Dokumentarfilm

„Carré 35“ im Kino

Suche nach der Schwester: Ein Einzelschicksal im großen Ganzen

Missing Films

Familiengeschichten mit der Weltgeschichte zu verflechten, ist ein beliebtes Sujet des Dokumentarfilms. „Carré 35“ ist so ein Film. Der Titel bezieht sich auf eine Grabstätte in Casablanca und ist einer der Orte bei der Spurensuche des Regis­seurs Eric Caravaca nach seiner verstorbenen Schwester. Christine starb 1963, vor seiner Geburt, im Alter von drei Jahren. Seine Mutter hat jede Erinnerung an sie ausgelöscht, jedes Foto von ihr vernichtet. Aber ihr Schatten hängt allgegenwärtig über der Familie. Fragen nach ihrem Schicksal sind ein Tabu. Es war immer nur die Rede von einer Krankheit, von einem angeborenen Herzfehler, an dem sie starb.

Caravaca kann das nicht mehr akzeptieren: die fehlenden Bilder der Schwester, die teils widersprüchlichen Vertuschungsversuche der Eltern. Bald wird klar, dass Christines Tod mit der Herkunft der Eltern verknüpft ist. Beide kamen in den 1940ern als Spanier mit ihren jeweiligen Familien nach Marokko, sie lernten sich in Casablanca kennen und lieben, heirateten. Doch was hat es mit dem überstürzten Umzug kurz nach Christines Geburt nach ­Algerien auf sich? Und was mit der quasi Flucht nach Frankreich nach ihrem Tod?

Wie Caravaca Stück für Stück die Wahrheit ans Licht bringt, das ist zwar interessant erzählt, lässt einen am Ende aber recht ratlos zurück. Zum einen, weil zu viele Ungereimtheiten bleiben, besonders aber fehlt es dem Bogen, der mit dieser privaten Geschichte geschlagen werden soll zur verdrängten Kriegs-und Kolonialgeschichte Frankreichs im Maghreb, deutlich an Spannkraft.

Carré 35 R: Eric Caravaca, F/D 2017, 67 Min., Start: 31.1.

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