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Urban Jungle: Die Zimmerpflanze erlebt ein Comeback

Das satte Grün von Zimmerpflanzen schafft eine behagliche Atmosphäre, es verbessert das Raumklima und mit dem richtigen Übertopf ist es ein Designobjekt

zimmerpflanzen
Grün, grüner, Zimmerpflanzen. Foto: Unsplash / Chris Abney

Die einen sind Hänger,  die anderen Steher, manche üppig und ausladend, andere schmal und zierlich. Gemein ist ihnen ihre grüne Seele und ihr bevorzugtes Terrain: Innenräume. „Zimmerpflanzen feiern ihr Comeback“, sagt Lutz Grille, Diplom-Gärtner und Geschäftsführer von Rothe Gartenbau. „Es bricht quasi eine Pflanzenhysterie aus“, schraubt Marie Henze die grüne Euphorie, die für die The Greens-Landschaftsgärtnerin anfangs überraschend war, weiter nach oben.

Der Coffee & Plants-Spot The Greens sowie andere Gastrolocations wie das House of Small Wonder, das Blumen-Café, das Roamers oder das Kantini haben vorgemacht, dass die gute alte Zimmerpflanze für Indoor-Behaglichkeit sorgt. In den 1970er-Jahren ein Muss in jedem Wohnzimmer, kickt sie sich mit einer neuen Leichtigkeit ins Geschehen zurück.

Die Welt der Zimmerpflanzen hat sich im Laufe der Jahrhunderte verändert

„Zimmerpflanzen spiegeln nicht nur unsere Innenräume, sondern auch unser Innenleben wieder. Obwohl wir sie oft übersehen, würden wir etwas vermissen, wenn es sie nicht gäbe“, sagt Gesche Hohlstein, Diplom-Biologin im Botanischen Garten. „Die Welt der Zimmerpflanzen hat sich im Laufe der Jahrhunderte radikal verändert und unterliegt der Mode. Während Kakteen, Grünlilien und Aloen zu Goethes Zeiten heiß begehrte Exoten waren, deren Ableger wie Kostbarkeiten unter Freunden weitergereicht wurden, stehen sie heute mit Tausenden Artgenossen als Massenware in Baumärkten zum Verkauf.“

Dennoch gehe, so Marie Henze, der Trend zum Urban Jungle im eigenen Wohnzimmer, der auch zur Luftqualität beitragen kann, auf Nachhaltigkeit zurück. Zimmerpflanzen mögen inflationär erhältlich sein. Sich für Grünpflanzen zu entscheiden, aber erfülle andere Bedürfnisse: „sich die Hände mit Erde schmutzig machen, dekorieren, pflegen, Verantwortung übernehmen und auch ein Schaut-wie-grün-ich-lebe-Profil in den sozialen Medien“.

eine Mostera-Pflanze
Eine Monstera oder Fensterblatt im Hausflur. Foto: Copyright: imago images/Redeleit

Was die jüngere Geschichte angeht, war es der Ficus Benjamini, der vor einem halben Jahrhundert die Herzen der Zimmerpflanzenfans höher schlagen ließ. „Er hat die Zeiten überlebt, präsentiert sich heute in verschiedenen Arten und hat damit die Langeweile abgelegt“, sagt Günther Mohr, Chef des Raumbegrünungsunternehmens Mohr Hydrokultur, der seit Anfang März eine kostenlose App für alle Pflanzenfans anbietet, mit der man virtuell spielen kann. Welche Pflanze passt in die eigenen Räume und wo finden sich Standorte, die entsprechend Licht bieten?

Angesagt sind Palmen und Farne

Weniger angesagt ist der Gummibaum, zu den modernen Favoriten gehören Drachenbäume, Palmen, Farne und Chlorophyta, also Hängepflanzen. „Es soll zwar aussehen wie in Omas Wohnzimmer, aber abwechslungsreicher und letztendlich kunterbunt“, sagt Lutz Grille, der grundsätzlich dazu rät, Zimmerpflanzen ob des Lichtes dort zu platzieren, wo man selbst am liebsten stundenlang Zeitung lesen möchte.

