht auf einem Dach ohne Geländer Partys feiern. Sonst fällt man noch runter wie die Frau mit der Trainingshose in Wolfgang Herrndorfs Plüschgewitter. Und weil die meisten Wohnungen zum Hinterhof keinen Balkon haben, ist es nun doch sehr unwahrscheinlich, dass man wie die Dame auf einem Balkon landet. Auch wenn Besoffene ja bekanntlich besonders viel Glück haben. Wer kein Dach zum Draufsitzen kennt, kann sich auch unsere 12 Orte mit spektakulärer Aussicht für den Abend zu Gemüte führen.


Nackt in einem Berliner See baden

Nackt ist frei, besonders in Berlin. Foto: imago images/Schöning

Nackt ist frei und Berlin ist Freiheit. Natürlich hat die Freikörperkultur in allen neuen Bundesländern Tradition, in Berlin aber hat sie sich weiterentwickelt. Hier lassen sich nicht nur nackte, weißhaarige Männer die Sonne auf den Hintern scheinen, sondern Menschen jeden Alters und Geschlechts. Und zwar nicht nur auf den Hintern, sondern straight into their vaginas. Und dieses Gefühl, liebe Leserinnen, ist besser als jedes Frühlingserwachen. Abgesehen davon fördert FKK die Selbstliebe. An den Seen, wo sich Nackte tummeln, steigt die Akzeptanz aller Körperformen und -beschaffenheiten, ob birnenförmig oder gestählt, haarig oder glatt, schlaff oder straff. Dit is Berlin: Hier sind die Menschen toleranter als anderswo. Auch wenn wir hier natürlich nicht in einer Utopie leben und noch viel zu tun ist. Das sollten wir nicht vergessen. Viele Adressen zum Thema FKK haben wir auch hier zusammengestellt.


Sich in die Schlange bei Mustafas stellen

12 Aktivitäten für Tourist*innen, die Berlin wirklich kennenlernen wollen: Schlangestehen gehört zum Berliner Lebensgefühl.
Schlangestehen gehört zum Berliner Lebensgefühl. Foto: imago images/F. Berger

Wem Currywurst zu altbacken ist, der sollte sich einen Gemüsedöner bei Mustafas holen. Döner ist ja irgendwie eh die neue Currywurst. Außerdem kann man hier schon mal das Schlangestehen üben für die Zeiten, wenn das Berghain wieder geöffnet hat. Denn Schlangestehen gehört zu Berlin wie die Schnösel zu München und Fischbrötchen zu Hamburg. Deswegen haben wir an anderer Stelle auch eine Liste mit 12 legendären Warteschlangen, die wir nie vergessen werden, erstellt. Klar gibt es noch andere Adressen für richtig guten Gemüsedöner, in Schöneberg bei Rüya zum Beispiel oder am Kotti. Aber die sind dann eben ohne die Würze des Wartens und man verspeist sie ohne den Mörderhunger, der sich in der Schlange früher oder später einstellt.


Ringbahn fahren

Immer im Kreis herum geht’s in der Ringbahn – und das passt ja irgendwie zu Berlin. Foto: imago images/Rüdiger Wölk

Wer in Berlin war und nicht mit der Ringbahn gefahren ist, war eigentlich gar nicht hier. Erstens ist es doch irgendwie toll, dass es eine Bahn gibt, die immer im Kreis herum fährt. Rum, Rum, Rum mit Rum, wenn man drauf steht. Wenn einem schwindelig wird, steigt man einfach in die Bahn, die in die entgegengesetzte Richtung fährt. Zweitens trifft sich in der Ringbahn, ähnlich wie an der Currywurst- oder Pommesbude, ein Querschnitt der Stadt. Also: Büromenschen, Bauarbeiter, Studierende und so weiter. Siehe Abschnitt 2. Übrigens: Man muss es mit der Ringbahn-Experience nicht unbedingt übertreiben und gleich Ringbahn-Dönern, in die Ringbahn kotzen oder dort nach dem Feiern einschlafen. Kann man aber. Auch wenn man bei ersterem und zweiterem wahrscheinlich böse Blicke auf sich zieht. Allzu böse werden sie aber nicht sein, denn die Berliner*innen sind in dieser Hinsicht einiges gewohnt.


