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Kommentar

Das Berliner Kulturleben im Schatten des Corona-Virus

In Berlin steht das Kulturleben im Schatten des Corona-Virus. Opern und Theater schließen, Fußballspiele sollen ohne Fans stattfinden. Sogar während der Luftbrücke spielten die Häuser weiter oder die Unterbrechungen in den Spielplänen waren kürzer

Das Berliner Kulturleben im Schatten des Corona-Virus: Leerer Konzertsaal.
Leere Opern und Theater im Zeitalter von Corona. Foto: imago images / Hoch Zwei/Angerer

In China bricht ein Virus aus und in Berlin schließen die Opern. Einen besseren Beleg für die Richtigkeit des Schmetterlingseffekts kann es kaum geben. Unsere voll vernetzte, globalisierte Welt ist anfällig und es gibt nachweisbar einen Zusammenhang zwischen dem hungrigen Mann in Wuhan, der gerne mal ein Schuppentier verspeist, und der Theaterpremiere in der Schaubühne. Das ist alles etwas konkreter, als das alte Bild vom Flügelschlag eines Schmetterlings, der einen Orkan auslösen kann.

Nun werden also die Opern und Theater schließen, Fußballspiele sollen ohne Fans stattfinden, auch wenn die Unioner sich standhaft gewehrt haben. Jetzt ist klar, das Spiel findet ohne Zuschauer statt. Obwohl nicht wenige Köpenicker sich vermutlich lieber mit dem Corona-Virus infizieren würden, als auf das Duell mit den Bayern im Stadion in der Alten Försterei zu verzichten. Eisen ist schließlich härter als irgendein dahergelaufenes Virus.

So eine Situation gab es seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges nicht

Doch im Prinzip herrscht Ratlosigkeit. An den Aktienmärkten und in den Konzernzentralen, in Museen und bei Konzertveranstaltern, bei der OPEC und nicht zuletzt bei Politik und Verwaltung. Klaus Lederer ist ein gefragter Mann, der Kultursenator setzt nun die durch den Föderalismus bedingten und dadurch etwas schwammigen Vorgaben von Gesundheitsminister Spahn in die Tat um. Die Liste der Absagen von Theaterstücken, Ausstellungen, Opern, Vorträgen, Lesungen und Konzerten wächst stetig weiter. Wir werden also, mindestens bis nach den Osterferien, eine Stadt mit ordentlich abgespecktem Kulturprogramm sein. Wer weiß, wie lange es dauern wird, bis wir in Berlin, in Deutschland, in Europa und in der Welt zur Normalität zurückkehren werden. So eine Situation gab es in Berlin seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges nicht. Selbst während der Berlin-Blockade und der Luftbrücke spielten die Häuser weiter oder die Unterbrechungen in den Spielplänen waren kürzer. Sogar nach dem Mauerbau 1961 wurden die Kulturveranstaltungen nicht in diesem Ausmaß eingeschränkt.

Man kann von nicht weniger als einer Ausnahmesituation sprechen und wer weiß, ob die Hamsterkäufe in den Supermärkten nicht nur der Anfang von etwas waren, was noch viel größer und bedrohlicher wird. Wir wollen es nicht hoffen und wir wollen keine Panik schüren. Doch Angst macht sich breit. Sie wird zum beherrschenden Thema. Eltern fragen sich, wie sie ihren Kindern die Corona-Krise vermitteln sollen. Ältere Menschen bangen um ihr Leben, denn sie sind es wohl, die am meisten bedroht sind. Gelegentlich macht sich ein latenter Rassismus breit, dessen mildere Anzeichen das Meiden von chinesischen Restaurants ist. Mögen sich solche Ängste nicht weiter in bedrohlichere Zustände entwickeln, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt hinterfragen. Doch wohl im Leben jedes einzelnen Berliners kommt es zu durch Corona ausgelösten Planänderungen. Reisen werden abgesagt, Termine finden nicht statt, Freunde und Verwandte sagen ihren Besuch ab.

Die Corona-Ausbreitung in Berlin begann unter anderem in dem Musikclub Trompete

Auch für uns, liebe Leser, verändert sich von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde, alles. Der tip berichtet seit 1972 über das aktuelle kulturelle Geschehen in Berlin. Unsere Aufgabe war und ist seit jeher, Sie alle zu ermutigen, aus dem Haus zu gehen und diese Stadt zu erleben. Ob beim Kinderfest im Kiez oder im Musical. Ob beim Popkonzert, Comedy-Abend, bei Sportveranstaltungen oder im Technoclub. Sowohl in unseren gedruckten Magazinen und auch hier auf der Webseite. Plötzlich sind das aber genau die Dinge, die man jetzt besser nicht mehr tun sollte. Auch wir müssen uns fragen, ob wir Sie in dieser Zeit zum Ausgehen ermutigen sollten. Die Devise lautet schließlich: Zuhause bleiben! Immerhin begann die Corona-Ausbreitung in Berlin unter anderem in dem Musikclub Trompete.

Über viele der ausgefallenen Veranstaltungen haben wir Sie in Vorberichten informiert, andere Themen haben wir bereits für die kommenden Ausgaben fest eingeplant. Auch unsere Pläne werden täglich umgeworfen und auch wir wissen nicht immer genau, was zu tun ist. Doch eines ist gewiss, der tip wird als Stadtmagazin weiterhin aus und über Berlin berichten. Die aktuellen Absagen von Veranstaltungen und das Corona-Tagebuch werden ständig aktualisiert.

Diese Stadt hat schon viel erlebt. Krieg, Zerstörung und eine Mauer. Auch in der Popkultur ist Berlin immer wieder untergegangen. Und auch wenn derart bedrohliche Pandemien wie Pest oder die Spanische Grippe in unseren Breitengraden schon lange zurückliegen und die Situation für uns alle neu und unheimlich ist, werden wir auch das überstehen. Dessen sind wir sicher. Die offiziellen Informationen, wie man sich verhalten soll, hat der Berliner Senat längst veröffentlicht.

Bleiben Sie gesund und besonnen, waschen Sie sich die Hände und bleiben Sie uns treu!  

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