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Nachhaltigkeit

Lebensmittel retten: Wo ihr Überschüssiges loswerden und kaufen könnt

Lebensmittel retten könnte so einfach sein, wäre bloß Containern erlaubt. Doch die meisten Läden schützen ihre Mülltonnen wie Dagobert seinen Geldspeicher. Wer ausrangiertes Essen aus ihnen herausholen will, muss zum Panzerknacker werden. Ihr müsst euch aber nicht für einen Appel und ’n Ei in die Kriminalität stürzen, das wollen wir hier auch (wirklich!) nicht heraufbeschwören. Bis die Müllgesetze gelockert werden, könnt ihr Alternativen nutzen und euch sogar selbst einbringen. Nicht selten kommt es schließlich vor, dass wir zu viel einkaufen und ein Teil im Abfall landet. Den verteidigen wir zwar nicht allzu rigoros, ist aber fürs Containern auch nicht verlockend. Wo ihr Lebensmittel retten und spenden könnt, erfahrt ihr in unserem Überblick.


Foodsharing-Kühlschränke: Jeder kann Lebensmittel retten

Kaum etwas verbindet mehr als gemeinsam in einen Kühlschrank zu langen. Hände berühren sich, brechen Brot, reichen sich Joghurt. Gelegentlich gibt es Streit, es folgt Fingerkloppe, kratzen, kneifen, schlagen. Meist ist es aber friedlich, in der Kühlung herrscht Innigkeit. Ein guter Zweck treibt das auf die nächsthöhere Harmonieebene. Vielleicht bietet der Verein Foodsharing deshalb Unternehmen wie auch Privatpersonen an, überschüssige Lebensmittel der Allgemeinheit zu schenken. Dafür stehen in ganz Berlin frei zugängliche Kühlschränke zur Verfügung, sogenannte Fairteiler.

Seit seiner Gründung 2012 will der Verein die Foodsharing-Community verbinden, bietet entsprechend allen an, eine Verteilerstation zu eröffnen und sie auf der Website zu bewerben. Wichtig ist dabei, dass diese für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Damit nichts in den Schränken vor sich hin kompostiert, gibt es ein paar verbotene Lebensmittel:

  • Abgelaufenes
  • Geöffnete Lebensmittel mit Mindesthaltbarkeitsdatum
  • Empfindliche Lebensmittel, etwa Hackfleisch oder welche mit rohem Ei
  • Selbstgesammelte Pilze
  • Alkohol und Energy Drinks
  • Buffet-Lebensmittel

Brot, vegane Joghurts, allerlei Obst und Gemüse sind neben vielen anderen Fressalien in Ordnung. Übrigens sind auf der Seite auch öffentliche Verteilungen gelistet, eine Art Lebensmittelkarneval, nur eben mit nahrhafter Kamelle. Falls euch die Karte nicht reicht, findet ihr hier weitere Angebote.


Rettermärkte: Zurück zum Einzelhandel

Neben Foodsharing gibt es noch Läden, die gerettete Lebensmittel, etwa von Supermärkten, verkaufen. Die kapitalistischere Alternative. Raphael Fellmer eröffnete 2018 genau zu diesem Zweck das Kaufhaus Sirplus. Sein Geschäftsmodell: Supermärkte für wenig Geld ausrangierte Produkte abkaufen und sie in seinem Laden für (ein wenig mehr) anbieten. Altruismus mit Schlips und Jacket. Mittlerweile führt Fellmer in Berlin mehrer solcher Läden, das Konzept hat gefruchtet. Und unabhängig vom gewinnorientierten Denken: Es ist eine gute Idee gegen Lebensmittelverschwendung.

