Geschichte

Zweiter Weltkrieg: Historische Spaziergänge in und um Berlin

Berlin ist eine Stadt der Geschichte – und dazu gehören auch die dunklen Kapitel. Auf historischen Spaziergängen bringen wir euch die Vergangenheit näher und zeigen euch Orte, die eng verknüpft sind mit der Nazizeit, mit den letzten Kriegstagen, der Kapitulation der Wehrmacht und der Nachkriegsordnung in Europa. Sechs historische Spaziergängen in und um Berlin bringen euch Aspekte davon näher. Touren, die bedrückend sein können, zum Nachdenken anregen – und euch an neue Ecken führen werden.


Berlins Mitte nach dem Krieg: Vom Trümmerfeld zum Ort des Gedenkens

Historische Spaziergänge Berlin. Das Brandenburger Tor in Mitte war gegen Kriesende stark beschädigt.
Das Brandenburger Tor in Mitte war gegen Kriesende stark beschädigt. Foto: imago/Mauersberger

Berlin war im Zweiten Weltkrieg das Zentrum der Macht, die Kämpfe zum Kriegsende 1945 fielen besonders heftig aus. Die Hauptstadt ist heute wieder aufgebaut, doch die Wunden bleiben. Entsprechend ist gerade Mitte von Erinnerungsstätten, von historischen Denkmälern, auch von schmerzhafter Rückschau geprägt: An die ermordeten Sinti und Roma, die ermordeten Homosexuellen, besonders prominent vor allem an die Millionen ermordeten Menschen jüdischen Glaubens wird erinnert – weil die Geschichte nicht vergessen werden darf. Der historische Spaziergang durch Berlin führt vom Brandenburger Tor mit einem Schlenker zum Friedrich-Ebert-Platz zur Topographie des Terrors – und sollte für jeden, der nach Berlin kommt oder hier lebt, Pflichtprogramm sein.


Karlshorst: Wo der Krieg endete und sowjetische Geschichte begann

Historische Spaziergänge Berlin: Der Biesenhorster Sand in Karlshorst war einer der ersten Flugplätze Berlins und später ein großer Rangierbahnhof, der vor allem von den Sowjettruppen genutzt worden ist. Foto: Clemens Niedenthal

Der Biesenhorster Sand in Karlshorst war einer der ersten Flugplätze Berlins und später ein großer Rangierbahnhof, der vor allem von den Sowjettruppen genutzt worden ist. Foto: Clemens Niedenthal

Karlshorst, das ist ein Stadtteil, den Berlin-Besuchende und manche Einwohner:innen kaum auf dem Schirm haben. Erinnerungskultur findet vor allem in Mitte statt, das Leben in den hippen Stadtteilen drumherum. Dabei ist Karlshorst nicht nur aufgrund seiner teils kleinstädtischen Struktur und dem damit verbundenen Gefühls, woanders zu sein, für historische Spaziergänge geeignet. Sondern eben auch, weil das Areal eine enorm wichtige Rolle in der Geschichte Deutschlands einnimmt.

Hier wurde am 8. Mai 1945 das Ende des Kriegs besiegelt, womit auch die sowjetische Geschichte des Stadtteils begann. Zeitweise durften deutsche Einwohner:innen nicht mal in Teile Karlshorsts reisen. Heute ist unter anderem das Museum Karlshorst hier verortet, das bis zum russischen Überall auf die Ukraine noch Deutsch-Russisches Museum hieß. Viele Gebäude aus der Zeit des Kalten Krieges wurden in Karlshorst umgenutzt, das Haus der Offiziere etwa ist heute Musikschule.


Schönholz und das Ehrenmal erkunden: Spuren des Kriegs allgegenwärtig

Historische Spaziergänge Berlin: 75 Jahre Kriegsende: Eingang zum Sowjetischen Ehrenmal in Schönholz.
Eingang zum Sowjetischen Ehrenmal in Schönholz. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Wo Wedding endet und Pankow beginnt, startet auch der Spaziergang auf den Spuren der Geschichte des Zweiten Weltkriegs. Er führt zuerst zum Friedhof Pankow III, Ernst Busch, Max Lingner und Anton Saefkow sind hier beerdigt. Saefkow, ein 1903 geborener Berliner, war seit den 1920er-Jahren Kommunist und ab 1933 Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Dann weiter in den Volkspark Schönholzer Heide – auch hier gibt es Grabstätten, innerstädtische Bombenopfer sind hier beigesetzt.

