• Essen & Trinken
  • Restaurantschließungen in Berlin: Diese Läden müssen wir verabschieden

Corona-Aus

Restaurantschließungen in Berlin: Diese Läden müssen wir verabschieden

Die Corona-Krise trifft die Gastronomie hart, das ist keine Frage. Doch während viele Cafés und Restaurants unkompliziert auf Take-Away-Angebote umschalten können, war die Umstellung für andere schwerer oder sogar unmöglich. Und so beklagen wir einige Restaurant-Schließungen in Berlin – und möchten uns von den Fine-Dining-Tempeln, Innovatoren und Kiezläden verabschieden. Und manchmal ist so ein Abschied ja auch ein Neuanfang.


Auch mit einem Michelin-Stern gegen Corona machtlos: Das Savu schließt seine Tore

Gehobenes Fine Dining, mit finnischem Touch: das Savu von Sauli Kemppainen musste schließen. Restaurantschließungen Berlin
Gehobenes Fine Dining, mit finnischem Touch: das Savu von Sauli Kemppainen musste schließen. Foto: Tommi Anttonen

Corona macht auch vor einem frisch verliehenen Michelin-Stern nicht Halt. Mehr noch, derart klassisches, in seiner Inszenierung wie der Vielzahl der Produkte und Darreichungsformen aufwendiges Fine Dining wirkt in diesen Tagen der Wohlfühlküche tatsächlich aus der Zeit gefallen. Tragisch ist das für den Gastgeber und Küchenchef, den Berliner Finnen Sauli Kemppainen, der vor gut zwei Jahren am hinteren Kurfürstendamm endlich ein eigenes Restaurant eröffnet hatte. Eines aber, das zu sehr von den internationalen Gästen und dem zugehörigen Reise- und Messebetrieb abhängig war. Eines der vielleicht prominentesten Beispiele coronabedingter Restaurantschließungen in Berlin.  

  • Savu Kurfürstendamm 160, Wilmersdorf

Trauriger Abschied: Das Le Faubourg ist nicht mehr

Hotelrestaurants haben es schwer: auch das Le Faubourg musste aufgeben, weil die Zukunft der Hotelbranche derzeit ungewiss ist. Restaurantschließungen Berlin
Hotelrestaurants haben es schwer: Auch das Le Faubourg musste aufgeben, weil die Zukunft der Hotelbranche derzeit ungewiss ist. Foto: tipBerlin Archiv

Diese sehr, sehr traurige Restaurantschließung war quasi eine Kettenreaktion: Weil die Betreibergesellschaft des Sofitel am Kurfürstendamm pandemiebedingt Insolvenz anmelden musste, stand auch das Fünf-Sterne-Haus samt zugehörigem Restaurant zur Disposition. Kurz vor dem zweiten Lockdown war klar: Die Dorint-Gruppe wird das Hotel übernehmen, mindestens mittelfristig aber auf ein eigenes Fine-Dining-Restaurant verzichten.

Wir bedauern dies nicht nur, weil uns dort mit Sebastian Leyer gerade erst ein neuer, selbstbewusst regional und produktbezogen kochender Küchenchef begegnet war. Das Le Faubourg war immer auch eine der touristischen Orte, der sich aus vollem Herzen auch den Berliner*innen geöffnet hat.

  • Le Faubourg Augsburger Str. 41, Charlottenburg

Aus für die Tofu Tussis

Vegane Burger und erstklassiger frischer Tofu aus der hauseigenen Manufaktur: die Tofu Tussis versorgten auch Berliner Spitzenrestaurants – doch Corona brach dem Geschäft das Genick Restaurantschließungen Berlin
Vegane Burger und erstklassiger frischer Tofu aus der hauseigenen Manufaktur: die Tofu Tussis versorgten auch Berliner Spitzenrestaurants – doch Corona brach dem Geschäft das Genick. Foto: Tofu Tussis

Handwerkliche Leckereien vom Tofutier: Die Tofu Tussis aus der Kreuberger Markthalle Neun waren eine der ersten Tofu-Manufakturen Berlins und verwendeten nachhaltige, biologische Zutaten. Aus der Tofurei kamen Spezialitäten wie das beliebte Algen-Räuchertofu und die zünftige „Stadtjägerin“, sie versorgten aber auch einige der besten Restaurants der Stadt, wie zum Beispiel das KinDee, mit ihren Sojaspezialitäten.