Die Rettermärkte von Sirplus unterscheiden sich optisch nicht von normalen Supermärkten. Foto: Imago/Photopress Müller

Neben Fellmers Kette gibt es noch Foodoutlet24. Selbes Prinzip, nur nicht ganz so groß. Mit Blick auf die zahlreichen Supermärkte in Berlin gibt es eine große Auswahl in allen Rettermärkten. Die geretteten Lebensmittel haben kleinere Makel, etwa Druckstellen, schmecken aber trotzdem – und sind deutlich günstiger, einige sogar aus biologischem Anbau. Auch die zahlreichen Berliner Tafeln retten regelmäßig Essen und verteilen es. Die sind nicht monetär orientiert, dafür müssen Besucher:innen ihre Bedürftigkeit nachweisen. Auf der Karte finden sie keine Erwähnung, da, wie gesagt, nicht jede:r Zugang hat, was allerdings richtig und wichtig ist.

Übrigens: Bäckereien, Restaurant, Obst- und Gemüsehändler:innen sind häufig offen und spendierfreudig, wenn es gegen Abend um den verbliebenen Bestand geht. Hier empfehlen wir, einmal nachzufragen. Kostet nichts, muss auch nicht peinlich sein. Ein „Nein“ ist der schlimmstmögliche Ausgang, das überlebt man.


Gerettete Lebensmittel online bestellen

Lebensmittel retten: Über die App Too Good To Go könnt ihr gerettete Lebensmittel bestellen. Foto: Too good to go
Über die App Too Good To Go könnt ihr gerettete Lebensmittel bestellen. Foto: Too good to go

Jetzt zwingen einen die Läden und Fairteiler dazu, das Haus zu verlassen, manchmal sogar ein paar Stationen mit der Bahn zu fahren. Menschenmassen, die in ihrem Schweiß marinieren, Gerüche, die einem die Tränen in die Augen treiben. Vorpreschender Idealismus wird so an die Couch geleint. Gut, dass es auch für gerettete Lebensmittel digitale Lösungen gibt.

  • Etepetete

Das Startup versendet Boxen mit Lebensmitteln, die nicht hübsch genug für die Auslage deutscher Supermärkte sind. Äpfel mit Orangenhaut, Karotten in Form von Berliner Flussverlaufskarten. Alles bio. Die Boxen gibt es im Abo, sind aber jederzeit abbestellbar. Weitere Infos findet ihr hier.

  • Sirplus

Die Rettermärkte kennt ihr bereits, der Online-Shop funktioniert ähnlich. Ihr könnt einzelne Lebensmittel oder Boxen bestellen. Gerettete Lebensmittel aller Art und Drogerieprodukte stehen zur Auswahl. Spart den Gang zu einem der Shops. Weitere Infos findet ihr hier.

  • To Good To Go

Ist das essbar oder kann das weg? Essbar, zumindest wenn es um die täglichen Überbleibsel in der Gastronomie geht. Jeden Tag müssen frische Lebensmittel her, vieles landet entsprechend (trotz Genießbarkeit) gegen Abend im Müll. Hygienevorschriften. Über Too Good To Go können Bäckereien, Restaurants und Kantinen Übriggebliebenes günstig verkaufen. Was genau, hängt davon ab, was da ist. Kund:innen kaufen Wundertüten, natürlich mit jeweiligen Schwerpunkt der Einrichtung, bei der sie bestellen. Eine Bäckerei wird kaum Sushi anbieten. Leider liefert die App nicht, aber ihr könnt euch Anbieter:innen aus eurer Umgebung suchen. Bisschen Überwindung bleibt also.


Mehr zum Thema

Lebensmittel retten ist super, aber es gibt noch mehr Ideen für Nachhaltigkeit. Supermärkte ohne Plastik etwa: Wo ihr unverpackt einkaufen könnt, lest ihr hier. Und auch das funktioniert gut als Lieferdienst, wie das Start-up Tante Emma unterwegs beweist. In der Hauptstadt gibt es auch einige nachhaltige Unternehmen. 12 grüne Start-ups haben wir hier vorgestellt. Pelz ist out, tierfreundliche Mode ist in. Entsprechend könnt ihr in Berlin wunderbar vegan shoppen, deshalb die besten Läden für tierfreie Mode im Überblick.

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