Durststrecke

Lagebericht zu Berliner Clubs: Wie es um sie steht – und was jetzt nötig ist

Wenn Berlins Party-Fans in den vergangenen Monaten an die Clubs gedacht haben, dann wohl meistens mit einem unguten Gefühl im Magen. Ein bisschen wie in der Schule, wenn man wusste, dass man bald eine Klassenarbeit wiederbekommt und die Note darunter mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Gute sein würde. Jetzt, mit dem Stufenplan des Senats und der Perspektive auf Lockerungen und Öffnungen im Open-Air-Bereich auch für Clubs, präsentiert die Club Commission einen umfassenden Lagebericht der Berliner Clublandschaft.

Mit den Lockerungen des Senats hoffen die Clubs in Berlin auf Open Air Veranstaltungen
Besteht fast nur aus Außenbereich: der Club der Visionäre. Foto: Imago/Travel Stock Image

Der Bericht fällt etwas besser aus, als mancher Laie erwartet haben mag. 69 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass sie nach der Pandemie weitermachen können. Allerdings spielen auch 16 Prozent mit dem Gedanken, ihr Unternehmen aufzugeben. Die Club Commission hofft, dass das nicht passiert: Es ist ihr erklärtes Ziel, dass alle Clubs die Pandemie überleben.

Clubs wollen Parks und Freiflächen nutzen

160 Clubbetreiber:innen und Veranstalter:innen haben sich an der Umfrage der Club Commission beteiligt. 90 Prozent von ihnen schätzen ihre Kenntnisse zu Hygienekonzepten als gut oder sehr gut ein, fast ebenso viele sind bereit, einen Betrieb mit Schnelltests, personalisierten Tickets, Impfpasskontrolle und Apps zu organisieren.

Außerdem würde die Mehrheit gerne ihre eigenen Außenflächen oder Parks und andere Freiflächen für Veranstaltungen nutzen. Dass das auch bald passieren wird, ist nicht unwahrscheinlich: Nach dem Stufenplan des Senats sind ab 6. Juni Veranstaltungen im Freien mit bis zu 500 Menschen erlaubt, ab 18. Juni sogar mit 1000. Die Außenbereiche vieler Clubs, wie zum Beispiel dem Berghain, der Wilden Renate oder des About Blank dürften dann auch voll sein.

„Jetzt, wo das Ende der dritten Welle in Sicht ist, ist es Aufgabe der Politik, Ausnahmegenehmigungen und Modellprojekte zu ermöglichen. Der Beschluss des Berliner Senats, die Außengastronomie zu öffnen und kulturelle Veranstaltungen im Freien zu ermöglichen, ist der Hoffnungsschimmer, auf den wir lange gewartet haben“, sagt der Pressesprecher der Clubcommission, Lutz Leichsenring.

Ob es vor dem Sisyphos bald wieder so aussieht? Foto: Imago/F. Anthea Schaap

Clubkultur braucht auch Innenräume

Hoffnung auf etwas Umsatz wird dringend benötigt in der Clublandschaft. 2020 nahmen die Clubs durchschnittlich 17 Prozent der Einnahmen von 2020 ein. Das entspricht ungefähr den ersten beiden Monaten in 2020, bevor der erste Lockdown griff. Und auch wenn 77 Prozent der Befragten Unterstützung vom Land, vom Bund und durch Spenden erhalten haben, werden gerade die nächsten Monate sehr schwierig für die Clubs. Nur 34 Prozent der Befragten haben laut der Umfrage vor der Pandemie Rücklagen bilden können – und die sind nun aufgebraucht.

Ein wenig Betrieb, ein wenig Arbeiten würde da schon helfen. Allerdings: „Clubkultur kann erst dann wieder echte Clubkultur sein, wenn es möglich ist, auf Abstand in Innenräumen zu verzichten. Bis dahin sind Clubs und Musikspielstätten weiterhin auf Fördermittel angewiesen“, sagt die Vorsitzende der Club Commission, Pamela Schobeß.


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