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Berliner Musiker über Lockdown: Videoprojekt „State of the Art(s)“ startet

Beim Online-Videoprojekt „State of the Art(s)“ denken acht sehr unterschiedliche Musiker*innen und Bands über den ersten und den zweiten Lockdown und den Stellenwert der Kultur nach. Die in Lichtenberg gedrehten Clips sind täglich neu als Countdown zum Fest zu sehen. Jeden Abend, 20 Uhr, gibt es eine Premiere. Heute, am Mittwoch, geht es los.

Ausgedacht hat sich das Ganze Björn Döring, Kulturmanager und seit zwei Jahren Fête-de-la-Musique-Kurator. Wir durften vorab schon mal reinschauen.

Online-Videoprojekt „State of the Art(s)“ über den Lockdown: Premiere mit Musikerin Liv Solveig Wagner. Foto: Jim Kroft

Ganz unterschiedliche Künstler*innen machen bei „State of the Art(s)“ mit

Eigentlich lebt die deutsch-norwegische Indiepop-Musikerin Liv Solveig Wagner dort, wo gefühlt fast alle jungen Musikerinnen in Berlin eben leben. Sie hat eine Wohnung in Neukölln. Als der erste Lockdown kam, im März, wollte sie weg, raus aus der Stadt. Und zog spontan zu einer Freundin nach Lichtenberg. Bleiben wollte sie 14 Tage. Und ist nach acht Monaten immer noch dort.

Jetzt steht die Musikerin, die unter anderem mit Alin Coen und Balbina zusammengearbeitet hat, allein in einem leeren Raum, mit Graffiti an nackten Wänden, am Hals die Geige. Es ist eine alte Konsum-Fleischerei in Lichtenberg, die seit vielen Jahren leersteht. Jetzt weht eine sehnsüchtig-traurige Melodie durch die marode Leere. Und Wagner rezitiert Verse: „Slowly travels, slowly travels, to nowhere.“ Langsame Reisen ins Nichts.

Diese Szene in der Fleischerei Lichtenberg sieht man in einem Kurzfilm, der Teil einer etwas anderen vorweihnachtlichen Bescherung ist. Das Videoprojekt „State of the Arts“ stellt acht höchst unterschiedliche Musikerinnen oder Bands vor – in markanten Locations in Lichtenberg, jenem Bezirk, der sich mancherorts noch anfühlt wie Mitte in den 90ern. Mehr interessante Orte im Bezirk Lichtenberg findet ihr übrigens hier.

Der Ghettobass-Rapper Mau Muschi wird zum Beispiel im Fennpfuhlpark gefilmt. Das Elektro-Trio YNT, bei dem die aus dem „Gundermann“-Film bekannte Lizzy Scharnofske an den Drums sitzt, geht in die B.L.O.-Ateliers, das Kreativenzentrum im ehemaligen Bahnbetriebswerk Lichtenberg-Ost. Die Anti-Aggro-Rapper Gregor Easy, Spoke und Kanye Ost, die als Ostberlin Androgyn im letzten Jahr durchstarteten, erlebt man in der industriegeschichtssatten Herzbergstraße.

Online-Videoprojekt „State of the Art(s)“: Ein ganz besonderer Countdown zum Fest“

Diese Kurzfilme bilden einen besonderen Countdown zum Fest: An den acht Tagen vor Weihnachten, vom 16. bis 23. Dezember, geht jeden Abend um 20 Uhr einer der acht Filme online. Und am Heiligen Abend selbst werden die Clips als zusammenhängender Langfilm veröffentlicht. Schöne Bescherung!

Björn Döring, Kulturmanager und seit zwei Jahren Fête-de-la-Musique-Kurator, der sich dieses Projekt ausgedacht hat, gibt damit keineswegs den Support-Act des Weihnachtsmanns. „Der Impuls dazu kam bei mir aus einer großen Wut und völligen Unverständnis über die Art und Weise, wie der zweite Lockdown kommuniziert wurde und dass man seitens der Politik offenbar dem Weihnachtsfest im Kreise der Familie oder der Wirtschaft höhere Bedeutung bemisst als der Kultur“, sagt er.

Klar, angesichts der zweiten Welle sieht er die Notwendigkeit des Handelns zum Schutz von Gesundheit und Leben. Nun aber werde „pauschal die Kultur dichtgemacht, und damit alle Anstrengungen, die wir als Kulturanbieter seit Mai geleistet haben, beiseite gewischt“.

„State of the Art(s): Electro-Trio YNT bei Video-Dreh in Lichtenberg. Foto: Jim Kroft

Gefördert wurden die vom Regisseur Jim Kroft gedrehten Clips durch das Senatsprogramm „Draußenstadt“ und vom Bezirk Lichtenberg. Die Teilnehmerzahl acht ist kein Zufall. Vor acht Monaten begann der erste Lockdown. Die Musiker*innen erzählen von Existenzängsten, vom On-Off-Berufsleben. Vom Hoffen und Bangen.

Und am Ende der Filme spielt jede*r ein Lied. Live, wie auf der Bühne. Wie früher.


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