Villen in Dahlem, am Wannsee oder im Grunewald begutachten

12 Aktivitäten für Tourist*innen, die Berlin wirklich kennenlernen wollen: Wut auf Bonzen gehört ebenfalls zum Berliner Lebensgefühl.
Wut auf Bonzen gehört ebenfalls zum Berliner Lebensgefühl. Foto: imago images/Schöning

Zu Berlin gehören nicht nur linke grüne Stadtteile wie Kreuzberg und Friedrichshain oder der rote Wedding, sondern auch Bonzenviertel. Dort reiht sich Villa an Villa, eine pompöser als die andere. Einerseits sind diese Prachtbauten wirklich schön anzusehen. Auf der anderen Seite kann man hier, schon mal genug Wut für etwaige Demos gegen Mietenwahnsinn, raffgierige Manager*innen und Investor*innen sowie den entfesselten Kapitalismus sammeln. Denn wenig macht so wütend, wie die Erfahrung, an einem brütend heißen Tag nach einer Badestelle am Wannsee zu suchen und keine zu finden, weil sich fast das gesamte Ufer in Privatbesitz befindet.


Auf der Admiralbrücke Bier trinken

Guter Ort, um den Sonnenuntergang anzuschauen: die Admiralbrücke. Foto: imago images/Travel-Stock-Image

Wenn die Abendsonne die Admiralbrücke in goldenes Licht taucht und sich Musiker*innen, Menschen, die selig in den Feierabend lächeln und Tagträumer*innen dort versammeln, ist dieser Ort „the place to be“ in Berlin. Die Brücke überspannt den Landwehrkanal an einer Stelle, an der die untergehende Sonne besonders schön leuchtet. Wer früh kommt, hat große Chancen, einen Platz am Geländer oder auf den Pollern in der Mitte zu ergattern. Die anderen sitzen auf dem Bürgersteig und werfen den vorbeifahrenden Autofahrer*innen, die sie zwingen, zur Seite zu rutschen, böse Blicke zu. Und zwar mit Recht. Die Admiralbrücke ist einer dieser Orte, an denen besonders deutlich wird, wie die fahrenden Blechbüchsen den Menschen das Leben in der Stadt schwer machen. Nicht umsonst gibt es zahlreiche Initiativen, die die Straßen autofrei machen wollen. Übrigens: Wer noch mehr schöne Brücken sehen will, kann sich unsere Liste mit den 12 schönsten Brücken Berlins ansehen.


Laut Techno hören und tanzen

12 Aktivitäten für Tourist*innen, die Berlin wirklich kennenlernen wollen: Techno gehört zu Berlin, auch wenn wir im Moment nicht in Clubs tanzen dürfen.
Techno gehört zu Berlin, auch wenn wir im Moment nicht in Clubs tanzen dürfen. Foto: imago images/Christian Mang

Ja, die Clubs dürfen im Moment nicht für Partys öffnen. Und das ist richtig und wichtig. Denn Partys unter Einschränkungen machen wahrscheinlich so viel Spaß wie eine Familienfeier bei ungeliebten Verwandten.Zum Feiern in Berlin gehören Engtanz und Schweiß. Nicht falsch verstehen. Clubkultur ist mehr als Ballern, Bass und Berghain. Aber zum Glück gibt es ja diese nützlichen portablen Boxen. Halbstarke Jungs benutzen die andauernd an den unmöglichsten Orten, im Bus zum Beispiel. Also sollte nichts dabei sein, wenn man sich auf ein Dach, auf eine Wiese oder in die Küche stellt und eine Weile mit geschlossenen Augen zu Techno-Tracks tanzt. Das kommt zwar nicht an eine Clubnacht ran, aber in diesen verkeimten Zeiten muss man nehmen, was man kriegen kann.


