Drama 

„Gloria – Das Leben wartet nicht“ im Kino

Sebastián Lelios Drama mit Julianne Moore und John Turturro benötigt im Kern nichts ­anderes als eine Geschichte, die sich wahr anfühlt, und ein Ensemble, das sie mit Leben füllt

Square One

Auf der Berlinale 2013 war Sebastián Lelio mit „Gloria“ ein unprätentiöses Porträt mit Paulina García als lebenskluger Single-Frau in den 50ern geglückt. Dann kam für den Chilenen der Ruf aus Hollywood, wo kluge Geschichten über Frauen jenseits der 30 ­bekanntlich rar sind. Julianne Moore, die in der Los-Angeles-Variante nun die Titelheldin verkörpert, füllt ihre Rolle mit viel Seele aus, man denkt an ihre schönsten Rollen wie in „Magnolia“ oder „Boogie Nights“.

Gloria ist wie ihr chilenisches ­Gegenstück erfolgreich im Job und lebt lange schon ­geschieden; als Mutter zweier erwachsener Kinder ist sie mit ihrem Leben im Reinen, nimmt ihre Einsamkeit ebenso bewusst wahr wie die freudvollen Zeiten beim Lach-Yoga oder auf der Ü-50-Tanzfläche. Dort kommt eines Tages ein interessanter Mann ins Spiel. Doch deutet sich an, dass Arnold von Zwängen aus seinem alten Leben bestimmt wird. Mit John Turturro ist diese in sich zerrissene Figur ebenfalls wunderbar besetzt, der 63-Jährige verleiht der Rolle staunenswerte Vielschichtigkeit. Ergänzt um lebensnahe Nebenfiguren – von Glorias Kindern bis zu Barbara Sukowa als treue Bürokollegin – bietet das Remake feines Schauspielerkino (wenn auch ein bisschen weniger Luxus gutgetan hätte).

Der Film benötigt im Kern nichts ­anderes als eine Geschichte, die sich wahr anfühlt, und ein Ensemble, das sie mit Leben füllt. Ob nun die Feier in Glorias Familienkreis, ob ihre Fröhlichkeit beim Paintball-Geballere oder die bleierne Einsamkeit des Paares in Las ­Vegas – nicht nur für Moore-Fans ist dieser leise Höllentrip sehenswert.

Gloria – Das Leben wartet nicht USA 2019, 101 Min., R: Sebastián Lelio, D: Julianne Moore, John Turturro, Michael Cera, Barbara Sukowa, Start: 22.8.