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Vermieter kündigt Zukunft am Ostkreuz: Noch mehr Kulturorte betroffen

Der Mietvertrag der Zukunft am Ostkreuz läuft zum 31. März 2022 aus, der Kulturstandort steht vor der Verdrängung. Aber nicht nur das: Wenn die Zukunft schließen muss, könnten noch zwei weitere Kinos in Friedrichshain gefährdet sein.

Ein schöner Garten, der bald nicht mehr da sein könnte: Zukunft am Ostkreuz
Im Waldgarten der Zukunft kann man sich verlieren. Foto: W. Gladow

Hinter dem Ostkreuz in Friedrichshain liegt einer dieser Orte, an denen Investor:innen noch keine Gebäude hingebaut haben, mit denen sich große Gewinne einfahren lassen und die Berlin einzigartig machen. Denn entlang des Markgrafendamm ist nicht nur das About Blank zu Hause, sondern auch, direkt dahinter auf einer Brachfläche in der Laskerstraße: die Zukunft am Ostkreuz, einer der wichtigsten Kulturstandorte in Friedrichshain. Die Zukunft am Ostkreuz beherbergt ein Kollektiv, das das Open-Air-Kino Pompeji, zwei Indoor-Kinosäle, eine Brauerei, einen verwunschenen Garten und Flächen für Ausstellungen, Theater und Konzerte betreibt.

Keine staatliche Unterstützung und große Investionen

Es ist ein Areal, das stellenweise industriell daherkommt und den Geist des wilden Berlins der 90er Jahre atmet, halb verfallen und grau. Eine Schmiede subversiver Kultur, inspirierend und improvisiert, aber immer mit gutem Geschmack. Dieser Ort ist nun in Gefahr, denn der Vermieter des Areals hat den Tilsiter Lichtspielen, die den Komplex betreiben, zum 31. März 2021 gekündigt. Das bedeutet nicht nur das mögliche Aus des Kulturstandorts Zukunft am Ostkreuz, sondern schlimmstenfalls auch das Ende des Kino Intimes und der Tilsiter Lichtspiele. Fällt die Zukunft, ist ein ganzes Kulturnetzwerk in Friedrichshain in Gefahr.

Denn nachdem das Intimes im April 2019 geschlossen hatte, hatte das Unternehmen Tilsiter Lichtspiele, das Kino übernommen, sich für den Erhalt verpflichtet und großzügig investiert. „Wir haben das ganze Kino saniert und sogar einen zweiten Saal gebaut“, sagt Sven Loose, Programmverantwortlicher bei den Kinos. „Als dann alles fertig war, kam schnell der zweite Lockdown.“ Weil das Kollektiv das Intimes gerade erst übernommen hatte, gab es auch keine Vorjahresumsätze, die es dem Bund oder dem Land für staatliche Hilfen hätte melden können. Dazu kommt, dass die Zukunft am Ostkreuz der umsatzstärkste Standort der Kinoachse in Friedrichshain ist, dessen fehlende Gelder ein Riesenloch in die Kasse des Kollektivs reißen würden.

Zukunft am Ostkreuz schon länger in Verdrängungsgefahr

Konzerte, Kino, Kunst: Die Zukunft am Ostkreuz ist vielfältig.
Konzerte, Kino, Kunst: Die Zukunft am Ostkreuz ist vielfältig. Foto: W. Gladow

„Es ist einfach ein verdammt ungünstiger Zeitpunkt“, sagt Loose. Ein wenig hoffen er und die anderen, dass sie vielleicht doch noch zu einer Lösung mit dem Eigentümer kommen. Etwas mehr als zehn Jahre gibt es die Zukunft am Ostkreuz nun schon. „Während unseres Zehn-Jahres-Mietvertrags gab es nie Probleme mit dem Vermieter. Wir hatten im Gegenteil eigentlich immer das Gefühl, dass er eher kulturaffin ist und uns wohlwollend gegenüber steht.“ Nach Ende des zehnjährigen Vertrags gab es nur einen einjährigen Mietvertrag – was aber durchaus nicht unüblich ist bei Gewerbevermietungen. Doch anstatt einer Verlängerung des Mietvertrags um ein weiteres Jahr, wie es ebenfalls üblich ist, gab es die Kündigung.

Die Gefahr, verdrängt zu werden, schwebte schon seit Jahren wie eine dunkle Gewitterwolke über der Zukunft genau wie über dem About Blank. Denn der Berlin hält derzeit noch am Bau des höchst umstrittenen östlichen Rings der A100 fest, der eine Schneise durch Friedrichshain fräsen wird und unter anderem den Club Wilde Renate, das About Blank und eben die Zukunft verdrängen wird. Gleichzeitig wird um das Gelände ringsherum gebaut und in direkter Nähe zur Zukunft entsteht der Campus Ostkreuz, ein Bauprojekt, mit dem Büros entstehen sollen.

Dass die Zukunft irgendwann abwandern muss, ist also nicht ganz unwahrscheinlich. Andererseits weiß niemand, ob die Autobahn wirklich kommt. Daher hat es der Vermieter in der Hand, für kürzere oder längere Zeit ein Stück Kultur zu erhalten, das Berlin bei Berliner:innen und Touris so beliebt macht. Es wäre Friedrichshain zu wünschen, dass er mit sich reden lässt.


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Auch der Nuke Club in Friedrichshain kämpft gegen Verdrängung. Allerdings gewährt der Vermieter nun nach Intervention der Politik ein wenig mehr Zeit. Lust auf Freiluftkino bekommen? Wir haben das aktuelle Programm. Berlin hat eine Menge Kinos, manche klein und besonders, manche Mainstream. Wir stellen euch unsere liebsten vor.