Gesellschaftsporträt

„Yung“ im Kino

Provokatives Spielfilmdebüt aus Berlin

Die Party ging mal wieder etwas länger; Foto Wild Bunch Germany

Nein, der Herr hinter dem Lenkrad ist nicht der Vater des Mädchens neben ihm. Das kann man erahnen, noch bevor die nächste Szene die beiden beim Sex zeigt. „Yung“ – laut Szeneslang „etwas oder jemand, der auf Droge oder aber cool“ ist. Das trifft auf die vier Protagonistinnen zwischen 16 und 18 zu, für die das Leben in Berlin ein Rausch ist, mit immerwährender Party,  Alkohol, Sex und vor allem Drogen. Janaina finanziert das mit Sex vor ihrer Webcam (und manchmal auch real, wie in der Anfangsszene), während ihre Freundin Emily sie davon überzeugen will, dass Sex mit Frauen die bessere Wahl ist. Joy ist mit dem Verkauf von Drogen beschäftigt und Abbie wäre lieber in L.A. als in Berlin.

Der Film folgt den vier jungen Frauen durch ihre Tage und Nächte, Schule und Familie werden ausgeklammert. Dass die Vier dieselben Vornamen tragen wie ihre Darstellerinnen, könnte zu der Annahme verleiten, hier würde Realität abgebildet. Dem ist aber nicht unbedingt so, auch die Passagen, in denen sie in die Kamera sprechen, sollte man nicht für unverfälschte Wirklichkeit nehmen.

Vielmehr entfaltet „Yung“ ein Vexierspiel mit der Wirklichkeit, zu dem der Zuschauer sich seine Meinung bilden muss. Sicher ist, dass Henning Gronkowski (Jahrgang 1988) für sein Regiedebüt mit den Darstellerinnen im Lauf der Arbeit ein Vertrauensverhältnis aufgebaut hat: Es verleiht dem Film eine Zuneigung, die man zu Beginn für diese Frauen vielleicht nicht aufbringt. Ein radikaler Film, in der Tradition von Larry Clarks „Kids“.

Yung D 2018, 95 Min, R: Henning Gronkowski, D: Janaina Liesenfeld, Emily Lau, Joy Grant, Abbie Dutton, Start: 28.11.

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