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Kommentar

Impfstoffmangel & längerer Lockdown zum Jahresstart: Durchhalten, Berlin

Berlin startete mit einem Hoffnungsschimmer in Form gut gekühlter Impfampullen in das neue Jahr. Ein paar Tage später? Bereits wieder Ernüchterung. Die Stadt hat zu wenig Corona-Impfstoff, der Lockdown hat nichts gebracht, eine Virus-Mutation hängt wie drohendes Unheil am Horizont und könnte alle bisherigen Bemühungen unwirksam machen.

Wird 2021 etwa das nächste 2020? Das muss es nicht. Aber dann dürfen wir uns jetzt weder vom Licht des neuen Jahres blenden, noch von Rückschlagen herunterziehen lassen. Der Horizont ist in Sicht, liegt er auch noch hinter vielen Wolken.. Und der beste aller Vorsätze für 2021 lautet wohl Selbstdisziplin.

Corona Kaum Menschen und genauso wenig Impfstoff: Berlins Impfstart war fulminant geplant, doch fünf der sechs Berliner Impfzentren sind noch geschlossen.
Kaum Menschen und genauso wenig Impfstoff: Berlins Impfstart war fulminant geplant, doch fünf der sechs Berliner Impfzentren sind noch geschlossen. Foto: Imago Images/Mueller

Impfstart und wir bleiben frustriert – aber nicht nur

Ja – 2020 gab es viele Gründe frustriert zu sein, sich die guten alten Jahre vor Corona zurück zu wünschen, in denen uns kein Virus vom gewohnten Leben abhielt. In denen wir keine alternativen Lebensmodelle ausprobieren mussten, die uns nicht behagten, manche unter uns nicht um ihre Einkünfte bangen mussten, und man es vor lauter schlechtem Gewissen nicht verschweigen musste, wenn man sich ab und an abends mit Freunden auf ein Bierchen traf.

Dass mit dem Jahreswechsel alle Probleme verschwunden sein würden, daran glaubte natürlich niemand. Doch obwohl es gegen Ende des letzten Jahres für Berlin wirklich nicht rosig aussah, wurden die Fuck-2020-Rufe immer lauter.

Das neue Jahr wurde mit wachsender Ungeduld herbeigesehnt. Ein Neuanfang, neue Energie, ein Impfstoff. Baldige Normalität? Leider wurden der Berliner Euphorie gleich zu Beginn des Jahres einige Dämpfer verpasst.

Berlin bleibt sich auch beim Impfstart treu: Vorerst läuft nichts wie geplant

Auch in puncto Corona-Impfung, dem Hoffnungsträger, blieb sich Berlin mal wieder selbst treu: Direkt nach dem Startschuss des Impfmarathons war die Stadt schon aus der Puste. Der versprochene Impfstoff ist nicht da. Nur eines der sechs Berliner Impfzentren ist bisher geöffnet. Kapazitätstechnisch könnten in Berlin derzeit bis zu 20.000 Personen am Tag geimpft werden. 30.000 tägliche Dosen hatte der Bund der Stadt ab dem 4. Januar 2021 eigentlich versprochen. Nun soll der Impfstoff frühestens am 8. Januar in Berlin eintreffen.

Im Akkord geimpft wird also nicht. Stattdessen wurden in der Arena in Treptow, dem bisher einzigen offenen Impfzentrum der Stadt, Impfampullen falsch gelagert und so unbrauchbar gemacht. Verlorene Zeit, die uns Geduld abringt, die wir alle nicht mehr haben. Fehler, die sich Berlin im Hoffnungsjahr 2021 nicht mehr leisten kann.

Kaum hat 2021 begonnen, stehen unsere Corona-Filter schon wieder auf Durchzug

Und der Frust über den Impfstart macht nicht gerade immun gegen die anderen schlechte Nachrichten: In Großbritannien, wo schon seit dem 8. Dezember 2020 geimpft wird, steigen die Infektionszahlen weiter an. Eine falsche Impfstrategie könnte der Grund sein. Oder – was noch viel schlimmer wäre – die neue, wohl ansteckendere Corona-Mutation, die seit einigen Wochen in Europa grassiert.

