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Gesellschaftskomödie 

Kapitalismus-Bashing: „Der unverhoffte Charme des Geldes“ im Kino

Mammon oder Moral: Denys Arcand entspinnt eine kluge, kaum vorhersehbare Kriminal­komödie, gespickt mit satirischen Spitzen, ­leger eingeflochtenen sozialkritischen ­Hieben und augenzwinkernder Kritik an der ­Finanzwelt

Cinémaginaire Inc./ Film TDA Inc.

Bereits zweimal hat der kanadische Schriftsteller und Regisseur Denys Arcand mit Schmackes das kapitalistische Gesellschaftssystem des Westens in die Zange genommen: 1986 in „Der Untergang des amerikanischen Imperiums“ und 2003 in „Die Invasion der Barbaren“. Doch waren 1986 die USA und ihr System nur dem Untergang („Le déclin de l’empire américain“) nahe, so krachen sie hier nun laut Originaltitel „La Chute de l’empire américain“ einfach berstend zusammen. In dem Film mit dem ganz hübschen deutschen Verleihtitel „Der ­unverhoffte Charme des Geldes“ verpackt Arcand seine Systemkritik wieder mit viel Humor – und diesmal sogar mit einem beinahe klassischen Krimiplot.

Obwohl Pierre-Paul (Alexandre Landry) einen Doktor in Philosophie hat, arbeitet er als Kurierfahrer in Montreal. Das hat vor ­allem mit seiner Lebenseinstellung zu tun: Der Mittdreißiger ist ein ­eingefleischter ­Kapitalismuskritiker und überzeugter Pessimist – ausgelöst von der aus den USA ­importierten Übermacht des Geldes wird die Welt seiner Ansicht nach vor die Hunde ­gehen. Ausgerechnet diesem Typen fällt buchstäblich ein Haufen Geld vor die Füße: Bei einem seiner Kurierdienste wird er ­Zeuge eines misslungenen Raubüberfalls – und kann die Beute abgreifen. Doch von nun an hat er nicht nur ein hartnäckiges Polizisten-Pärchen an der Backe, sondern auch skrupellose Gangster, die gern ihr Geld zurückhätten. Und noch ein Problem: Was anfangen mit so viel Geld, das dann auch Pierre-Pauls hohen moralischen Ansprüchen genügt – also für ­jemanden, der ehrenamtlich Obdachlosen hilft? ­Unterstützung bekommt er von der reizenden Escort-Dame Aspasia (Maripier Morin) und dem Ex-Rocker und Finanzexperten Sylvain „The Brain“ Bigras (Rémy Girard).

Alleine schon Pierre-Pauls Eingangs­monolog in einem Café, in dem er über ­dumme Schriftsteller herzieht, ist das Eintrittsgeld wert. Fortan entspinnt sich eine kluge, kaum vorhersehbare Kriminal­komödie, gespickt mit satirischen Spitzen, ­leger eingeflochtenen sozialkritischen ­Hieben und augenzwinkernder Kritik an der ­Finanzwelt. Allerdings richtet der 78-­jährige Denys Arcand sein Augenmerk etwas zu sehr auf die Krimihandlung, so gerät die Weltsicht Pierre-Pauls in den Hintergrund. Von seinen – und damit ja irgendwie auch von Arcands – intellektuellen ­Wahrheiten hätte man gern mehr gehört.

Der unverhoffte Charme des Geldes CAN 2018, 129 Min., R: Denys Arcand, D: Alexandre Landry, Maripier Morin, Rémy Girard, Start: 1.8. 

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