Comic

Gegen das Wildschweinsystem

Das Formtief vom letzten Band ist überwunden, Ferri und Conrad legen mit
Die Tochter des Vercingetorix  einen sehr guten neuen Asterix-Band vor

Im gallischen Dorf tauchen seltsame Gäste auf, Asterix und Obelix schauen erst einmal zu.
Foto: Egmont Ehapa Media / Asterix® – Obelix® – Idefix ® / © 2019 Les Éditions Albert René / Goscinny – Uderzo

Ja doch, Greta Thunberg taucht bei Asterix auf. Das war allerdings schon 1969 im Band „Asterix in Spanien“. Und sie hieß dort Pepe. Die Titelfigur aus dem allerneuesten Asterix, Adrenaline, „Die Tochter des Vercingetorix“, hat mit Greta vielleicht einen Zopf und die permanente schlechte Laune gemeinsam, sonst aber nichts mit der populären Schwedin zu tun.

Aber der Reihe nach: Adrenaline kreuzt also im gallischen Dorf auf. Sie ist auf der Flucht, denn der imperialistische Cäsar möchte die Tochter seines militärischen Widersachers gerne zwangsadoptieren und romanisieren. Auf ihren Fersen befinden sich Miesepetrix, Cäsars gefährlichster und hinterlistigster Agent, und sein rotäugiger Gaul Nosferatus. Doch Adrenaline fühlt sich im Dorf gar nicht wohl und organisiert, zusammen mit Selfix und Aspix, den Söhnen von Verleihnix und Automatix, eine Art Jugendgang gegen die „Stützen des Wildschweinsystems“. Und dann trifft sie auf die wohlbekannten Piraten (die neuerdings einen stockbesoffenen Charles Aznavour in der Crew haben) und ein römisches Patrouillenboot. Obelix realisiert, dass er kein Jugendlicher mehr ist, und alles wird sehr chaotisch.

Erneuerung!

Und das ist dann auch die größte Kritik an diesem neuen Band: Dass Autor Jean-Yves Ferri und Zeichner Didier Conrad so viele Ideen haben, so viele Anspielungen unterbringen wollen, dass 44 Seiten pro Band einfach nicht mehr ausreichen. Alles wirkt etwas schnell abgehakt und gedrängt. Zeichnerisch und storytechnisch jedoch gibt es an diesem nach offizieller Zählung 38. Band der Serie (Kenner wissen natürlich, dass zwischen „Asterix bei den Belgiern“ und „Asterix bei den Pikten“ überhaupt keine Alben erschienen sind – genausowenig wie es ein Alesia gab) nichts zu meckern; das kleine Formtief vom letzten Band „Asterix in
Italien“ ist längst überwunden. Ferri und Conrad scheinen tatsächlich einen
längerfristigen Plan zu haben, der lautet: Erneuerung!

„Wir wollten uns stärker auf weibliche Figuren konzentrieren“, so Ferri in einer Pressemitteilung, „und bislang spielten Jugendliche in der Asterix-Reihe keine allzu große Rolle.“ Vorsichtig führen sie nun also neue Nebenfiguren ein, aus denen man viele lustige Geschichten machen könnte – wenn es den doch eher konservativ ausgerichteten Asterix-Lesern (und dem Verlag) gefällt. Auch nach 60 Jahren – die erste Seite der Serie erschien am 29. Oktober 1959 im Comicmagazin „Pilote“- muss man feststellen: Asterix ist einfach gut gealtert.

Asterix, Band 38: Die Tochter des Vercingetorix von Jean-Yves Ferri und Didier Conrad, Ehapa,
48 S., 6,90 € (Softcover), 12 € (Hardcover)
oder 59 € (Luxusedition)