Dieser Aspekt des Gastro-Lockdowns wird oft unterschätzt: Die Restaurantschließungen in Berlin treffen auch Manufakturen wie die Tofu Tussis und alle weiteren Teile der Lieferkette. Wir werden die bunten Tofuburger vermissen und hoffen, die Tofu Tussis anderweitig wiederzusehen!

  • Tofu Tussis Markthalle Neun, Eisenbahnstraße 42/43, Kreuzberg

Bittersüßer Abschied von der Zuckerfee

Bekannt für seine Kuchenspezialitäten verabschiedete sich das Café Zuckerfee in den letzten Wochen des vergangenen Jahres von seiner Stammkundschaft im Prenzlauer Berg. Die Betreiberinnen Kyra Gass und Lisa Bruder, so berichtete die Berliner Zeitung, verbuchten durch die Corona-Krise große Umsatzeinbußen.

  • Zuckerfee Café und Confiserie Greifenhagener Str. 15, Prenzlauer Berg

Herz & Niere geht, Tante Fichte kommt

Ein Laden für Liebhaber und Kenner: das Herz & Niere hatte eine eingeschworene Fangemeinschaft. Jetzt geben Gastgeber Michael Köhle und Küchenchef Christoph Hauser auf. 
 Restaurantschließungen Berlin
Ein Laden für Liebhaber und Kenner: das Herz & Niere hatte eine eingeschworene Fangemeinde. Jetzt geben Gastgeber Michael Köhle und Küchenchef Christoph Hauser auf. Foto: tipBerlin Archiv

„Alles vom Tier“ ist nicht mehr. Und auch wenn die Corona-Pandemie nur der mittelbare Grund für das Aus von Berlins überzeugendstem Nose-to-Tail-Restaurant war, steht das Herz & Niere doch paradigmatisch für die gegenwärtige Krise der Gastronomie. Fast sechs Jahre lang haben Christoph Hauser und Michael Köhle mit den Widrigkeiten eines selbstfinanzierten Fine-Dining-Restaurants (und mehreren Wasserschäden) gekämpft, bis irgendwann die Kraft aus war.

Gastgeber Köhle wird aber an gleicher Stelle mit der Tante Fichte weitermachen, Küchenchef Hauser macht derweil, was wir in diesem Lockdown so dringend brauchen: Unter dem Label Weck die Heimat füllt er eine hochwertige, handwerkliche Wohlfühlküche in Einmachgläser. 

  • Herz & Niere Fichtestraße 31, Kreuzberg 

Auch das Kreuz & Kümmel schließt offiziell

Indische Küche mit internationaler Ausrichtung: das Restaurant Kreuz & Kümmel war auf ungewöhnliche Kombinationen spezialisiert. Restaurantschließungen Berlin
Indische Küche mit internationaler Ausrichtung: das Restaurant Kreuz & Kümmel war auf ungewöhnliche Kombinationen spezialisiert. Foto: The Dude for Food

Es sollte ein neues Kapitel für Chaitanya Singh und sein indisch-grundiertes Fusion-Restaurant Kreuz & Kümmel werden. Aus dem kleinen Bistro im Prenzlauer Berg wurde ein weltmännliches Restaurant auf der Auguststraße, mit einem finanzstarker Partner im Rücken und vielen neuen Ideen im Kopf – wir waren begeistert vom Kreuz und Kümmel. Aber dann kam Corona und schnell war klar, dass gerade in Mitte ohne Büros und Touristen – das Restaurant okkupierte auch das Erdgeschoss eines Hotels – wenig Kundschaft für Take-Away oder ähnliche Angebote blieb. Und so ging das Restaurant erst in eine verlängerte Pause, bevor im Herbst endgültig sein Ende verkündet wurde. Berlin ist um einige kulinarische Abenteuer ärmer – und wir hoffen inständig auf die baldige Rückkehr von Singhs Tandoori-Maultaschen und der indisch interpretierten Currywurst.

  • Kreuz + Kümmel Auguststr. 82, Mitte

Sperrstunde für die Perle Bar

Für alle Gastronomiebetriebe ist die Lage schlimm – aber Bars und Kneipen trifft es besonders hart. Schließlich führt Alkohol nicht gerade dazu, dass man es mit der Einhaltung von Hygieneregeln und Schutzmaßnahmen so genau nimmt, egal wie sehr der Betrieb darauf achtet. Und so mussten die Bars erst und später auch früher als beispielsweise Restaurants und Cafés mit Sperrstunden kämpfen. Für die Perle Bar ist daher nun Schluss. Wir stoßen noch ein letztes Mal auf den Klassiker an!

