Kommentar

„Schöne Orte“ von Erik Heier

Crowdfunding-Kampagne: „Schöne Orte“ von Björn Kuhligk

Nochmal davon gekommen, las ich hier und da nach den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen, das ist schon sehr irrsinnig. Diese Erleichterung, dass es schlimmer hätte kommen können. Also: noch schlimmer, als dass rund ein Viertel der Wähler*innen die AfD gewählt haben. Immerhin sei diese äußerst rechte Truppe ja dann doch nicht die stärkste Partei geworden, na supi! In Brandenburg sah es eine Weile ja danach aus. Mich erinnert das an den alten DDR-Witz „Gestern standen wir am Abgrund, heute sind wir einen Schritt weiter“. Am Wahlsonntag hatte ich nach der 18-Uhr-Prognose jedenfalls erst mal spontan so gar keine Lust mehr auf Wanderungen durch die Mark Brandenburg, was natürlich auch schade ist, immerhin haben wir das Fontane-Jahr. Der Geburtstag des alten Theodors jährt sich im Dezember zum 200. Mal. Und Fontane kann ja nun wirklich nichts für die AfD, wie auch die Immer-noch-Mehrheit der Brandenburger nichts für die 23,5 Prozent AfD-Stimmen kann. Schon klar.

Ich muss bei Gelegenheit mal den Berliner Schriftsteller Björn Kuhligk fragen, wie er das jetzt macht mit den Wochenendausflügen. Vor ein paar Jahren hatte er gemeinsam mit dem Lyriker-Kollegen Tom Schulz „neue Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ unternommen und daraus das Buch „Wir sind jetzt hier“ gemacht. Aber es gibt ja auch noch anderswo schöne Orte. Im weiteren Sinne. Kuhligk selbst fotografiert seit Jahren mit seinem Handy in Berlin sprichwörtliche „Schöne Orte“, die so aussehen, als seien sie aus der Zeit gefallen und hätten noch keine neue gefunden.

Frontale Stillleben: ein bisschen desolat, ein bisschen abgerockt. Und immer menschenleer. Die Serie „Schöne Orte“ gibt es auf Facebook, Instagram und vielleicht demnächst beim Berliner Mikrotext-Verlag als Buch. Dafür läuft auf Startnext gerade eine Crowdfunding-Kampagne, unter www.startnext.com/schoene-orte-das-buch, aber nur noch ein paar Tage, bis zum 16. September. Die Fotos machen auf jeden Fall bessere Laune als die Brandenburg-Wahl.