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Top-Programm: Darum solltet ihr zu den Jüdischen Kulturtagen 2023 gehen

Das Programm der Jüdischen Kulturtage 2023 überzeugt. Das von Intendant Avi Toubiana geplante Berliner Festival bietet erstklassige Konzerte, interessante Filme aus Israel, ein Literaturzelt auf dem Bebelplatz mit Lesungen für Kinder und Erwachsene und erstmals auch eine Fashion-Show. Das sind die Highlights.

Der israelische Rockstar Aviv Geffen eröffnet die Jüdischen Kulturtage mit einem Konzert in der Synagoge Rykestraße. Foto: Imago/Martin Winter

Jüdische Kulturtage 2023: Kunst, Konzerte und noch viel mehr

Wenn Raketen aus Gaza abgefeuert werden, fährt das Leben in Israel runter. Doch zum Stillstand kommt es nie. Und manchmal, da beugen sich die Israelis dem Terror überhaupt nicht. So wie die Menschen, die im Mai dieses Jahres trotz der akuten Gefahrensituation zum Konzert eines israelischen Stars pilgerten. 40.000 von ihnen kamen, um Aviv Geffen zu sehen. Der Rockmusiker ist seit den 1990er-Jahren eine feste Größe in der israelischen Musikszene. Einer seiner bemerkenswertesten Auftritte war bei der Friedenskundgebung am 4. November 1995 in Tel Aviv. Nur wenige Tage vor dem Attentat auf Jitzchak Rabin. Sein Auftritt zu dessen Trauerfeier: noch bewegender. Voller Demut performte er „Livkot Lecha“ („Cry for You“).

Nun ist Aviv Geffen bei den Jüdischen Kulturtagen 2023 in Berlin zu sehen. Ein Rockstar in der Synagoge zum Eröffnungskonzert (5.9., 19.30 Uhr): ein absolutes Highlight. Doch längst nicht das einzige. Die 36. Ausgabe, die vom 5. bis zum 14. September 2023 stattfindet, ist wirklich gut kuratiert. Verantwortlich für das Programm mit 38 Veranstaltungen ist Avi Toubiana, der im vergangenen Jahr erstmalig das beliebte Festival organisierte und schon jetzt deutliche Akzente setzt – auffällig ist vor allem der starke Israel-Bezug. Die Besucher:innen erwartet eine Woche voller Konzerte, Filme, Ausstellungen und Comedyshows. Neu sind das Literaturzelt auf dem Bebelplatz und eine Fashion-Show.

Mit Uriel Yekutiel kommt eine Stilikone aus der israelischen LGBTQ-Community

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Letztere erinnert an die 100-jährige Geschichte der jüdischen Modemacher in Berlin (7.9., 20 Uhr, Mercedes-Benz Niederlassung am Salzufer). Als Moderator konnte Uriel Yekutiel, Stilikone der LGBTQ-Community, gewonnen werden. Im Literaturzelt auf dem Bebelplatz lesen über den gesamten Festivalzeitraum unter anderem Arnon Grünberg, Shelly Kupferberg, David Safier, Julya Rabinowich Esther Schapira und Michel Friedman.

Im Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz feiert der satirische Kriminalkomödie „Hummus Full Trailer“ Premiere (6.9., 19.30 Uhr). Zu sehen ist auch der israelische Kassenschlager „Matchmaking“ über das System der Heiratsvermittlung im ultraorthodoxen Milieu (7.9., 19.30 Uhr) sowie der Familienfilm „Sky Raiders“, der vom 13-jährigen Yotam und seinem Wunsch handelt, ein Flugzeug zu steuern (11.9., 10 Uhr).

Marina Maximilian tritt mit ihren Balladen in der Synagoge Rykestraße auf. Foto: Daniel Kaminsky

Eine Klezmer-Band wird aus der Ukraine eingeflogen

Neben Geffen tritt auch Singer-Songwriterin Marina Maximilian in der Synagoge Rykestraße auf, deren Balladen mal intim und ziemlich nach Pop klingen (9.9., 21 Uhr). Aus Odessa in der vom Krieg gebeutelten Ukraine kommt die Klezmerband Kommuna Lux (6.9., 19.30 Uhr). Beim Abschlusskonzert wird es klassisch: Violinist Guy Braunstein hat Arnold Schönbergs Streichsextett „Verklärte Nacht“ (1899/1902) bearbeitet (14.9., 20 Uhr).

Lokalkolorit bringt Jürgen Kuttner ins Programm, der ein jüdisches Special seiner beliebten Videoschnipselvortragsreihe zum Thema „Kibbuz DDR“ konzipiert hat – er vergleicht darin den Schlager in Ostdeutschland mit jenem aus dem jüdischen Staat (13.9., 19.30 Uhr, Babylon Mitte).

Das diesjährige Motto „Kaleidoskop“ verdanken die Jüdischen Kulturtage dem Künstler Roy Cohen. Der Architekt lebt im Kibbuz Ein Gedi und baut seit 30 Jahren die vor allem bei Kindern beliebten optischen Geräte. Nun wird eine Auswahl seiner Arbeiten erstmals in Berlin gezeigt (in der Synagoge Rykestraße). Auch im Centrum Judaicum startet eine neue Ausstellung: „Zeiten des Umbruchs“ zeigt Bilder der Neuen Synagoge Berlin, die Günter Krawutschke zwischen 1988 und 1995 und somit zur Zeit des Wiederaufbaus des maurischen Gotteshauses anfertigte.

  • Jüdische Kulturtage Berlin 5.–14.9.2023, Programm, Infos und Tickets online

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