Dokumentarfilm

„Der Funktionär“ im Kino

Unter einer Glocke: Regisseur Andreas Goldstein ersforscht die Geschichte seines Vaters Klaus Gysi

Salzgeber

Der Kommunismus war ein merkwürdiges System: Idealismus und Gewalt, Bürokratie und Emanzipation gingen viele widersprüchliche Verbindungen ein. Dies wird einmal mehr an dem Dokumentarfilm „Der Funktionär“ deutlich, mit dem ­Andreas Goldstein auf seinen Vater Klaus Gysi zurückblickt.

Gerade erst hat Goldstein mit „Adam und Evelyn“ sein famoses Spielfilmdebüt vorgelegt, auf Grundlage eines Romans von Ingo Schulze. Den Filmessay „Der Funktionär“ kann man durchaus als Parallelaktion zu diesem Spielfilm sehen. Goldstein ging in die Archive und grub eine Reihe von spannenden Dokumenten über seinen Vater aus, der in Berlin vor dem Zweiten Weltkrieg die Schlüsselerfahrungen für seine Entscheidung zum Kommunismus machte. Dass Klaus Gysi die NS-Jahre überlebte, machte ihn dann in der frühen DDR auch verdächtig – ein typisches Beispiel dafür, wie sich die Eliten in den ­Parteiregimes ständig zu kannibalisieren drohten.

Andreas Goldstein lässt die Karriere seines Vaters Revue passieren, der ein hoher Kulturfunktionär war, und in dem sich schließlich auch das Verhältnis des Sohns zu dem Staat spiegelt, der 1990 aus der Geschichte verschwand. Zwischen die Archivbilder setzt Goldstein seine eigenen: Er hat in der DDR fotografiert, es sind berückende Bilder eines Landes, das wie unter einer Glocke zu liegen scheint. Im Jubeljahr der „Wende“ liegen nun schon zwei bedeutende Filme vor, die helfen, die Geschehnisse von damals (und seither) in ein neues Licht zu rücken.

Der Funktionär D 2018, 75 Min., R: Andreas Goldstein, Start: 11.4. 

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