Animierter Dokumentarfilm

„Chris the Swiss“ im Kino

Spurensuche: Was wurde in den 90ern aus Chris the Swiss?

Real Fiction

Ein junger Mann ist tot, lange schon. Aus dem jugoslawischen Bürgerkrieg, den er anfangs vor Ort als Journalist begleitete, ist Christian Würtenberg 1992 nicht mehr lebend in seine Heimat Schweiz zurückgekehrt. Seine ­Cousine Anja Kofmel war damals ein kleines Mädchen, dessen kindliche Vorstellungskraft durch den Tod ihres Verwandten in Gang gesetzt wurde. Heute arbeitet sie als Regisseurin und versucht den Gründen für Chris’ Tod nachzuspüren. Dazu führt sie ganz klassisch Gespräche: mit Verwandten, mit einstigen Journalistenkollegen sowie Söldnern. So entsteht ein Bild von Chris: abenteuerlustig, ­mutig, leichtsinnig, naiv.

Ein großer Teil des Dokumentarfilms „Chris the Swiss“ aber besteht aus schwarzweißen Animationssequenzen, einem langen surrealen Albtraum vom Krieg: Kofmels von Chris’ Kriegsnotizen befeuerte Imagination davon, wie es in Kroatien damals wohl hätte gewesen sein können. Die Qualität ihres Films liegt ­dabei in der gelungenen Abstraktion von einer persönlichen Geschichte auf eine allgemeinere Ebene: Wie sieht Journalismus in Kriegsgebieten aus? Was macht Krieg mit einem? Wie funktioniert man da?

Denn Chris gab irgendwann die Neutralität des Beobachters auf und schloss sich einer paramilitärischen Einheit aufseiten der Kroaten an. „Rechtsextreme Kriminelle“, sagt eine Journalistin, „ein Haufen Hirnkranker.“ Als er da wegwollte, wurde er vermutlich von seiner eigenen Truppe getötet. Ein Söldner erklärt den Fehler, den Chris machte, als er glaubte, er schlage sich auf die moralisch richtige Seite: „Im Krieg besteht die Wahl nicht zwischen Gut und Böse, sondern zwischen Böse und sehr Böse.“

Chris the Swiss CH/D/CRO 2017, 90 Min., R: Anja Kofmel, Start: 31.1.

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