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Berlin verstehen

Berlin 1953: 12 Fotos der Stadt – Aufstand am 17. Juni, Hollywood und Knautschke

Berlin, 1953. In den Straßen liegen immer noch Kriegstrümmer, doch im Frühling kann man entspannt draußen sitzen und einen Kaffee in der Sonne trinken. Gleichzeitig fliehen Tausende aus der DDR nach West-Berlin. Im Juni kommt es zu Unruhen unter den Arbeitern im Ost-Berlin. Der blutig niedergeschlagene Aufstand vom 17. Juni 1953 richtet sich gegen die DDR-Regierung und die sowjetischen Besatzer. Es ist ein düsteres Kapitel der Stadtgeschichte. Aber schon im August reist Hollywoodstar Gregory Peck an und dreht hier einen Thriller. Und Flusspferd Knautschke wird von Groß und Klein im Berliner Zoo gefeiert. Diese 12 Fotos zeigen, wie es 1953 um Berlin stand.


Kriegstrümmer

Berlin 1953
In West-Berlin werden immer noch Kriegstrümmer geräumt, Januar 1953. Foto: Imago/TT/Carl-Erik Sundström

In beiden Teilen der Stadt waren 1953 die Arbeiten an der Beseitigung der Kriegstrümmer noch nicht vollständig abgeschlossen. Die Zerstörung war allerorts spürbar, zugleich aber auch der Aufbruch. Überall wurde gebaut, neue Häuser und ganze Straßenzüge entstanden und auch der Berliner Nahverkehr – in Ost und West – wurde reformiert.


Massenflucht nach West-Berlin

Berlin 1953 Flüchtlinge
Geflüchtete aus der DDR in einer Unterkunft in West-Berlin, Januar 1953. Foto: Imago/Zuma/Keystone

Die politischen Verwerfungen zwischen Ost und West spitzten sich bereits zum Anfang des Jahres 1953 zu. Am 7. Januar 1953 erreichte die Massenflucht nach West-Berlin eine Rekordhöhe. Menschen aus der DDR kamen in die von den westlichen Alliierten kontrollierte Stadt. Trotz der Bemühungen des Deutschen Roten Kreuzes gab es teilweise nicht genug Betten, um alle Flüchtlinge aufzunehmen, viele mussten in Kellern oder auf Dachböden ihr Auskommen übernachten.


Stalinfeier in Friedrichshain

Parade während der Stalinfeier 1953 vor dem Stalindenkmal in Friedrichshain. Foto: Imago/Marco Bertram

Während die Menschen der DDR massenweise den Rücken kehrten, feierten die SED-Funktionäre und überzeugte Kommunisten im März 1953 das Andenken Josef Stalins. Der sowjetischen Diktator starb am 5. März 1953, in Ost-Berlin gab die Gegend rund um das Stalindenkmal in Friedrichshain Raum für die Parade. Das Denkmal wurde im Zuge der Entstalinisierung in der Nacht vom 13. zum 14. November 1961 abgetragen.


Ein Käffchen an der frischen Luft

Berlin Cafe 1953
Ausgelassene Stimmung in einem Straßencafé, Frühling 1953. Foto: Imago/Zuma/Keytone

Der milde Frühling kam vielen Berlinern und Berlinerinnen entgegen. Statt an Stalin, Trümmer oder Flucht zu denken, konnte man an den Tischen vor den Restaurants unter freiem Himmel einen Kaffee trinken. Heute ist das nicht anders, bei den ersten Anzeichen von Frühlingswetter sitzt die halbe Stadt sofort wieder draußen.


Der 17. Juni 1953

Ausschreitungen in Ost-Berlin am 17. Juni 1953. Foto: Imago/Photo12/Ann Ronan PicturexLibrary

In der Stadt erhitzte sich die Stimmung. Am 17. Juni 1953 kam es zu Demonstrationen und Ausschreitungen in Ost-Berlin, das Datum ging als düsteres Kapitel in die Geschichte ein. In der gesamten DDR kam es zu Protesten, Aufmärschen und radikalen Forderungen, etwa nach einem Rücktritt der SED-Regierung, freien Wahlen und der Freilassung aller politischen Gefangenen.

Die sowjetischen Besatzungstruppen gingen in Berlin brutal gegen die Zivilbevölkerung vor und der russische Stadtkommandant beorderte eine Panzerbrigade in das bedrohte Gebiet, die an der Seite der DDR-Sicherheitsorgane gegen die Demonstranten vorging. Die Bilanz des Tages waren mehrere Dutzend Tote und 15.000 Verhaftete. Bis heute wird in dem Zusammenhang auch vom “Arbeiteraufstand” gesprochen.


