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„Falling in Love“ im Friedrichstadt-Palast: Ansteckend optimistisch

Alles wird gut! Mit der Show „Falling in Love“ und Jean-Paul Gaultier wird die Welt im Friedrichstadt-Palast zu einem besseren Ort. tipBerlin-Theaterkritikerin Irene Bazinger hat die Grand Show gesehen.

Schlussapplaus nach der Premiere von „Falling in Love“ im Friedrichstadt-Palast. Foto: Markus Nass
Schlussapplaus nach der Premiere von „Falling in Love“ im Friedrichstadt-Palast. Foto: Markus Nass

„Falling in Love“ im Friedrichstadt-Palast: Jean Paul Gaultiers Kostüme sind ein Augenschmaus

Wer sich eine Eintrittskarte für den Friedrichstadt-Palast kauft, möchte keine komplizierten Geschichten hören, sondern sich einem Rausch aus Bildern, Stimmungen, Farben und Formen hingeben. Genau dieses bewährte Schema erfüllt „Falling in Love“, die neue Grand Show, die mit einem Budget von 13 Millionen Euro einen Rekordproduktionsetat zur Verfügung hatte.

Als Visual Design Director konnte wieder der französische Modeschöpfer Jean Paul Gaultier gewonnen werden, der für das Ensemble schon 2016 in „The One“ die tollsten Kostüme entworfen hatte. Die 500 Roben sind auch diesmal opulent und traumhaft bukolisch, fantasievoll und verrückt, ein veritabler Augenschmaus sowieso. Natürlich sind seine Markenzeichen – Matrosenstreifen und „spitze Brüste“ (Madonna!) – unübersehbar dabei.

Die Hauptfiguren: You und Me

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Im Mittelpunkt des rund dreistündigen Abends stehen der junge You, ein sensibler Dichter, der in kein Raster passt, und die freiheitsliebende Rebellin Me, die ebenfalls nicht weiß, wo eigentlich ihr Platz ist. Die beiden werden in einer besseren Welt, in der alle Menschen gleichberechtigt miteinander leben können, zueinander finden. You ist gehörlos, was aber in der Inszenierung – von ein bisschen angedeuteter Gebärdensprache – nicht wirklich auffällt. Jedenfalls fühlt er sich in seiner Umgebung nicht wohl, sie ist ihm zu abweisend und starr.

„The Red Garden“: Eine der Szenen in „Falling in Love“. Foto: Nady El-Tounsy

Er blüht erst auf, als er in den Garten der Liebe gerät, wo es logischerweise bunter, erotischer, fluider und turbulenter zugeht. Welche Energie da freigesetzt wird, zeigt sich in einer atemberaubenden Trampolin- und High Bar-Nummer, in der die Akrobat:innen wie Gummibälle durch die Luft fliegen. Leider umfasst das Programm nur zwei solcher artistischen Einlagen – die andere ist ein spektakulärer Bungee-Trapez-Act, bei dem die Schwerkraft ganz lässig weggehechtet wird. Diese exzellenten Darbietungen wirken wie im Zirkus und sind durch die Einbettung in die Musik und das luxuriöse Setting doch ein paar Qualitätsstufen höher.

Man muss sich auf „Falling in Love“ einlassen – und kommt dann aus dem Staunen nicht mehr raus

„The Diamond City“ – ein Teil der ausgefeilten Choreografien in „Falling in Love“. Foto: Nady El-Tounsy
„The Diamond City“ – ein Teil der ausgefeilten Choreografien in „Falling in Love“. Foto: Nady El-Tounsy

Wenn man sich erst einmal auf diesen Trip aus Glanz und Gloria, aus Pracht und Pathos eingelassen hat, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die Choreografien sind raffiniert ausgefeilt und stilistisch vielfältig. Es gibt einen fast zehn Meter hohen Wasserfall und ein Mega-Mobile, das live zusammengebaut wird (ein falscher Griff und alles wäre gescheitert), einen „Friedhof der Perlen“ und für Partys den Partyclub „Diamond Club“ (in dem nichts unmöglich ist!), einen kathedralenhaften grünen Bambuswald und einen blauen Kristallgarten, in dem sich Himmel und Wasser vereinen.

Überhaupt die Kristalle – hundert Millionen Swarovski-Kristalle machen mit einer Tonne Reingewicht die Grand Show „Falling in Love“ zur bisher funkelndsten und strahlendsten. Zum großen Finale leuchtet die Bühne in sämtlichen Regenbogenfarben, die Atmosphäre ist ansteckend optimistisch, das Publikum fängt an zu tanzen. Man möchte leicht ironisch „Friede, Freude, Eierkuchen“ rufen, tut es aber trotzdem nicht, zu glücklich ist man nach fast drei Stunden über diesen Booster für die gute Laune – in gar nicht so guten Zeiten.

  • Falling in Love im Friedrichstadt-Palast Friedrichstr. 107, Mitte, bis Sommer 2025, Tickets ab 19,80 €, Tel. 030/23 26 23 26, online

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