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Berlins Beste

Die 12 wichtigsten Berliner Bands: Ärzte, Seeed, Pankow und mehr

Welche sind die wichtigsten Berliner Bands, Rammstein oder Seeed, die Ton Steine Scherben oder Silly? Darüber lässt sich hervorragend streiten. An manchen Gruppen kommt man nicht vorbei, sie gehören zur Musikgeschichte dieser Stadt einfach dazu, andere sind berühmt, aber auch verhasst und einige waren mal wichtig und gerieten in Vergessenheit. Wir legen uns trotzdem fest: Das ist unsere Auswahl der 12 wichtigsten Berliner Bands!

Die Ärzte

Berliner Bands: Die Ärzte, Bela B., Farin Urlaub und Sahnie (von links), im November 1985.
Die Ärzte, Bela B., Farin Urlaub und Sahnie (von links), im November 1985. Foto: Imago/Teutopress

„Schrei nach Liebe“, „2000 Mädchen“, „Junge“, „Elke“ oder „Zu spät“. Die Hits der besten Band der Welt, wie sich die Ärzte bescheidener Weise selbst nennen, gehören zum Soundtrack der Jugend. Nicht nur in Berlin. Die Geschichte der Band reicht zurück nach Spandau der frühen 1980er-Jahre. Schlagzeuger Bela B. und Gitarrist Farin Urlaub taten sich damals mit dem Bassisten Sahni zusammen.

Im Prinzip waren sie Punks, nahmen die Sache aber etwas weniger ernst, sie waren links aber nicht aggressiv, eher versaut und ironisch. Die Ärzte ließen Pop, Rockabilly und Humor in ihrer Musik viel Raum. Aus dem West-Berliner Underground stürmten sie direkt in die Charts.

Sahni wurde 1986 von Hagen Liebing ersetzt, der bis zur kurzzeitigen Auflösung der Gruppe dabei war. Nach der Neugründung 1993 stieß Rodrigo González dazu. Die Ärzte haben etwa acht Millionen Tonträger verkauft und gehören zu den erfolgreichsten Bands des Landes. Ganz klar gehören sie auf diese Liste der besten Berliner Bands.


Rammstein

Rammstein, 2001.
Verschmierte Gesichter und Raumanzüge… Rammstein im Jahr 2001. Foto: Imago/ZUMA Press

Rammstein wurden 1994 gegründet, ihrer Wurzeln liegen in der Ost-Berliner-Musikszene. Die einzelnen Mitglieder spielten unter anderem bei Die Firma, The Inchtabokatables und Feeling B. Anfangs wollten Sänger Till Lindemann, die Gitarristen Richard Kruspe und Paul Landers, Schlagzeuger Christoph Schneider, Bassist Oliver Riedel und Keyboarder Christian „Flake“ Lorenz Metal im Stil amerikanischer Bands wie Pantera spielen.

Schon bald entwickelten sie aber einen überwältigenden Sound. Die markanten deutschsprachigen Texte wurden mit einer monumental-brachialen Klangwand kombiniert. Dazu kamen gigantische Bühnenshows mit einzigartiger Pyrotechnik und der Hang, ästhetische und moralische Grenzen zu übertreten. So wurde Rammstein immer wieder ein unheiliger Flirt mit der NS-Ästhetik vorgeworfen.

Im Prinzip sind Rammstein ein Gesamtkunstwerk, eine mit Skandal, Tabus und Ironie spielende Künstlergruppe, die mit dieser konsequenten Strategie zu einer der weltweit kommerziell erfolgreichsten Bands, die je aus Deutschland kam, geworden ist.


Ton Steine Scherben

Rio Reiser, Sänger der Ton Steine Scherben.
Rio Reiser, Sänger der Ton Steine Scherben. Foto: Imago/Ulrich Gehner/teamwork

Berlin, 1970. Die alternative Szene war im Begriff sich zu formieren. Wer politisch links stand, musste sich zwischen Dutschke, SDS und K-Gruppen orientierten. Im Hintergrund geisterte die RAF und die Bewegung 2. Juni. Die ersten Häuser wurden besetzt, Jugendzentren organisierten sich selbst.

In dieser erhitzten Stimmung gründeten ein paar Freaks, Gammler, Haschrebellen und Spontis um den Sänger und Texter Rio Reiser eine Band, die das ganze Elend aber auch die revolutionären Träume mal in Wort und Musik fassen wollte. Was bis dato nur die Rolling Stones oder Bob Dylan getan hatten, nämlich jener rebellischen, poetischen, politischen, wilden Zeit Ausdruck zu verleihen, fand plötzlich in den Texten Reisers eine deutsche Entsprechung.

Nach den Ton Steine Scherben war alles anders. Kreuzberg stieg zum Mythos auf, die Songs zur linken Folklore. Die ersten drei Alben der Scherben, „Warum geht es mir so dreckig?“ (1971), „Keine Macht für Niemand“ (1972) und „Wenn die Nacht am tiefsten …“ (1975), gehören zu der wichtigsten Musik, die je in Berlin entstanden ist.


