Drama

Joaquin Phoenix glänzt als Batman-Widersacher „Joker“

Die Genese eines Schurken: Der Film ist eine Batman-freie Ursprungsgeschichte des clownesken Bösen in Gotham City

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Donnernder Jubel hallte durch den Premierensaal beim Filmfestival in Venedig, nachdem sich Joaquin Phoenix in Todd Phillips’ „Joker“ verausgabt hatte: Er brilliert als jene tragische Gestalt, die später zu Batmans schillerndstem Widersacher wird, und zeigt, dass er Heath Ledgers ikonischem Auftritt in „The Dark Knight“ in nichts nachsteht.

Der Film ist eine Batman-freie Ursprungsgeschichte des clownesken Bösen in Gotham City und betreibt Ursachenforschung in der malträtierten Seele eines Mannes namens Arthur Fleck. Phoenix verkörpert Fleck unheimlich, tieftraurig, psychisch in Trümmern und später mit kranker Coolness als dürren Schmerzensclown, hinter dessen gequältem Lachen sich aufgestaute Wut und Verzweiflung seiner in wirklich jeder Hinsicht tragischen Existenz verstecken.

Ein bisschen wundern konnte man sich anfangs schon über einen Platz für „Joker“ im Venedig-Wettbewerb. Doch die Platzierung macht Sinn: Schließlich nähert sich der Film nach all den mutlosen Superhelden-Blockbustern dem Genre auf neue Weise, unübersehbar geschult an Martin Scorseses Werken und anderen Hollywood-Klassikern der späten 70er- und frühen 80er-Jahre. Die Charakterstudie mag psychologisch wenig nuanciert sein, und es dauert daher etwas zu lang, bis diese getretene Kreatur mit destruktiver Energie ihr Ventil findet. Doch „Joker“ entwickelt in der Kombination von Phoenix’ beängstigender Intensität und den düsteren Bildern von den „Mean Streets“ der Großstadt mitunter eine dräuende Wucht und drängt Vergleiche zu Trumps USA förmlich auf.

Joker USA 2019, 122 Min., R: Todd Phillips, D: Joaquin Phoenix, Robert De Niro, Zazie Beetz, Frances Conroy, Start: 10.10.