Drama

„Birds of Passage“ im Kino

„Birds of Passage“ schildert eine im Kern wahre Geschichte: wie die Wayuu, ein indigener Stamm im Norden Kolumbiens, in den 1960er-Jahren in den internationalen Drogenhandel einsteigen, und wie das neue Geschäft blüht und gedeiht, ehe in den frühen 1980ern alles zusammenbricht: Zu diesem Zeitpunkt hat die Gier den Zerfall der Familienclans längst besiegelt

Ciudad Lunar Blond Indian/ Mateo Contreras

Die kolumbianischen Regisseure Ciro Guerra („Der Schamane und die Schlange“) und Cristina Gallego erzählen diese Story in mehreren Kapiteln als komplexen Thriller und packendes Familiendrama gleichermaßen, ohne dabei simple Schuldzuweisungen vorzunehmen: Auch wenn die Amerikaner eines obskuren „peace corps“, die in Kolumbien Werbung für den Kapitalismus machen (aber noch weit mehr am Nachschub für den nächsten Joint interessiert sind), Auslöser für das Geschäft mit dem Marihuana sind – ihre Hölle bereiten sich die Wayuu schon ganz alleine.

Denn was zu Beginn des Films noch als unschuldiges Stammesfest wirken mag – die junge Zaida (Natalia Reyes) wird in die Gemeinschaft der Erwachsenen ihres Clans aufgenommen – endet bereits als Kuhhandel: Zaidas Mutter Ursula (Carmina Martinez) setzt ein hohes Brautgeld an, und Raphayet (Jose Acosta) erkennt schnell, wo er das viele Geld für Ziegen, Kühe und Halsketten herbekommt. Der Clan eines Onkels wird mit ins Boot geholt, das Geschäft wird internationaler, die Beziehungen immer komplexer.

Bei den Wayuu ist viel von Moral die Rede, von Ehre und Frieden. Doch da laufen bereits alle bis an die Zähne bewaffnet herum und protzen mit dicken goldenen Uhren. Die eigenen Traditionen werden den Wayuu langsam zur Falle, moralische Korruption greift um sich. Zu ihrem Sinnbild wird schließlich die luxuriöse Villa, die Raphayet für seine Familie errichtet hat: goldene Wasserhähne mitten in einer öden Steppenlandschaft, die Gallego und Guerra in epischen Breitwandbildern faszinierend in Szene gesetzt haben.

Birds of Passage COL/DK/MEX 2018, 125 Min., R: Cristina Gallego und Ciro Guerra, D: Natalia Reyes, Carmiña Martínez, José Acosta, Start: 4.4.

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