Artur „Atze“ Brauner 

Arthur Brauner (rechts) beim Empfang für Yvonne De Carlo, Juli 1953. Foto: Imago/Filmwelt/Future Image

Mit seiner Filmproduktionsfirma CCC schrieb der legendäre Filmproduzent Artur “Atze” Brauner von Spandau aus Filmgeschichte. Im Alter von 100 Jahren ist er am 7. Juli 2019 in Berlin verstorben. 1953 befand sich Brauner aber in der Blüte seines Schaffens. Rund 500 Filme produzierte er im Lauf der Jahre für Kino und Fernsehen. Mit den Regisseuren Robert Siodmak und Fritz Lang holte er in den 1950er-Jahren zwei der berühmtesten Emigranten wieder nach Deutschland. Hier feiert er im Juli 1953 an der Seite der legendären US-Diva Yvonne De Carlo.


Gregory Peck am Brandenburger Tor

Hollywoodstar Gregory Peck bei den Dreharbeiten zu “Night People”, August 1953 . Foto: Imago/Zuma/Keystone

Berlin galt 1953 als Kuriosum und die geteilte Stadt, von der aus nur wenige Jahre zuvor ein fürchterlicher Weltkrieg ausging, bot Stoff für Krimis und Agentenfilme. Auch Hollywood zeigte sich interessiert. Im August 1953 reiste gar der weltberühmte Schauspieler Gregory Peck (Foto) an und drehte hier mit Regisseur Nunnally Johnson den Thriller “Night People”.


Deutschland-England im Olympiastadion

Leichtathletikkämpfe Deutschland-England im Olympiastadion, Foto der Siegerehrung, August 1953. Foto: Imago/Future Image

Keine zehn Jahre vorher standen beide Länder im Krieg. 1953 fanden die Auseinandersetzungen zwischen Deutschland und England nur noch auf dem Sportfeld statt. Bei dem Leichtathletikturnier im Olympiastadion im August 1953 ging es friedlich zu.


Ernst Reuter stirbt

Beerdigung des Regierenden Bürgermeisters von West-Berlin, Ernst Reuter, 1953. Foto: Imago/Zuma/Keystone

In West-Berlin begann nach der Teilung eine neue Ära. Das höchste Amt in der Stadt hieß fortan Regierender Bürgermeister von Berlin. Der SPD-Politiker Ernst Reuter (1889-1953) war ab 1951 und bis zu seinem Tod am 29. September 1953 der erste Amtsträger. Er musste das Verhältnis der von den westlichen Alliierten verwalteten Frontstadt zur BRD gestalten, die Währungsreform überblicken, zugleich die Zusammenarbeit mit den Alliierten etablieren und die zerstörte Stadt wieder aufbauen. An Ernst Reuter, der als politischer “Vater von West-Berlin” gilt, wurde nach seinem Tod mit zahlreichen Initiativen und Umbenennungen erinnert. 


Bauarbeiten an der Stalinallee

Die Bauarbeiten in der Stalinallee gehen weiter, Oktober 1953. Foto: Imago/Marco Bertram

Die heutige Karl-Marx-Allee hieß 1953 noch Stalinallee und die monumentalen Paläste für Arbeiter und Bauern wurde gerade errichtet. Der Arbeiteraufstand von 1953 ging von diesem Ort aus, doch im Oktober 1953 gingen die Bauarbeiten an dem Vorzeigeprojekt der DDR-Stadtplaner regulär weiter.


Bau der Amerika-Gedenkbibliothek

Bau der Amerika-Gedenkbibliothek am Blücherplatz in Kreuzberg, Dezember 1953. Foto: Imago/Zuma/Keystone

Die Amerika-Gedenkbibliothek war ein Geschenk der Alliierten an die zerstörte Stadt und damals die modernste Bibliothek Europas mit einem Bestand von etwa 600 000 Büchern. Das Foto zeigt den Stand der Bauarbeiten im Dezember 1953. Im Frühjahr 1954 wurde die 5,4 Millionen DM teure Institution eröffnet. Bis heute gilt die AGB als eine der beliebtesten Bibliotheken in Berlin.


Knautschke im Zoologischen Garten

Flusspferd Knautschke, ein Superstar im Zoologischen Garten. Foto: Imago/Zuma/Keystone

Das 1943 geborene Flusspferd Knautschke war ein echter Superstar im Zoologischen Garten Berlin. Das Bild zeigt ihn im Sommer 1953. Bis zu seinem Tod in den 1980er-Jahren begeisterte er die Besucher. Interessanterweise wurde für die Flusspferde der Eiserne Vorhang geöffnet und Knautschke paarte sich mit einem Weibchen aus dem Leipziger Zoo. Er zeugte zahlreiche Nachkommen und kann daher als Pionier der Wiedervereinigung verstanden werden. Heute erinnert eine Bronzeskulptur vor dem Flusspferdhaus an den beliebten Fettwanst.


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