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Fête de la Musique: Wie man eine Massenparty ins Netz holen will

Auch die Fête de la Musique verlagert in diesem Jahr ihre Party ins Netz. Und trotzt damit der Corona-Krise. Die Idee: Möglichst viele Berliner*innen sollen am 21. Juni zuhause Musik machen. Wie das klappen soll, erklärt der Kurator Björn Döring im Gespräch mit tip-Redakteurin Julia Lorenz.

Haus-Musik: Die Draußen-Fête findet diesmal eher drinnen statt (Symbolbild). Foto: imago/Westend61

Kein Gedränge in Parks und Pubs, keine Band-Neuentdeckungen in der Nachmittagssonne, kein Flashmob am Gendarmenmarkt. Weil Großveranstaltungen in Berlin noch bis mindestens 24. Oktober verboten bleiben werden, wird zum ersten Mal seit einem Vierteljahrhundert am 21. Juni keine Fête de la Musique auf den Straßen der Stadt stattfinden.

Wohl aber im Internet: Wie auch andere Events, etwa die Re:publica und das Poesiefestival, verlagert die Fête ihre Festivitäten ins Digitale – und wird zur Fête de la Haus-Musique. Wie holt man eine riesige, dezentrale Massenparty ins Netz? Wir haben nachgefragt bei Björn Döring, der seit Anfang 2018 Kurator der Fête ist.

Die Lust am Musikmachen

tipBerlin Herr Döring, auf der Webseite der Fête werden die Berliner*innen aufgerufen, zur „Fête de la (Haus-)Musique“ zu musizieren oder Auftritte zu streamen. Wie werden diese Aktionen dann in Zusammenhang mit der Fête gebracht?

Björn Döring Mit der Grundidee beziehen wir uns auf den französischen Imperativ „Faites de la Musique“, also „Macht Musik“, der zum 21. Juni in Frankreich eine mindestens ebenso große Bedeutung hat wie die Konzerte auf großen Bühnen mit großen Stars. Es ist die Lust am Musikmachen und Musik-Lehren – beides zunächst mal individuelle Vorgänge, die nur über das emotionale Moment oder den ideellen „Überbau“ der Liebe zur  Musik und zum Musizieren eine Verbindung erhalten.

Weniger pathetisch gesprochen: Musikmachen und -hören macht glücklich und ist wichtig. Und wenn am 21. Juni ganz viele Menschen unserer Einladung folgen und zuhause ihr Instrument spielen – sei es für die im Haushalt lebenden Menschen, sei es für die Nachbarn per Offenes-Fenster-Beschallung – dann ist das ein verdammt starkes Zeichen. Das Ganze kann durch Selfies und sonstige Späße in den sozialen Medien, die dann endlich mal wieder ihrer sozialen Funktion nachkommen würden, Verbreitung und gegenseitige Bestärkung finden.

Es gibt den Hashtag #musikhilftjetzt für Soli- und andere Aktionen

tipBerlin Was ist der Beitrag des Fête-Teams?

Björn Döring Der Zusammenhang mit der Fête ist erstmal: Wir senden die Botschaft und die Einladung aus und freuen uns, wenn Leute mitmachen. Aber wir sagen auch, dass alle uns im Vorfeld Infos über ihre Aktionen schicken können, die wir dann in unser Programm einbauen oder über die Social-Media-Kanäle präsentieren – natürlich ohne Einladung ans Publikum, dass es jetzt im dritten Stock in der Akazienstraße 35 klingeln soll, weil da jemand Alphorn spielt…

tipBerlin Planen Sie, die Aktionen irgendwo zentral zu aggregieren, auf Ihren Social-Media-Kanäle mit entsprechendem Hashtag zu posten oder ähnliches? 

Björn Döring Genau. Wir haben den Hashtag #musikhilftjetzt für Soli-Aktionen ebenso wie für Aktionen, die betonen, dass Musik ein emotionales Grundnahrungsmittel ist. Eventuell basteln wir noch weitere Hashtags, aber in jedem Fall wollen wir die Angebote bündeln und so viel posten wie möglich

tipBerlin Und werden im Rahmen der Fête auch gestreamte Auftritte oder anderweitige Online-Aktionen von bekannt(er)en Acts stattfinden?

Björn Döring Ja. Da sind wir gerade dran. Das ist aber noch Work-in-progress und wir können aktuell noch keine Namen oder Orte nennen. Aber es ist wirklich erstaunlich: Seit unserer Pressemitteilung und der begleitenden Kommunikation melden sich ganz viele Menschen, Institutionen, Vereine, Firmen bei uns, die gerne was machen möchten. Da werden mit Sicherheit tolle Dinge passieren und das ist auch das Vertrauen, das wir haben: Berlin ist eine Stadt, die ganz schön viel wegstecken kann und deren Bewohner*innen mit Kreativität, Zusammenhalt und Ideen auf Krisen reagieren können.

Die Fete im Netz.

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