Kommentar

Loveparade? Nee! – Laut einer Umfrage, wollen die Berliner wieder eine große Techno-Parade

Stellen Sie sich vor, da ruft jemand von einem Meinungsforschungsinstitut bei Ihnen an, und Sie gehen versehentlich ran, weil Sie dachten, diese unbekannte Rufnummer, das könnte ja was Wichtiges sein, und paar Minuten Pause von Netflix wären schon auch okay. Dann kommt eine nervige Frage nach der anderen: „Sind Sie dafür, dass dieses … ? Sind Sie dafür, dass jenes … ?“

Bei manchen Sachen muss man sich natürlich entschieden dagegen wehren (Koalion aus FDP, CDU und AfD zum Beispiel), aber andere Sachen nickt man halt so ab, damit das Meinungstelefonat möglichst schnell wieder beendet ist. Mehr Bäume pflanzen? Ach ja, wieso nicht. Mehr Fremdsprachenunterricht an Schulen? Kann nicht schaden. Wieder eine Loveparade in Berlin? Love klingt gut in diesen Haterzeiten, also: immerzu!

So ähnlich muss das gerade passiert sein, als sich 55 Prozent bei einer Forsa-Umfrage im Auftrag der „Berliner Zeitung“ für die Wiederauflage der Loveparade in Berlin aussprachen. Sogar 47 Prozent der über 60-Jährigen. Bitte was?! Das Letzte, was Berlin braucht, ist ein weiteres inhaltsleeres Großevent, das Billigfliegermassen für ein Wochenende in die Stadt lockt, damit sie den Tiergarten vollpullern. In den Neunzigern war Techno mal das neue Punk. Schön und gut. Aber die Loveparade heutzutage noch mal in die Mikrowelle zu schieben hat in etwa die Anarcho-Credibility einer Punkband, die aus dem Keller ins Stadion gezogen ist – mit Stretchlimousine und Helikopter.

Bitte verschont Berlin mit dieser Parade! Was Berlin braucht, sind Clubs im Ring, die jedes Wochenende Partyräume garantieren, gern auch mit lokalen DJs. Nicht ein Mal im Jahr Zirkus Hallogallo. Diese Retro-Parade könnt ihr in Tübingen machen, bitte, mit recyceltem Lametta von früher.