Ein Kaktus im Übertopf
Kaktus im OK Mini Pot Übertopf von der britischen Designerin Louise Madzia. Foto: Louise Madzia / The Botanical Room

Ebenfalls im Trend liegt die auch Fensterblatt genannte Monstera, die es mit ihren markanten Blattsilhouetten auch auf Tapeten und Textilien geschafft hat. Das Blumen-Café in Prenzlauer Berg, das bereits seit rund 13 Jahren mit Grünpflanzen für eine Wohlfühlatmosphäre sorgt und zudem einen Blumen- und Pflanzenladen integriert hat, bespielt inzwischen einen weiteren Standort. „Auf dem Gelände der Späth’schen Baumschulen in Treptow verkaufen wir an den Wochenenden pflegeleichte Zimmerpflanzen und Kakteen. Wir beraten dort auch und für große Innenraumbegrünungen vermieten wir Pflanzen“, sagt Sebastian Ebert vom Blumen-Café. Zudem bekommen sie dort einen regionalen Touch. Junge Monstera & Co. werden dort großgezogen.

Heute gibt es eine große Vielfalt unterschiedlichster Töpfe

Verbunden mit dem aktuellen Zimmerpflanzenkult ist der Blick nach unten, zum Blumentopf. Der wurde früher stiefmütterlich behandelt, Terrakotta-Töpfe waren das höchste der Designgefühle. Inzwischen, gibt es eine große Vielfalt unterschiedlichster und verschiedenfarbiger Pflanzgefäße. „Es werden Makramee-Hänger geknüpft, Töpfe individuell bemalt“, ergänzt Marie Henze den begleitenden DIY-Enthusiasmus.

Mit vertikalen Gärten werden Wände in das grüne Gesamtbild einbezogen. „Moosbilder im 40 mal 40 Zentimeter-Bilderrahmen“, beschreibt Günther Moor kleine Spielereien der hängenden Gärten, für die Haken und Dübel ausreichen. In der Königsklasse sind Vertikalgärten mit Bewässerungssystemen gekoppelt.

Wenn im Sommer das Wohnen unter freien Himmel verlagert wird, kann der Pflanzenfreund seine grünen Zimmergenossen mit nach draußen nehmen. „Es gibt fast keine Zimmerpflanze, die in der warmen Jahreszeit nicht open air stehen kann. Allerdings sollte sie schattig stehen, da sie die direkte Sonne nicht gewohnt ist“, so Lutz Grille über den möglichen Zimmerpflanzen-Urlaub.

Grüner essen, trinken und shoppen – die besten Adressen:

Blattgold – Blumen & Wohnen
Blattgold Blumen in der Weserstraße ist ein besonders liebevoll geführter Blumen- und Pflanzenladen. Auf Wunsch wird man hier sehr kompetent und geduldig betraten. Auch die Auswahl an Schnittblumen ist ausgefallen – falls man ‚mal einen Blumenstrauß für eine besondere Gelegenheit sucht. Im Frühjahr bekommt man hier wunderschöne Wildblumen für den heimischen Balkon. Blattgold Blumen, Weserstr. 5, Neukölln, Di, Mi, Do, Fr 10-18 Uhr, Sa 10-16 Uhr, auf Facebook


The Greens – Coffee & Plants
Wer in die Höfe der Alten Münze am Berliner Molkenmarkt biegt, erwartet alles, nur das nicht: The Greens ist Pflanzenladen und Café in einem – ein gemütliches Kaffee-Eldorado, in dem Gäste und Pflanzen gleichermaßen geschätzt und liebevoll behandelt werden. Hier vergisst man die Zeit, während man ein leckeres Stück hausgemachtes Bananenbrot, einen Salat oder Sauerteig-Sandwich genießt – vieles ist vegan, alles ist lecker. Im Sommer kommen die Zutaten aus dem hauseigenen Münzgarten. Die Pflanzenauswahl? Viele besondere Kakteen und Sukkulenten, Maranten und Hanfgewächse. Man verlässt The Greens stets mit einem guten Gefühl. The Greens – Coffee & Plants, Am Krögel 2, Mitte, Mo-Fr 10-18 Uhr, Sa, So 12-18 Uhr, www.the-greens-berlin.de


