Kommentar

Christian Drosten: Hände weg vom Corona-Erklärer, ihr Internet-Idioten!

Jetzt, wo fast alle Corona-lieb zueinander sind, sozial abstandsvoll zusammenrücken, die Corona-Krise gemeinsam wuppen wollen, hatten wir uns schon gefragt: Was machen die ganz großen Sozialmedien-Arschgeigen eigentlich jetzt? Nun wissen wir es. Sie ledern gegen den Charité-Virologen Christian Drosten.

Da geht es also gegen den Mann, der uns in seinem sachlichen, unaufgeregten und auch oft genug zweifelnden Coronavirus-Update jeden Tag den Ernst der Lage erklärt. Ausgerechnet Drosten.

Christian Drosten, Direktor am Institut fuer Virologie der Charite Berlin. Foto: Schmitz/photothek.net

Also Leute, sagt mal: Seid ihr noch ganz knusper? Tut euch was weh? Unsere Tipps gegen Rückenschmerzen übersehen? Ist sonst nichts los in eurer Welt? Oder wisst ihr mit eurem gehorteten Klopapier nichts Gescheites anzufangen? Und was macht eigentlich zum Beispiel der Wendler gerade?

Drosten droht den Rückzug an

Es war ein Paukenschlag. Bei seinem gestrigen wochentäglichen NDR-Podcast dachte Christian Drosten über den „geordneten Rückzug“ der Wissenschaft aus der Öffentlichkeit nach. Bei seinem 25. Podcast machte er zum wiederholten Mal sein Unwohlsein deutlich. Er hatte sich schon vorher über die Schattenseiten seiner Außenwirkung beklagt. Über Karikaturen über sich, bei denen ihm übel werde. Oder auch über Medien, die Virologen wie ihn als die neuen politischen Entscheider darstellten.

Selbst die Zeit hatte schon Mitte März einen Text, der mit Drostens Foto illustriert war, getitelt: „Ist das unser neuer Kanzler?“ Und die Süddeutsche fabulierte irgendwas über ihn als Sex-Symbol daher.

In den sozialen Netzwerken überbieten sich weibliche, aber auch männliche Witzischbolde im Ach-so-ironischen Virologen-Crush. Seit Wochen.

Manche entblöden sich auch nicht, sich darüber zu mokieren, dass hier ein weißer Cis-Mann mal Ahnung von Dingen hat, die er von sich gibt. Als bestände die Welt nur aus Leuten wie Andi Scheuer. Oder Donald Trump.

Und als wenn das noch nicht idiotisch genug wäre, soll Drosten jetzt eine Mail bekommen haben, in der er für den Suizid des hessischen Finanzministers Thomas Schäfer verantwortlich gemacht wurde. Persönlich. Es ist einfach unfassbar.

Drostens NDR-Podcast fiel heute aus

Am heutigen 1. April ist Drostens NDR-Podcast zum ersten Mal ausgefallen, stattdessen sendete der NDR einen Behind-the-scenes-Talk mit dem Podcast-Team. Die Begründung: Der Virologe habe gerade keine Stimme mehr. Wegen einer Nasen-Nebenhöhlen-Entzündung. Hoffentlich bleibt das der einzige Grund, warum der Mann die Nase voll hat.

Natürlich, jede Krise schafft sich ihre Helden. Wissen wir. Wir machen auch mit. Ein bisschen. Es erwärmt ja auch das Herz. Der Wegbier-Freund in mir freute sich ja auch, als Christian Drosten im Podcast als Virologe Flaschenbier empfahl. Wenn es schon Bier sein soll.

Aber zu viel ist zu viel. Zu doof ist zu doof. Zu arschgeigig ist zu arschgeigig.

Deshalb: Hände weg von Christian Drosten, ihr Internet-Idioten! Oder wollt ihr demnächst die Virus-Welle nur noch von Jens Spahn, Markus Lanz und Dieter Nuhr erklärt bekommen?

Hört auf mit dem fancy Virologen-Crush-Bullshit!

Hier ist unsere Top 3 von Maßnahmen, die nach unserem Kenntnisstand ab sofort, unverzüglich gelten sollten:

  1. Kein fancy Virologen-Crush-Bullshit gegen Professor Drosten! Nehmt stattdessen den Wendler.
  2. Keine „Hat-der-Mann-nicht-Besseres-zu-tun-als-Interviews-geben?“-Bescheuertheiten gegen Professor Drosten! Nehmt stattdessen den Wendler.
  3. Keine Typisch-weißer-Mann-Whataboutism gegen Professor Drosten! Nehmt stattdessen den Wendler.

Denn wir wollen weiter jeden Tag Christian Drosten hören.

Und nicht den Wendler.

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