Animationsdrama

„La Casa Lobo“ im Kino

Mord, Folter, Kindesmissbrauch – die 1961 vom Deutschen Paul Schäfer gegründete Sekte Colonia Dignidad erlangte mit Menschenrechtsverletzungen traurige Berühmtheit. Während der Diktatur Pinochets wurden in die in den Bergen Chiles gelegene Anlage unzählige Regimegegner verschleppt, Kinder und Jugendliche gequält

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Diesem schwierigen wie heiklen Thema nähert sich „La Casa Lobo“ auf beeindruckende Weise. In einem aus zehntausenden Einstellungen bestehenden Stop-Motion-Film bebildern Puppen aus verschiedenen Materialien die märchenhaften und zugleich überaus düsteren Erzählstränge, in denen sich Deutsch und Spanisch abwechseln. Die Regisseure León Cristóbal und Joaquín Cociña kreiert so in den sich ständig neu erschaffenden und wieder zerfallenden Szenerien die Fantasiewelt der Protagonistin María. Diese ist vor dem „Wolf“ geflohen und baut sich im Laufe des Films ein eigenes Leben mit ihren zwei „Schweinchen“ auf.

Gruselige Szenen in maroden Räumen voller kaputtem Interieur spiegeln die zerbrochene Seele des Mädchens. Schmerz, Leid und Angst werden so zu Leitmotiven des Films und erschaffen eine Kulisse, in der individuelle Träume und Traumata auf abstrakte Weise zu Wort kommen. „La Casa Lobo“ wurde mehrfach ausgezeichnet. Den Regisseuren ist hier auf jeden Fall ein stilistisches Meisterwerk gelungen – allerdings ist es zeitweise doch recht anstrengend, der Handlung zu folgen. Meret Eikenroth

La Casa Lobo Chile 2018, 75 Min., R: Cristóbal León und Joaquín Cociña, Start: 4.4.

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