Weltfluchten 

„Beach Bum“ im Kino

Das Hemd als Weltanschauung: Matthew McConaughey zelebriert sich in Harmony Korines Stranddrama als Lebemann

Constantin Film

Es wird Zeit, einen neuen Namen für das Hawaii-Hemd zu finden: In Harmony Korines „Beach Bum“ gibt es einige Prachtexemplare dieses offensiv bunten ­Bekleidungsstücks zu sehen. Der Träger ist ein Dichter namens Moondog, und wenn er Schule (und Stil) macht, dann wird man nicht mehr von Hawaii-, sondern von Miami-Hemden sprechen. Allerdings ist es nicht allzu wahrscheinlich, dass Moondog Schule macht, denn Harmony Korine präsentiert einen höchst individuellen Helden: ­einen Mann auf einem nie endenden Trip, der sich mit üppigen Schönheiten umgibt und am liebsten mit hoch gelegten Beinen in die Schreibmaschine haut, den Joint immer griffbereit.

Matthew McConaughey setzt mit seiner Performance seinen bisherigen Verwandlungsrekorden („Dallas Buyers Club“, „True Detective“) noch einmal eins drauf und verschmilzt geradezu ekstatisch mit der Rolle des Moondog. Ein „Beach Bum“ ist wohl ein Mensch, der sich von dem überwältigenden Licht in Florida blenden lässt: ein irgendwie ­normales, gar nüchternes Leben erscheint da sowieso unangemessen.

Harmony Korine schlägt nach dem düsteren „Spring Breakers“ dieses Mal einen anderen Ton an: „Beach Bum“ ist ein Märchen auf allen Substanzen, die ein Körper gerade mal noch so verträgt. Es geht gar nicht so sehr um eine Geschichte, als um die Feier eines Lebensstils, in einem Film, der aus Verpeiltheit eine ­Tugend und aus dem Farbspektrum von ­Hawaii-, pardon: Miami-Hemden eine Weltanschauung macht.

Beach Bum USA 2018, 95 Min., R: Harmony Korine, D: Matthew McConaughey, Snoop Dogg, Isla Fisher, Start: 28.3. 

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