  • Perle Bar Sredzkistraße 64, Prenzlauer Berg

Kastanientörtchen gibt auf – um selbstbestimmt neu zu starten

Seit 2017 hatte das liebevoll eingerichtete Café „Kastanientörtchen“ eine eingeschworene Fangemeinschaft. Kein Wunder, war es doch nicht nur hübsch, sondern bestach auch durch ein einzigartiges Konzept: Build your own Törtchen! Kund*innen hatten die Auswahl aus verschiedenen Törtchenböden – allesamt ohne Weizenmehl –, Cremes und Toppings, um sich ihre Traumtörtchen zusammensetzen zu lassen. Im Mai verkündete das Café dann, dass es seinen Mietvertrag nicht verlängern würde. Lieber wolle das Team nach der Krise selbstbestimmt und ohne Schulden einen Neustart wagen. Wir drücken die Daumen!

  • Kastanientörtchen Kastanienallee 60, Prenzlauer Berg

Kein Kampf mehr: Das La Lucha verwandelte sich still ins La Perla

Das mexikanische Lokal ist nicht mehr. Wie es mit dem La Lucha weitergeht, ist noch unklar.      Restaurantschließungen Berlin
Das mexikanische Lokal ist nicht mehr. Wie es mit dem La Lucha weitergeht, ist noch unklar. Foto: La Lucha

Am Anfang der Corona-Krise erfand sich das La Lucha noch neu, in dem das mexikanische Lokal Tortas, mexikanische Sandwiches, anbot. Soulfood vom Feinsten! Doch bald blieben die Türen geschlossen und wie es weiterging, blieb im Dunklen. Im Sommer eröffnete es als La Perla wieder, für Champagner, Austern und Fischspezialitäten mit lateinamerikanischem Twist und ohne. Im Oktober war das Pop-up vorbei – doch es soll bald schon eine nächste Runde geben, wenn auch an einem anderen Ort. Wir bleiben dran!

  • La Lucha Paul-Lincke-Ufer 39/41, Kreuzberg

Die Kaffeetheke im Voo Store wechselt den Betreiber

Im Voo Store nahm Companion Coffee & Tea seinen Anfang – doch mittlerweile führt das Team sein eigenes Café und einen erfolgreichen Teehandel. Restaurantschließungen Berlin
Im Voo Store nahm Companion Coffee & Tea seinen Anfang – doch mittlerweile führt das Team sein eigenes Café und einen erfolgreichen Teehandel. Foto: tipBerlin Archiv

Mit der Kaffeetheke im Kreuzberger Voo Store fing für Companion Coffee & Tea alles an – dann folgte vor einigen Jahren das eigene Café in Neukölln. Jetzt haben die beiden sympathischen Betreiber Shawn Barber und Chris Onton die Schlüssel für die Voo-Store-Theke an das Team vom Amsterdamer Café Tokiho übergeben – und fokussieren sich auf ihr eigenes Café in Neukölln und ihren exquisiten Teehandel. Ein Besuch in Neukölln lohnt sich sowieso immer, aber auch Tokiho eröffnet trotz des Lockdowns für Einzelhandel ein Take-Away-Fenster!

  • Companion Coffee im Voo Store, Oranienstraße 24, Kreuzberg

Pasta basta: Das Cotto e Crudo schließt

Das kleine Restaurant am Mauerpark war vielleicht kein Gourmettempel, aber einer dieser Nachbarschaftsläden, die einen Kiez zusammenhalten. Nun musste das Lokal jedoch aufgeben – und die Gegend ist um ein herzliches sizilianisches Lokal ärmer. Auch das ist die Konsequenz von Restaurantschließungen in Berlin.

  • Cotto e Crudo Eberswalder Str. 26-34, Prenzlauer Berg

Mehr Berliner Esskultur:

Schon im Sommer sammelten wir traurige Corona-Abschiede und Restaurantschließungen: Geschlossene Restaurants in Berlin. Wir feiern aber auch Neueröffnungen, wie zum Beispiel die SOFI Bakery in Mitte: Gebackenes Glück. Ihr wollt im Lockdown den eine Pause von tierischen Produkten einlegen? Wir haben die Profis von Zucker & Jagdwurst gefragt: Berlins buntester veganer Blog gibt Tipps zum Veganuary.

Folgt unserem Instagramkanal @tipberlin_food!

Berlin am besten erleben
Dein wöchentlicher Newsletter für Kultur, Genuss und Stadtleben
Newsletter preview on iPad