Uraufführung

Thomas Melles „Ode“ im Deutschen Theater

Hassrede gemeldet! Thomas Melles „Ode“ macht sich über Kunstfeindlichkeit aller Art lustig

Foto: Arno Declair

Thomas Melle führt in seinem neuen Theatertext „Ode“ einige der Zumutungen, Stolperfallen und Paradoxien der derzeitigen kunstbetriebsinternen Debatten wie der nicht immer hilfreichen, dafür aber um so aufgeregter vorgebrachten Forderung nach politischer Korrektheit im Kunstgeschehen zu erfrischend bösartigen Zuspitzungen. Für den nötigen Erregungs- und Debattenanstoß sorgt ein Denkmal. Das ist zwar unsichtbar und besteht nur aus Luft, weist dafür aber einen skandalträchtigen Titel auf. Es handelt sich nach Auskunft seiner Schöpferin, einer Bildhauerin mit dem theatergeschichtsverdächtigen Namen „Fatzer“, um eine „Ode an die alten Täter“. Das wäre schon genug an Zumutung und sorgt für anschwellendes Raunen im Kunstbetriebskollegenkreis, zumal die Künstlerin die mit der Ode gewürdigten Täter in den Vernichtungslagern des Nationalsozialismus verortet.

Was folgt ist eine Art Stakkato-Pamphlet mit jeder Menge knalliger Anspielungen von Meese bis Kippenberger. Logischer- wie lustigerweise ist eine rechte „Wehr“ in ihrer reflexhaften Kunstfeindlichkeit kaum von den Kulturbetriebs-Diskurspolizisten und Gesinnungsoberaufsehern zu unterscheiden, auch wenn letztere bei jeder Gelegenheit eine „Hassrede“ melden. Die Lektüre des Textes ist ein großes, erhellendes, unbedingt gute Laune machendes und sehr zu empfehlendes Vergnügen.

Leider hat der Text das Pech, am Deutschen Theater von der heillos überforderten Regisseurin Lilja Rupprecht uraufgeführt zu werden, die mit jeder Szene nichts als ihre bedauerliche Hilflosigkeit vorführt und die armen Schauspieler zu allerlei sinnfreiem Gezappel animiert.

Termine: Deutsches Theater Kammerspiele, 19–25 €

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