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Skulptur

Das Haus am Waldsee und das Georg Kolbe Museum zeigen Werke von Lynn Chadwick

Zweimal zeitlose Biester: Gleich zwei Häuser, das Kolbe Museum und das Haus am Waldsee, zeigen die Skulpturen des britischen Autodidakten Lynn Chadwick

Lynn Chadwick, Beast Alerted I, 1990, rostfreier Stahl, Courtesy of the Estate of Lynn Chadwick and Blain|Southern, Foto: Jonty Wilde

Im Brexit-geplagten Großbritannien ist Lynn Chadwick ein weithin bekannter Name. Das war auch in Deutschland einmal so, als Chadwick in den 1950er Jahren erst den Preis der Biennale in Venedig gewann, und dann an den ersten drei Ausgaben der Documenta teilnahm. So ist die erste museale Doppel-Einzelausstellung dieses Autodidakten, der vor seiner Bildhauer-Karriere als Designer und technischer Zeichner gearbeitet hat, wirklich mehr als überfällig. Durch die Kooperation von zwei Berliner Häusern, dem Haus am Waldsee und dem Georg Kolbe Museum, wird zudem ein Blick auf das Werk Chadwicks aus zwei grundverschiedenen Perspektiven möglich.

„Die Arbeiten Chadwicks überraschen mich immer wieder durch ihre Modernität“, sagt Julia Wallner, Direktorin des Georg Kolbe Museums. Um sie herum wird gerade die Ausstellung aufgebaut. Überall stehen Kisten mit Werken Chadwicks herum, fast alle sind aus Großbritannien gekommen, einige schon ausgepackt. „Ohne streng chronologisch vorzugehen, versuchen wir einen möglichst guten Überblick über die Schaffensphasen und die sich zum Teil über seine ganze Schaffensdauer hinziehenden Motivik zu geben“, erklärt Wallner. Die Retrospektive von Chadwicks Arbeiten entwickelt sich dabei entlang verschiedener, für den Künstler, und wohl auch für die ganze Nachkriegsgesellschaft, wichtiger Themen, in denen sich oft Angst mit Fortschrittsglauben und einer Spur Eskapismus mischte.

Die jetzt gezeigten Arbeiten im Kolbe Museum reichen von den frühen, abstrakten und fragilen Mobiles, mit denen Chadwick in London als Quereinsteiger zuerst die Aufmerksamkeit der Kunstszene erregte, über die zwischen Abstraktion und Figuration schwankenden Biester, von denen er von den 50ern fast bis zu seinem Tode 2003 immer wieder neue Modelle in verschiedener Materialität und in ganz unterschiedlichen Größen entwickelte und produzierte, bis hin zu menschlichen Figuren mit abstrahierten Köpfen. Korrespondierend werden auch die ansonsten nur selten gezeigten Zeichnungen und Studien zu den Skulpturen ausgestellt.
Eine ganz andere Herangehensweise hat das Haus am Waldsee gewählt. Hier werden die Werke Chadwicks in den Dialog mit Arbeiten der Bildhauer Hans Uhlmann und Katja Strunz gebracht. Uhlmann ist ein deutscher Zeitgenosse Chadwicks und gilt als der erste deutsche Stahlbildhauer, der auch als Autodidakt zur Kunst kam. Katja Strunz wiederum ist eine junge zeitgenössische Künstlerin, die in ihren skulpturalen Arbeiten Ansätze aufnimmt, wie sie auch Uhlmann und Chadwick genutzt haben. Insbesondere das Motiv der räumlichen Faltung findet sich in den Arbeiten aller drei Künstler wieder. So entsteht ein inniger Austausch, ein Neben- und Gegeneinander der drei Künstler, das die Werke in ein neues Spannungsverhältnis bringt. In beiden Häusern werden zusätzlich noch die Gärten genutzt, was den teils für den Außenraum gedachten Skulpturen eine weitere, in vielen Museen sonst nur schwer zu zeigende Dimension gibt.

Georg Kolbe Museum Sensburger Allee 25, Charlottenburg, Mo–So 10–18 Uhr; 7/erm. 5 €, 18.5–15.9.

Haus am Waldsee Argentinische Allee 30, Zehlendorf, Di–So 10– 18 Uhr, 7/erm. 5€ 18.5–25.8. 3323

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