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Drama

Ein Bücherwurm als „Ein ganz gewöhnlicher Held“

Dieses so unterhaltsame wie gesellschaftskritische Lehrstück sollte unter dem Stichwort „Ziviler Ungehorsam“ beherzte Nachahmer finden. Was den Bürgerungehorsam angeht, mag man aktuell an Aktivisten wie Carola Rackete denken, doch der Held, der uns hier begegnet, kommt eben viel gewöhnlicher daher

Koch Films

Stuart Goodson heißt der brave Mann (Regisseur Emilio Estevez hat die ­Hauptrolle selbst übernommen), der sich in seinem beschaulichen Bücherwurmleben in der öffentlichen Bibliothek von Cincinnati plötzlich damit konfrontiert sieht, politisch handeln zu müssen. Während einer brutalen Kälteperiode, der schon mehrere Obdachlose auf den Straßen zum Opfer gefallen sind, weigert sich eines Abends eine Schar dieser Menschen, die Bibliothek zu verlassen. Sie wollen über Nacht bleiben, warm und geschützt. Da Stuart die meisten von ihnen lange kennt, ist man sich bald einig – und sieht sich nicht nur der Bibliotheksverwaltung, einem karrieregeilen Lokalpolitiker und der geballten Macht der Polizei gegenüber, sondern auch den ­Medien. Schnell entwickelt sich aus dem naiven Handeln aus Menschlichkeit ein Politikum, eine angebliche Geiselnahme, ein Skandal, den jede Partei auf die ihr gewohnte Weise für sich ausnutzen will.

Der Film weist einige Schwächen auf, hat aber das Herz (und das Hirn) am ­rechten Fleck und zieht seine Dramatik aus den ­aktuellen Auseinandersetzungen um gesellschaftlichen Besitz und die Aufgaben einer zivilen, demokratischen Öffentlichkeit, die diesen Namen verdient. Nicht nur in den USA.

Ein ganz gewöhnlicher Held
USA 2018, 94 Min, R: Emilio Estevez, D: Emilio Estevez, Michael Kenneth, Taylor Schilling, Alec Baldwin, Start: 25.7.

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