Der Weg führt dann zum Sowjetischen Ehrenmal, knapp 30.000 Quadratmeter groß, kleiner zwar als das in Treptow, aber noch immer beeindruckend. Unweit davon liegt dann das Areal, in dem früher Rüstungsgüter produziert wurden – und Schönholz zum wichtigen Ziel machten. Schwer vorstellbar heute, aber eben doch Realität.


Tour vom Wannsee zum Neuen Garten: Zwischen Krieg und Totalitarismus

Im Haus der Wannseekonferenz wurde der systematische Massenmord an den Juden beschlossen, heute ist in dem Gebäude eine Gedenk- und Bildungsstätte untergebracht. Foto: Imago/Jürgen Ritter
In dieser Villa wurde der systematische Massenmord an den Juden beschlossen. Das Gebäude heißt heute Haus der Wannsee-Konferenz, hier ist eine Gedenk- und Bildungsstätte untergebracht. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Es ist ein Weg voller Schönheit: Natur, prächtige Bauten, der Wannsee, natürlich. Aber eben auch der Geschichte, der monströsen, aber auch der zukunftsweisenden Entscheidungen. Von der S-Bahnstation Wannsee nach Potsdam geschahen Dinge, von denen in Schulbüchern in den meisten Teilen der Welt berichtet wird. Im Haus der Wannsee-Konferenz fand die Perversion der nationalsozialistischen Diktatur ihren grausamen Höhepunkt in der „Endlösung der Judenfrage“.  Im Schloss Cecilienhof, der letzte Prachtbau der Hohenzollern, tagte nach Kriegsende die Potsdamer Konferenz. Nur zwei der wichtigen Stationen eines längeren, aber wichtigen historischen Spaziergangs auf den Spuren deutscher Vergangenheit.


Auf den Spuren des Blutbads an den Seelower Höhen: Die letzte Schlacht

Historische Spaziergänge Berlin: 75 Jahre nach Kriegsende: Die Gedenkstätte Seelower Höhen mit den Kriegsgräbern erinnert an ein vermeidbares Blutbad.
Die Gedenkstätte Seelower Höhen mit den Kriegsgräbern erinnert an ein vermeidbares Blutbad. Foto: imago/Ritter

Rotarmisten und Wehrmacht lieferten sich kurz vor Kriegsende ein Gemetzel, dem zehntausende Soldaten zum Opfer fielen – das Areal des grausamen Kampfes lässt sich von den Seelower Höhen überblicken. Die Narben sind bis heute nicht verheilt. Die Gedenkstätte zeichnet die vermeidbare Schlacht nach, der Weg in die Festungsstadt Küstrin lohnt sich: Kein Stein blieb hier auf dem anderen, inzwischen Teile der Straßen, Häuser und Parks jetzt sukzessive wieder freigelegt, Straßenschilder und Gedenktafeln vor den ehemaligen Häusern angebracht. Sechs Kilometer vorgelagert finden Interessierte noch das alte Fort Gorgast.

Auf den Spuren des Blutbads an den Seelower Höhen: Die letzte Schlacht


Spaziergang um das KZ Sachsenhausen: Umgang mit einem schweren Erbe

Vom KZ Sachsenhausen aus begann der Marsch, auf dem über 6000 Häftlinge ermordet wurden - die Stadt Oranienburg gedenkt derer.
Vom KZ Sachsenhausen aus begann der Marsch, auf dem mehr als 6000 Häftlinge ermordet wurden. Ihrer gedenkt die Stadt Oranienburg. Foto: Imago/Schöning

Oranienburg ist nicht weit weg von Berlin – umso weniger darf das, was dort geschehen ist, weit weg aus der Erinnerung geschoben werden: Im KZ Sachsenhausen starben Tausende Menschen, ermordet, misshandelt oder krank. In Oranienburg gibt es mehrere Orte, die an diese Zeit erinnern, unter anderem auch die Gedenkstätte Todesmarsch, den Gedenkort Zum Klinkerwerk, natürlich die Gedenkstätte Sachsenhausen mit Museum. Kein leichtes Thema, aber ein notwendiges.


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