Das einzig gute an der Situation in Großbritannien: Die Nachricht, dass Bund und Länder eine Verlängerung des Lockdowns beschlossen haben, trifft uns weniger unvermittelt und hart. Wir sind abgelenkt und kaum hat 2021 begonnen, stehen unsere Filter schon wieder halb auf Durchzug.

Alles nicht schön, doch Contenance! Das neue Jahr, in das wir bisher alle soviel Hoffnung setzen, hat ja gerade erst begonnen. Und statt uns beirren zu lassen, sollten wir Vertrauen haben und unsere guten Vorsätze nachjustieren. Wer sich noch keinen guten Vorsatz überlegt hat: Selbstdisziplin und Vertrauen sind im Zweifelsfall eine gute Wahl.

Die Energie des neuen Jahres nutzen – fürs daheim Bleiben

Corona Streetart mit Mundschutz in Berlin-Kreuzberg: Berliner*innen sollten Aber der Zauber des Neujahrs umwandeln: in Motivation, Selbstdisziplin und Zuversicht.
Streetart mit Mundschutz in Berlin-Kreuzberg: Berliner*innen sollten den Zauber des Neujahrs umwandeln: in Motivation, Selbstdisziplin und Zuversicht. Foto: Imago Images/Steinach

Ja – 2020 war ein anstrengendes Jahr. Und auch wenn das neue schon mit einigen Hiobsbotschaften zu starten scheint – unsere Bemühungen 2020 waren nicht umsonst! Berlin hat trotz des Spaltungspotenzials des Virus Zusammenhalt gelebt, Disziplin bewiesen und ist so gestärkt aus dem ersten Lockdown hervorgegangen. Das Gleiche müssen und werden wir jetzt wieder schaffen, wir dürfen die Routine nur nicht zu Frust und den Frust zur Entschuldigung werden lassen. Dann werden wir Erfolg haben und dieser wird diesmal vielleicht sogar nachhaltig sein.

Wir alle sehnen ein baldiges Ende des Lockdowns herbei. Und auch wenn die Gefühle der letzten Monate noch auf uns lasten, das neue Jahr ist eine mentale Chance. In den letzten Lockdown mischte sich der Zauber des Anfangs: Es war Frühling, die Sonne zeigte sich immer öfter und Berlin wandelte sich auf eine schöne Weise, woran auch das Virus nichts ändern konnte. Die Selbstdisziplin fiel uns leichter, wussten wir doch angesichts des blauen Frühlingshimmels, worauf wir uns freuen konnten.

Trotz des grauen Himmels darf Berlin seinen Optimismus nicht verlieren

Nun stehen wir vor den härtesten Wochen des Jahres. Berliner*innen werden wissen, wovon ich spreche. Der Himmel ist grau und außer ein bisschen Schneegestöber zeigt die Stadt die meiste Zeit ihr übel gelauntes Gesicht. Aber der Zauber des Anfangs ist wieder da, anders diesmal, aber spürbar. Und wir müssen ihn nutzen und umwandeln: in mehr Motivation, Selbstdisziplin und Zuversicht.

In den nächsten Wochen heißt es zurückrudern, Kontakte kürzen, Regeln beachten und Vertrauen haben. Noch mehr als in den Wochen vor dem Jahreswechsel. Ein bisschen erscheint alles wie zu Anfang der Pandemie. Doch wir sind so weit gekommen und dürfen nicht schwarz sehen, auch wenn der Berliner Himmel seinen Schatten auf uns wirft.

2021 ist eine riesige Chance, wenn jeder einzelne von uns zur Räson kommt. Ach und außerdem: Wir haben 2020 sogar den Flughafen fertig bekommen – wenn das kein Grund für übersteigerten Optimismus ist.


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