Einstürzende Neubauten

Einstürzende Neubauten im Berliner C-Club, Sänger Blixa Bargeld, Bassist Alexander Hacke, Perkussion Rudolf Moser.
Einstürzende Neubauten im Berliner C-Club, Sänger Blixa Bargeld, Bassist Alexander Hacke, Perkussion Rudolf Moser. Foto: Imago/POP-EYE/Sattler

Interessanter Weise bezog sich Blixa Bargeld, Frontmann und Gründer der Einstürzenden Neubauten, immer wieder auf Rio Reiser und die Ton Steine Scherben. Auch wenn die am 1. April 1980 in West-Berlin gegründete Band ganz andere musikalische Strategien verfolgte, steht sie in dieser Berliner Tradition.

Bekannt wurden die Neubauten aber eher für den brachialen, teilweise mit Baumaschinen, selbstgebauten Instrumenten und Metallschrott erzeugten Krach, der sich rhythmisch um die expressiven Texte Bargelds rankt.

Post-Punk, Industrial, Noise und experimentelle Musik lassen sich als anfängliche Einflüsse nennen. Doch schon bald entwickelte sich das Werk der Berliner Band zu einer singulären Position. Es lässt sich stilistisch kaum zuordnen, wenn überhaupt dann zu der widerspenstigen 1980er-Subkultur der Genialen Dilletanten.

Die Einstürzenden Neubauten spielten in Hohlräumen unter Autobahnbrücken, im zum Abriss bereiten Palast der Republik und zur Eröffnung der Elbphilharmonie in Hamburg. Bis heute, wenn auch wesentlich stiller als in der Frühzeit, setzen die Ur-Neubauten Blixa Bargeld, Alexander Hacke und N. U. Unruh, seit 1997 verstärkt vom Gitarristen Jochen Arbeit und dem Perkussionisten Rudolf Moser, wichtige Impulse, wofür sie weltweit Anerkennung bekommen.


Silly

Berliner Bands: Die Band Silly um Sängerin Tamara Danz, Anfang der 1990er-Jahre.
Die Band Silly um Sängerin Tamara Danz, Anfang der 1990er-Jahre. Foto: Imago/BRIGANI-ART

Als Rockband hatte man es Ende der 1970er-Jahre nicht leicht in Ost-Berlin. Sängerin Tamara Danz und ihre Mitstreiter mussten sich sogar den Bandnamen bei den Zensurbehörden genehmigen lassen. „Silly“ klang den SED-Kulturfuzzis zu englisch.

Doch schon bald stiegen Silly zu einem der erfolgreichsten Rock-Acts der DDR auf. Der künstlerische und kommerzielle Durchbruch erfolgte mit dem Album „Mont Klamott“ (1982). Bis zum Mauerfall folgten weitere Alben bei Amiga, nach der Wende dann auch Touren in der ganzen Welt, u.a. den USA.

1996, kurz nach Erscheinen des Albums „Paradies“, starb Tamara Danz mit nur 43 Jahren an Brustkrebs. Zehn Jahre später folgte eine Neuauflage von Silly mit der Schauspielerin Anna Loos als Sängerin, die die Band aber 2018 wieder verlassen hat.


Seeed

Berliner Bands: Seeed live auf dem Lollapalooza-Festival auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof, 2015.
Seeed live auf dem Lollapalooza-Festival auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof, 2015. Foto: Imago/R. Keuntje/Future Image

1998 hatte Berlin plötzlich eine Supergroup, die mal keinen Metal, Rock, Punk oder New Wave machte, sondern aus Ska, Dancehall und Reggae ein furioses Gebräu zusammenmischte und mit „Dickes B.“ eine der größten Berlin-Hymnen der letzten Jahrzehnte veröffentlichte.

DJs und Bläsersätze, Percussions und Saxophon, und die Sänger Peter Fox und Dellé reichten, um zur wichtigsten und coolsten Gute-Laune-Partyband der Stadt zu werden. In den mehr als 20 Jahren ihres Bestehens bringen es Seeed auf nur fünf Studioalben, die Bandmitglieder prägen aber mit Soloprojekten und als Produzenten die Musikszene.


Beatsteaks

Beatsteaks live im Berliner SO36, August 2018.
Beatsteaks live im Berliner SO36, August 2018. Foto: Imago/POP-EYE/BenKriemann

Die Jungs um Sänger und Gitarrist Arnim Teutoburg-Weiß gewannen einen Punkwettbewerb im SO36 und durften als Sieger im Vorprogramm der Sex Pistols auftreten. Das war 1995, also etwa 15 Jahre nach der Gründung der Ärzte. Damit nahmen die Beatsteaks als junge Berliner Band den Staffelstab des Punk wieder auf und etablierten sich mit knalligen Alben wie „Smack Smash“ (2004) und „Limbo Messiah“ (2007).

Die folgenden Alben „Boombox“ (2011) und „Beatsteaks“ (2014) erreichten jeweils Top-Platzierungen in den deutschen Charts. Vor allem gelten die Beatsteaks aber als eine der besten deutschen Livebands der Gegenwart.


