Demonstration

„A100 wegbassen“: Beats statt Benzin auf der Autobahntrasse

Clubs, Initiativen und Aktivist:innen wollen die „A100 wegbassen“. Am Samstag, den 2. September soll die Autobahntrasse des geplanten 17. Bauabschnittes der Stadtautobahn zu einem utopischen Ort werden: Auf sieben Bühnen spielen DJs und Bands. Die Demonstration soll die kulturelle Bedeutung der bedrohten Orte unterstreichen und ein Zeichen gegen den Weiterbau setzen.

Wer will diese Autobahn? Der 17. Bauabschnitt der A100 ist umstritten. Der Aktionstag „A100 wegbassen“ am 2. September könnte der bisher größte werden. Foto: Imago/IPON

„A100 wegbassen“: Raven gegen die Autobahn

Berliner Clubs und Initiativen haben zur Großdemonstration „A100 wegbassen“ aufgerufen. Am Samstag, den 2. September, soll die Autobahntrasse des geplanten 17. Bauabschnittes der A100 lahmgelegt werden. Das Gebiet zwischen Ostkreuz und Treptower Park ist besonders von den Ausbauplänen betroffen, daher heißt es: Livemusik statt Autolärm, Beats statt Benzin am Markgrafendamm. An der Aktion beteiligen sich wichtige Berliner Clubs und subkulturelle Orte wie das About Blank, das Zukunft am Ostkreuz, die Wilde Renate, die Else, der Club Ost und die Wagenburg Fips. Sie alle liegen auf der Autobahntrasse. Unterstützt werden sie von der Klimabewegung Fridays For Future.

Der 17. Bauabschnitt: Eine finanzielle und kulturelle Katastrophe

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Immer wieder wird auf dem Markgrafendamm gegen den 17. Bauabschnitt der A100 protestiert. Wie hier vor dem bedrohten Club About Blank. Foto: Lennart Koch

Insgesamt würde die Fertigstellung der Stadtautobahn die Verdrängung von 20 Clubs und Kulturstätten bedeuten. Aktuell befindet sich die A100 in der Bauphase des 16. Abschnitts zwischen der Grenzallee in Neukölln und dem Treptower Park. Der geplante 17. Abschnitt soll über die Elsenbrücke ins dicht besiedelte Friedrichshain vordringen. Hier würde er sich wie eine Schneise durch Berlins Clublandschaft ziehen. Die Kosten für den 17. Bauabschnitt belaufen sich auf rund 800 Millionen Euro, für den gesamten Ausbau rechnet das Verkehrsministerium mit fast 1,5 Milliarden Euro. Eine gewaltige Investition für den Individualverkehr, der in Zeiten der Klimakrise gewiss kein Konzept für die Zukunft ist. Die Autobahn wäre also nicht nur kulturell und umwelttechnisch eine Katastrophe, sondern auch finanziell.

Bereits der 16. Bauabschnitt der A 100 führte zu massiven Protesten. Der 17. Mitten durch Friedrichshain ist noch umstrittener. Foto: Imago/Schöning

„A100 wegbassen“: Eine Utopie auf der Autobahntrasse

Wie schön und vielfältig die Gegend rund um den Markgrafendamm sein kann, zeigt sich am Samstag, den 2. September, wenn die Kulturorte ab 14 Uhr die „A100 wegbassen“. Fünf der sieben Bühnen werden von den anliegenden Clubs betrieben. Hier gibt es Redebeiträge, Livemusik und natürlich ordentlich Bass aus den DJ-Pulten. Mit dabei: Berliner House- und Techno-DJs wie Alex.Do, Hang Aoki und Sylvie Maziarz. Die Bühnen sollen die gesamte Vielfalt der Clublandschaft repräsentieren. Bis 22 Uhr wird auf dem Markgrafendamm, der Elsenbrücke und einigen Nebenstraßen gefeiert und protestiert. Parallel zu „A100 wegbassen“ startet um 14 Uhr eine Fahrraddemo am Bundesverkehrsministerium. Die Veranstalter:innen rechnen mit insgesamt 20.000 Teilnehmer:innen.

  • Protestrave „A100 wegbassen!“ Markgrafendamm, zwischen Elsenbrücke und Ostkreuz, Friedrichshain 14 Uhr, weitere Infos und Tickets hier

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2022 wurde verkündet, den 17. Bauabschnitt wirklich zu realisieren. Das Ende von Friedrichshain: Die Subkultur des Szenestadtteils rebelliert. Die Autobahn zieht sich quer durch die Stadt: Unser Autor hat eine Wanderung auf der A100 unternommen. Nicht nur Friedrichshain hat sich enorm verändert. So sah Prenzlauer Berg noch in den 1990er-Jahren aus, bevor die Gentrifizierung den Stadtteil umkrempelte. Wie sieht es in Kreuzberg aus? Auch die Oranienstraße hat eine bewegte Geschichte. Obwohl viele spannende Orte aus Friedrichshain verdrängt wurden, halten diese Clubs und Bars das Nachtleben im Szenestadtteil am Leben. Kieze im Umbruch: Ein (unvollständiger) Blick auf Gentrifizierung in Berlin. Immer auf dem Laufenden bleiben: Aktuelles und Interessantes zu Friedrichshain findet ihr hier. Was uns noch bewegt, darüber schreiben wir in unserer Politik-Rubrik. Mehr zu Party- und Clubkultur findet ihr in unserer Club-Rubrik.

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