Späth’sche Baumschule
Für ein bisschen mehr Auswahl fährt man während der ersten Sonnentage in die Späthstraße nach Treptow-Köpenick: von der Balkon- über die Zimmerpflanze bis zum Obstbaum findet man in der Späth’schen Baumschule alles, was das Herz begehrt. 80.000 Pflanzen finden sich auf dem weitläufigen, historischen Gelände. Der Grundstein für die Baumschule wurde bereits im 18. Jahrhundert gelegt – damals befand sich auf dem Areal eine Obst- und Gemüse-Gärtnerei. Hier werden Tradition und Liebe merklich. Späth’sche Baumschule, Späthstraße 80/81, Treptow-Köpenick, Mo-Fr 9-18 Uhr, Sa 9-16 Uhr, So 10-14 Uhr, www.spaethsche-baumschulen.de


The Store X Berlin
… gehört zum Berliner Soho House und verkauft auf zwei Etagen in erster Linie Mode, Möbel, Bücher und Kunst – aber auch ausgewählte Pflanzen, Kakteen, Sukkulenten und wunderschöne Blumengestecke der Berliner Floristik-Firma Mary Lennox. Die ausgewählten Pflanzen- und Blumenkreationen von Mary Lennox sind verspielt, besonders, wie von einer anderen Welt. Einen Besuch wert. The Store X Berlin, Torstraße 1, Mitte, Mo-Sa 10-19 Uhr, www.thestores.com


Pflanzen kaufen im Botanical room
Foto: The Botanical Room

The Botanical Room
The Botanical Room ist die Berliner Antwort für Millennials und alle anderen, die sich vom Urban Jungle Trend angesprochen fühlen. In dem schönen Pflanzenladen in Kreuzberg gibt es schöne und stylische Zimmerpflanzen. Kakteen und Grünpflanzen sollen dem Städter nicht nur Gesellschaft leisten – frei nach dem Motto „plants are friends“ – sie sollen einer Interior-affinen Generation als kreative Elemente dienen. Bei The Botanical Room gibt es auch ausgewählte Design-Accessoires rund um das Thema Indoor-Garten. The Botanical Room, Manteuffelstraße 73, Kreuzberg, Di-Fr 13-19 Uhr, Sa 12-19 Uhr, www.thebotanicalroom.com


Bosque
Das Berliner Start-up verkauft seine Pflanzen nur online – das interessante Konzept hat aber seinen Platz auf dieser Liste verdient… Die Bosque-Pflanzen – klassische Grünpflanzen wie Monstera und Korbmaranten – stammen alle von ausgewählten, nachhaltigen Züchtern. Sie sind etwas hochpreisiger, jedoch besonders robust und bleiben den Besitzer*innen so länger erhalten. Wer Unterstützung bei der Pflege braucht, dem greift Sprach-Assistentin Mary der eigenen Bosque-App unter die Arme. Achja: Alle Pflanzen haben Namen. „Möchtest du erinnert werden, wenn es wieder soweit ist, Stella etwas Dünger zu geben?“ www.bosqueplants.com


Blumendilek
Kreuzberger Nächte sind lang. Und falls gewünscht, kriegt man sogar morgens um 4 Uhr auf der Oranienstraße noch ein Blumen-Bouquet. Blumendilek hat noch eine zweite Filiale in Schöneberg und steht seit Anfang der 1980er Jahre für eine große, schöne Vielfalt von Blumen und Pflanzen. Der Kreuzberger Shop hat 24/7 geöffnet. Blumendilek, Oranienstraße 29, Kreuzberg, rund um die Uhr geöffnet, Hauptstraße 147, Schöneberg, Mo-Sa 6-21 Uhr, So 6-16 Uhr, www.blumendilek.de


Boomki
… ist der Berliner Ansprechpartner zum Thema japanische Gartenkultur. Hier findet man zauberhafte Flaschengärten im japanischen Pflanzendesign, Bonsais, Grünes für den heimischen Zen-Garten, Wabi-Kusa-Pflanzensets und traditionelle Keramik. Wie man sich Wasserpflanzen als Zimmerpflanzen hält, lässt sich im Wabi-Kusa-Workshop von Boomki auch selbst erlernen. Es werden auch Bonsai-Workshops und Keramik-Kurse angeboten. Boomki, Kantstraße 141, Charlottenburg, Mo 12-18 Uhr, Di-Sa 12-19 Uhr, www.boomki.de


