Ausstellungen

„Magic Media – Media Magic“ in der Akademie der Künste

In Allianz mit dem Kurator: Wulf Herzogenrath zeigt Videokunst auf den kulturhistorischen Punkt

Les Levines: „Magic Media – Media Magic“, Widmung in Wulf Herzogenraths Gästebuch Nr. 15, 1994, Foto: Les Levines / VG Bild-Kunst, Bonn 2019 und Wulf Herzogenrath / Akademie der Künste, Berlin

Seit 2012 ist Wulf Herzogenrath, der in diesem Jahr 75 wurde, Direktor der Sektion Bildende Kunst in der Akademie der Künste. Er hat sich für diese Aufgabe durch eine langjährige Tätigkeit als Ausstellungsmacher und Kunsthistoriker qualifiziert. Der Schwerpunkt lag schon früh auf einem Bereich, der heute allgegenwärtig erscheint, aber gar nicht so leicht zu fassen ist: Video- und Medienkunst. Was darunter in der kurzen Periode seit der Erfindung der elektronischen Bildspeicherung und vor der alles ergreifenden Digitalität gemeint war, kann man nun in einer kleinen, präzise auf den kulturhistorischen Punkt hin gestalteten Ausstellung in der Akademie der Künste sehen: „Magic Media – Media Magic. Videokunst seit den 1970er-Jahren aus dem Archiv Wulf Herzogenrath“.

Im ersten Raum ist alles genau so, wie man es bei diesem Thema erwarten würde: eine Ansammlung von Videowürfeln, auf denen unscharfe Bilder flimmern. So sah das eben aus, als Vito Acconci und Joan Jonas ihre Experimente mit Video begannen, häufig in Verbindung mit Elementen von Performance. Bill Viola wurde später mit großformatigen, fast schon monumentalen Mehrkanal-Arbeiten bekannt, in denen er die Elemente toben ließ – in „Magic Media – Media Magic“ ist er mit einer kleinen, frühen Arbeit vertreten, die mit dem Motiv einer spiegelnden Wasserfläche spielt: „The Reflecting Pool“. Die Pointe bei dieser Präsentation ist, dass vor jedem Video ein aufgeschlagenes Gästebuch liegt, mit den Einträgen, die die jeweiligen Künstler bei Wulf Herzogenrath hinterließen. So wird die Kunst- und Sammelgeschichte zu einer Chronik persönlicher Begegnungen. Die Allianz zwischen dem Kurator, der mit wichtigen Publikationen das Verständnis für die neuen Formen prägte, und den Künstlern wird selbst Teil der Kunstgeschichte.

Keine Jubelschau

Herzogenrath widmet sich hier aber keine Jubelschau, sondern er zeigt sich einmal mehr als exzellenter Kurator: mit John Cage und Nam June Paik, den beiden zentralen Figuren in „Magic Media – Media Magic“, durchmisst man in zwei Räumen die ganze Vielfalt der Möglichkeiten von Medienkunst. In beiden Fällen hat man es häufig mit Partituren zu tun (zum Beispiel für John Cages berühmtes Konzeptwerk „4’33’’, das bekanntlich aus Stille bestand), aber auch mit Installationen (von Nam June Paik ist eine der Fernseh-Skulpturen zu sehen, aber auch, besonders spannend, seine Beschäftigung mit dem Kölner Dom als Image und als Skulptur).

Im letzten Raum schließt sich dann beinahe ein Kreis, denn Marcel Odenbach vergleichsweise neue Einkanal-Arbeit „Im Schiffbruch nicht schwimmen können“ (2011) ist fast schon Kino – und schließt an das Verweilen vor Bildern an, wie man es aus dem Museum gewöhnt ist. Ein afrikanischer Migrant betrachtet sitzend das Gemälde „Das Floß der Medusa“ (1819) von Géricault. Heutige Flüchtlingskrise, mythische Katastrophe und die Aura der Malerei werden von Odenbach pointiert überblendet – und Herzogenrath wiederum kommentiert diese Arbeit, indem er ihr Ulrike Rosenbachs „Aphrodite TV“ (1975) an die Seite stellt, ein Spiel mit Klischees von Weiblichkeit, das ebenfalls mythische Potenziale aufruft, allerdings, um sie durch Medienzauber zu überwinden.

Akademie der Künste Pariser Platz 4, Mitte, bis 13.10., Di–So 11–19 Uhr, 6/ erm. 4 €, bis 18 J. und Di ab 15 Uhr, Eintritt frei

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