Ideal

Konzert von Ideal, 1981.
Berliner Bands in den 1980ern: Konzert von Ideal, 1981. Foto: Imago/Future Image

„Wir stehn auf Berlin“ ist eine weitere Berlin-Hymne, die zum Kanon der Stadt gehört. Sie stammt von der 1980 in West-Berlin gegründeten New-Wave-Band Ideal, hinter der sich die Sängerin und Produzentin Annette Humpe verbarg, die ein Jahr zuvor mit ihrer Schwester Inga die Neonbabies gegründet hat. Bei Ideal tat sie sich mit Ernst Ulrich Deuker und Eff Jott Krüger zusammen.

Ideal existierten nur drei Jahre, haben in dieser Zeit aber mit nur drei Studioalben bewiesen, wie Popmusik zugleich klug, kommerziell erfolgreich und zukunftsweisend sein kann. Die Hits „Monotonie“, „Eiszeit“ oder „Blaue Augen“ haben bis heute nichts an Frische verloren.


Element of Crime

Berliner Bands: Element of Crime im Studio, v.l. Bassist David Young, Sänger Sven Regener, Drummer Richard Pappik, Gitarrist Jakob Ilja.
Element of Crime im Studio, v.l. Bassist David Young, Sänger Sven Regener, Drummer Richard Pappik, Gitarrist Jakob Ilja. Foto: Imago/POP-EYE/Nass

Sven Regener, Frontmann und Sänger von Element of Crime, ist mittlerweile als Autor und Schöpfer der „Herr Lehmann“-Romane fast berühmter als als Musiker. Die Bandgeschichte geht zurück auf eben die Lehmann-Zeit, das Kreuzberg der 1980er-Jahre, als an jeder Ecke ein krudes Projekt auftauchte und bald wieder verschwand. Nicht so Element of Crime, die sind immer noch dabei und veröffentlichen regelmäßig Musik.

Nach anfänglichen Versuchen mit englischsprachigen Songs – ein Album wurde sogar von John Cale von The Velvet Underground produziert – hat sich das Quartett um Regener mit melancholischen Liedern, die eine schön unkitschige Aura haben und dennoch direkt ins Herz gehen, fest etabliert.


Pankow

Pankow, 2011. V.l.n.r. Ingo York, Jürgen Ehle, Kulle Dziuk, André Herzberg, Stefan Dohanetz.
Pankow, 2011. V.l.n.r. Ingo York, Jürgen Ehle, Kulle Dziuk, André Herzberg, Stefan Dohanetz. Foto: Katy Otto/Wikimedia Commons/cc 3.0

Auch Pankow zählten so wie Silly in der DDR zu den wichtigsten Rockbands der 1980er-Jahre. Die Band um Sänger André Herzberg debütierte 1982 mit der Single „Inge Pawelczik“. Beim Staatslabel Amiga erschienen bis zur Wende vier Studioalben.

Stilistisch durchaus vom Punk inspiriert, konnten Pankow Erfolg und Plattenveröffentlichungen mit Subversivität und kritischen Untertönen vereinen. Nach der Wende löste sich die Band kurzzeitig auf, Herzberg stieg aus, kehrte aber 1996 zurück. Seitdem kommen die Bandmitglieder immer wieder für einzelne Konzerte und Plattenaufnahmen zusammen.


Wir sind Helden

Berliner Bands: Wir sind Helden mit Sängerin Judith Holofernes, 2010.
Wir sind Helden mit Sängerin Judith Holofernes, 2010. Foto: Imago/STAR-MEDIA

Wir sind Helden waren seit ihrer Gründung im Jahr 2000 ein Phänomen. Kennengelernt haben sich die Musiker Mark Tavassol, Jean-Michel Tourette, Pola Roy und Judith Holofernes in einem Kurs an einer Popmusik-Schule in Hamburg. Mit ihrem Debütalbum „Die Reklamation“ (2003) gelang der Berliner Band ein Überraschungserfolg, nicht zuletzt wegen des Über-Hits „Guten Tag“.

Auch die folgenden drei Alben kamen bis nach ganz oben in den Charts. Engagierte Texte, kluge Arrangements und ein Gespür für eingängigen Pop zeichnen die Band aus. Mittlerweile ist Judith Holofernes auch solo aktiv.


Nina Hagen Band

Berliner Bands: Nina Hagen Band, 1978.
Nina Hagen Band, 1978. Foto: Imago/Future Image

Nina Hagen ist vor allem als Solokünstlerin bekannt. Am Anfang ihrer Karriere war die exzentrische Ost-Berliner Sängerin aber mit der Nina Hagen Band unterwegs. Diese existierte in den Jahren 1978 und 1979 und wurde kurz nach Hagens Übersiedlung von Ost- nach West-Berlin gegründet.

Die Musiker wurden aus der West-Berliner Gruppe Lokomotive Kreuzberg rekrutiert, gemeinsam wurden mit „Nina Hagen Band“ und „Unbehagen“ zwei Alben aufgenommen, die zum Besten gehören was die schrille Diva je gemacht hat.


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