Dokumentarfilm

„Genesis 2.0“ im Kino

Monstrosität: Eine Welt gänzlich ohne Skrupel

Foto: Rise and Shine Cinema

Auf einer der Neusibirischen Inseln schürfen Männer die Erde auf, sie suchen nach Mammutzähnen. Intakt sollen sie sein und so schwer, dass sich die Schufterei lohnt. Denn seit Stoßzähne von Elefanten tabu sind, gelten die der Mammuts als lohnender Ersatz. Im Erdreich der Inseln steckt tonnenweise Material. Früher galten solche Funde bei der indigenen Bevölkerung als schlechtes Omen. Eine weibliche Stimme erzählt davon, während die Bilder die jungen Männer fokussieren, die im Schlauchboot rund 400 Kilometer über das Polarmeer zu den Inseln fahren.

„Genesis 2.0“ heißt der neue Dokumentarfilm von Christian Frei („War Photographer“). Als Co-Regisseur fungiert der Russe Maxim Arbugaev, der mit den Fossilien-Suchern mitgefahren ist. Frei verfolgt einen anderen Strang, der in die Zukunft führt: synthetische Biologie und ihre Anwendung. Seit 2016 ein recht intaktes Mammut-Junges ausgegraben wurde, sind einige Forscher wie der Molekularbiologe George Church besessen davon, lebende Mammutzellen bei einer Elefantenkuh einzupflanzen.

„Genesis 2.0“ führt zu Studenten in Boston, die lebende Organismen entwerfen als wären sie Maschinen, und zu dem Koreaner Hwang Woo-suk, der sich auf das lukrative Klonen von Hunden spezialisiert hat. Ein monströses Projekt findet seit den frühen Nuller-Jahren im Chinesischen Xinjiang statt: Hier entschlüsseln Sequenzer das menschliche Erbgut. Eine Welt ohne Down-Syndrom wird kaltlächelnd versprochen. Ethische Bedenken? Fehlanzeige! „Genesis 2.0“ verzahnt Urgeschichte mit leider sehr realen Zukunftsvisionen. Beklemmend.

Genesis 2.0 CH/China/RUS/SKR/USA 2018, 113 Min., R: Christian Frei, Maxim Arbugaev, Start: 17.1.

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