Weinbar

Der Geist aus der Flasche: Das Bean in Mitte

Elegant, entdeckungsdurstig, zugewandt: In der Brunnenstraße genügen dem Bean keine 40 Quadratmeter, um die wunderbarste Weinbar dieser Stadt zu sein

Warme Behaglichkeit, urbane Melancholie: das Bean in der Brunnenstraße, Foto: Bean Bar Berlin

Was Schönheit ist? Die Abwesenheit von allem Hässlichen. Und genauso definiert sich die Qualität eines Ladens, in diesem Fall einer Weinbar, nicht nur durch die Summe ihrer exzellenten Einzelheiten, sondern auch durch das Ausbleiben auch nur einer einzigen Enttäuschung. Was am Ende der beiden Abende, auf denen diese  Rezension beruht, schon beinahe ein übergriffiges Gefühl zurückgelassen hat: Wir sind verliebt. In eine Weinbar und in ihr Personal.

Eine der schönsten Lokalitäten der Stadt ist diese 40 Quadratmeter kleine Bar unbestritten. Ein fast brutalistischer Rauputz, dem ein zartes Rosé alle Härte nimmt, dazu  Marmor, Eiche und exzellendes Handwerk: Je nach Laune und Lebensgefühl mag man diesem Ort eine elegante, urbane Melancholie zuschreiben oder umgekehrt eine intime, tröstliche Behaglichkeit. Vor allem aber verströmt das Bean einen unterschwelligen, niemals nur coolen Glamour. Dazu passt der Soundtrack, der im Laufe des Abends von Cool Jazz zu French House wechselt, der immer vom Plattenspieler kommt und ebenso aufmerksam und persönlich kuratiert ist wie die, nun ja, berauschenden Weine.

Womit wir beim Thema sind. Ist das Bean nun eine Naturweinbar? Unbedingt. Was derart verkürzt dargestellt aber nicht nur das feine Chamapagnersortiment (15 Positionen) unterschlagen würde, sondern auch die Qualität der bis zu 35 (!) offenen Weine.  Nicht ein Probierschluck, der bloß expressiv oder „ungebändigt“ daherkommt. Zwar staunt das Paar am Fenster wortreich, dass dieser Riesling Delight von Sven Leiner aus der Pfalz doch so gar nichts von einem Riesling habe. Aber wie gesagt: Mit den Weinen verhält es sich im Bean wie mit der Musik, sie sind  gerne ziemlich funky. Aber eben, weil sie wirklich tight und gut gemacht sind. Weitere Trinkempfehlungen: eine Scheurebe vom Weingut Seehof mit 72 -stündiger Maischestandzeit. Oder der SantYuste Vino de Pueblo, ein Verdejo von 2018,  der so frisch und salzig wie die Atlantikbrandung schmeckt.

Die Preise (0,1 l ab 5,5 Euro) sind ob der vielen Probierschlücke, die Magdalena Karkosz zur  Entscheidungshilfe reicht, mehr als fair. Überhaupt sollte man sich dem Barteam hingeben. Was umgekehrt eben auch heißt, dass man im Bean auch ohne Weinwissen glücklich wird (man wird nach ein, zwei Abenden dort aber eben solches haben).

Ach ja, das Bean ist die zweite Bar von Gonçalo de Sousa Monteiro, der eine Tür nebenan bereits die geschmacks- wie stilsichere Cocktailbar Buck & Breck betreibt. Im Bean serviert der gebürtige Portugiese zudem frisch zubereitete Kleinigkeiten (nicht nur) aus der Dose, von denen uns die Dorschleber sehr viel Freude und die Blutwurst mit Rosenkohl und Bohnenpüree herrlich satt gemacht hat.

Bean Brunnenstr. 177, Mitte, Di–Sa 17–23.59 Uhr, So 15–21 Uhr

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