Tiny Gardens

Ein Mini-Biotop im Glasgefäß

Tiny Gardens nennt sich eine interessante Neueröffnung in Prenzlauer Berg. Hier werden liebevoll arrangierte Mini-Gärten, kleine tropische Biotope in Flaschen verkauft. Die kleinen Glas-Gärten sind mit einem Kork-Deckel verschlossen und sehr pflegeleicht – mit drei bis viermaligem Gießen im Jahr kann man die Tiny Gardens sich selbst überlassen und muss sie nur bewundern. Tiny Gardens, Kopenhagener Str. 14, Prenzlauer Berg, Mo-Mi nur nach Terminvereinbarung, Do-Sa 12-20 Uhr, www.tiny-gardens.de


Almost Paradise
Schöne und moderne Möbel und Wohn-Accessoires im Boho-Stil gibt es bei Almost Paradise in der Gärtnerstraße in Friedrichshain. Und zu einem gemütlichen Zuhause gehören auch ausgesuchte Pflanzen: Vieles Grüne, was hier hängt und steht, möchte man vom Fleck weg kaufen. Die passenden Töpfe, Hänger und Ständer gibt es auch. Almost Paradise, Gärtnerstr. 13, Friedrichshain, Mo-Fr 12-19, sa 11-18, www.almostparadise.de


DER BLUMENSTAND
Das Team von DER BLUMENSTAND baut 100 Sorten Topfpflanzen und Schnittblumen seit 1992 selbst in Brandenburg an. Der Anbau erfolgt aus Leidenschaft und Begeisterung kontrolliert biologisch. Stauden, Kräuter und Pflanzen – neben dem Garten vor allem für den Balkon – werden samstäglich auf dem Bauernmarkt am Chamissoplatz verkauft. DER BLUMENSTAND, Chamissopl. 6, Sa 9-15 Uhr, www.derblumenstand.de


Blume und Raum
Im gemütlichen Laden am Kreuzberger Paul-Lincke-Ufer verkauft Jana Zschömitzsch besondere Pflanzen und Blumen. Hier wirkt alles wild und ungekünstelt – Blume und Raum ist aus Zeit und viel Leidenschaft entstanden. Während ihrer Elternzeit begann die gelernte Floristin damit Kränze zu verkaufen. Heute gibt es Blume und Raum bereits seit 10 Jahren. Auch unter Berlinern ein Geheim-Tipp. Blume und Raum, Lausitzer Str. 26a, Eingang Paul-Lincke-Ufer, Kreuzberg, Di, Mi, Do, Fr 11-19 Uhr, Sa 11-17 Uhr, Webseite wird noch fertiggestellt, www.blumenundraumkunst.de


Blumen-Café
Schon ein Blick von außen verrät etwas Besonderes: Im Blumencafé in der Schönhauser Allee kann man Kuchen und warme Speisen zwischen üppigem Grün genießen. In dam Café mit Dschungel-Flair tummeln sich sogar echte Papageien. In dem angeschlossenen Pflanzenladen gibt es eine schöne Auswahl an Grün- und Blühpflanzen und kleinen und großen Kakteen zu kaufen. Blumen-Café, Schönhauser Allee 127, Prenzlauer Berg, Mo-So 10-18 Uhr, www.blumencafe-berlin.de


Blumen- und Gartenkunst Tunger-Schnur
Wer Blumen und Pflanzen liebt, wird sich hier verstanden und gut aufgehoben fühlen. Eine Vielzahl schöner saisonaler Pflanzen und Blumen, ungewöhnliche Blüher und Sträuße für besondere Gelegenheiten finden sich in dem gut sortierten Laden. Blumen- und Gartenkunst Tunger-Schnur, Alt-Moabit 21, Mitte, Mo-Fr 9-18.30 Uhr, Sa 9-16 Uhr, So 10-13.30 Uhr, www.blumen-und-gartenkunst.de

Texte: Rosanna Steppat, Manuela Blisse

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