Drama 

Mit „Leid und Herrlichkeit“ läuft Pedro Almodóvar zur alten Klasse auf

Jenseits der Ironie: Erstaunlich systematisch zieht Almodóvar eine Bilanz seines Lebens, wobei die frühere Hysterie der Melancholie gewichen ist

Studiocanal

Ein wenig ist Pedro Almodóvar in den letzten Jahren aus dem Blickfeld geraten. Dem Output der 80er- und 90er-Jahre, als ihm fast jedes Jahr ein spektakuläres Werk gelang, war einer Periode der Abnutzungserscheinungen gewichen: Auch der größte Rebell wird alt, auch die schrillsten ­Provokationen nutzen sich ab. Almodóvar, der im September 70 Jahre alt wird, hat dieser Erkenntnis in seinen Werken zuletzt ja selbst Rechnung getragen. Mit „Leid und Herrlichkeit“ erreicht er jetzt noch einmal einen – vielleicht unerwarteten – künstlerischen Höhepunkt.

Die Frage, ob der Film über einen schwulen spanischen Regisseur vielleicht autobiografisch sei, ist dabei müßig: Almodóvars Filme waren immer eine Mischung aus Fiktion und Autobiografie, da macht die Geschichte von Salvador Mallo (Antonio Banderas) keine Ausnahme. Erstaunlich systematisch zieht jener eine Bilanz seines Lebens: Gesundheit­liche Probleme hindern ihn am Arbeiten, dafür trifft er einen Schauspieler wieder, mit dem er 30 Jahre kein Wort mehr gewechselt hat, sowie einen Ex-Liebhaber.

Die Hysterie und schrille ­Karikatur früherer Werke ist hier komplett der Melancholie gewichen, vor ­allem aber zeugt der Film von einem durchaus anrührenden tieferen Verständnis für menschliche Beziehungen. Die Hauptfigur zieht aus seinem Rückblick schließlich die Kraft für einen Neuanfang. Das Happyend war den Filmen Almodóvars ja nie fremd, doch die Ironie hat sich irgendwo auf dem langen Weg in die Büsche geschlagen.

Leid und Herrlichkeit E 2019, 113 Min., R: Pedro Almodóvar, D: Antonio Banderas, Asier Etxenadia, Leonardo Sbaraglia, Penélope Cruz, Start: 25.7.