Einmal in einen leeren U-Bahn-Wagen steigen und feststellen, warum keiner drin sitzt

Wenn ein U-Bahn-Waggon leer ist, hat das meist einen Grund. Foto: imago images/Christian Spicker

Ebenso wie Superreiche, die in fetten Villen residieren, gehört auch das andere Extrem zu Berlin: Armut. Menschen, die kein Zuhause haben. Denen das Leben übel mitgespielt hat und die von Anfang an kaum Chancen auf etwas Wohlstand hatten. Zum Berlin-Besuch gehört auch die Konfrontation mit menschlichem Elend. Und das Aushalten dieses Elends, zum Beispiel, wenn man in einen leeren U-Bahn-Waggon steigt, sich drüber freut, und kurz darauf erkennt, warum der Waggon so leer ist. Nämlich, weil dort jemand sitzt oder liegt, der schon lange nicht mehr duschen konnte oder zu schwach war, rechtzeitig eine Toilette aufzusuchen. Denn eine Toilette zu finden, ist für obdachlose Menschen nicht selten eine Unmöglichkeit, weil niemand sie in ihre Räumlichkeiten lässt. Angesichts von der Armut sollte man aber nicht vergessen, dass es in den unterirdischen Hallen Berlins auch viel Schönheit zu sehen gibt, wenn man hinschaut. Wir haben die 12 schönsten U-Bahnhöfe Berlins gesammelt.


Auf zerschlissenen Möbeln in einer Neuköllner Hipster-Bar versacken

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Jede*r sollte einmal in den verschlissenen Sesseln einer Berliner Bar versackt sein. Foto: imago images/David Heerde

Zwar sehen die Hipster-Bars in Neukölln mit den unverputzten Wänden, den knautschigen Sesseln und zerschrammten Dielen irgendwie alle gleich aus, aber das macht sie nicht weniger schön. Hier kann man kickern, ohne Angst haben zu müssen, dass man Ärger kriegt, weil dem Torwart die Füße abfallen. Und man kann sich mit Edding an den Wänden Klokabinen verewigen, ohne das Gefühl zu haben, etwas Schlimmes zu tun. Denn vollgetaggte Wände auf dem Klo müssen diese Kneipen ja haben, wenn sie genug urbane Credibility vorweisen wollen. Übrigens kommt nach dem dritten Wein auch der langhaarige 50-jährige Typ in der Ecke, der von der alten APO und Barrikaden in Kreuzberg schwafelt, ganz sympathisch rüber. Also: Versacken lohnt sich.


Einen Ausflug nach Marzahn machen und die Plattenbauten bewundern

Auch Plattenbauten können ästhetisch sein — wie in Marzahn. Foto: imago/Schöning

WBS 70 steht für Wohnbauserie 70 und ist der Plattenbautyp, der ab 1970 in der DDR bei Neubauten am weitesten verbreitet war. Marzahn ist voll von diesen Platten. Und auch wenn sie für manche Menschen auf den ersten Blick sehr unansehnlich erscheinen mögen, verströmen die Häuser doch eine ganz besondere Romantik. Von einem Kiez kann man in den meisten Ecken Marzahns zwar schlecht sprechen, weil Bars, kleine Läden, Cafés und Clubs größtenteils fehlen. Dafür ist der Bezirk grün wie kaum ein anderer. Und manchmal auch irgendwie heimelig, wenn die Kinder aus den umliegenden Platten auf den Plätzen in der Mitte an einem warmen Sommerabend spielen und die Erwachsenen ihnen von den Balkonen aus zugucken. Auch deswegen gehört Marzahn für uns zu den 12 wichtigsten Großwohnsiedlungen in Berlin.


Ihr seid in Berlin und habt noch nichts geplant? Dann legen wir euch unseren Freizeit-Guide mit Ausflugstipps für Berlin, inklusive Schwimmen, Wandern, Entdecken und mehr an Herz. Übrigens: Berlin informiert regelmäßig über alle neuen Entwicklungen in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie in Berlin.