Thriller 

Tristesse allerorten: „Freies Land“ im Kino

Eine packende Reise zurück in die Nachwendezeit: Atmosphärisch dichter Thriller um einen Doppelmord an zwei Schwestern

Verleih Telepool

Zwei verschwundene Schwestern im Alter von 15 und 16 Jahren rufen im Winter 1992 zwei Großstadtpolizisten in die Provinz der damaligen DDR, in eine kahle Landschaft, geprägt von extremer Winterkälte (gedreht wurde in der Ukraine), in der von den „blühenden Landschaften“, die seinerzeit Kanzler Kohl versprochen hatte, rein gar nichts zu spüren ist. Sie seien abgehauen in die Großstadt, heißt es achselzuckend über die Verschwundenen, was angesichts der Tristesse hier niemanden wundert.

Doch dann werden ihre Leichen gefunden, brutal misshandelt und vergewaltigt. Und bald stellt sich heraus, dass es in den Jahren zuvor schon andere verschwundene Mädchen gab. Der Doppelmord ist nur der Ausgangspunkt dieses Films, ein Remake des spanischen Films „Mörderland“ (2014), der in Deutschland ohne Kinoverleih blieb. Dabei gelingt es Regisseur Christian Alvart („Banklady“), das Original, das kurz nach dem Ende der jahrzehntelangen Franco-Diktatur spielte, kongenial auf deutsche Verhältnisse zu übertragen. Auf spekulativ angehauchte Szenen wie in seinen Til-Schweiger -„Tatorten“ oder in der Fitzek-Verfilmung „Abgeschnitten“ verzichtet er zugunsten atmosphärisch dichter Momente.

Dazu tragen die beiden Hauptdarsteller bei: Trystan Pütter als gerechtigkeitsliebender Kommissar aus Hamburg und Felix Kramer als zwielichtiger Ermittler aus Rostock mit Stasi-Vergangenheit – sein Umgang mit Verdächtigen in Verhören ist auch heute noch äußerst brutal. In dieser Rolle ist Felix Kramer noch beeindruckender als zuvor in Christian Alvarts Netflix-Serie „Dogs of Berlin“: ein massiger Mensch, ein Kraftpaket (Kramer hat für die Rolle 20 Kilogramm zugenommen). Wenn es Gerechtigkeit gäbe, müsste er damit zum Star werden.

Freies Land D 2019, 128 Min., R: Christian Alvart, D: Felix Kramer, Trystan Pütter, Nora Waldstätten, Start: 9.1.

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