Abitur in Österreich

Matura-Prüfung: Lehrerschreck Ronja von Rönne zerlegt ihren eigenen Text

Manch einem mag es klug erscheinen, dieser Tage auf den österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) zu hören. Kluge Österreicher dagegen schauen lieber nach Berlin. Das zumindest taten die Prüfer, die die diesjährigen Deutschaufgaben für die Matura (=Abitur) im Fach Deutsch zusammenstellten. Statt „ausgelutschter“ Texte von Goethe und Schiller wählten sie unter anderem eine Kolumne von Ronja von Rönne, die 2015 in der „Welt“ erschien.

Nimmt sich gerne selbst aufs Korn: Die Autorin Ronja von Rönne, hier noch mit langen Haaren. Foto: Imago/STAR-MEDIA
Nimmt sich gerne selbst aufs Korn: Die Autorin Ronja von Rönne, hier noch mit langen Haaren. Foto: Imago/STAR-MEDIA

Andere Autor*innen – vornehmlich die, die bereits gestorben sind – können sich nicht gegen die ausgeklügelten Analysen ambitionierter Pädagogen wehren. Ronja von Rönne schon. In einem zehnminütigen Video, das die Berliner Autorin auf Instagram veröffentlichte, bearbeitet sie ziemlich amüsant ihren eigenen Beitrag. Nein, sie zerlegt ihn regelrecht – wenn auch augenzwinkernd.

Matura: Ronja von Rönne gesteht, dass Zeit ein „Laberthema“ ist

„Das ist nicht einer meiner besten Texte“, gesteht von Rönne vorweg, gepaart mit einem „Sorry an alle Österreicher“. Der Text sei eher aus Zeitnot entstanden, und nicht, weil Rönne sich gerne mit der Zeit beschäftigt. Zeit sei vielmehr eines dieser „Laberthemen, über die man immer schreiben kann“. Intention: Sie wolle weiter bezahlt werden, und natürlich so tun, als würde sie immer nur über schlaue Dinge nachdenken.

Es folgen Minuten, in denen sich von Rönne dem bereits veröffentlichten Erwartungshorizont stellt. „Das ist so viel schlauer als jeder Satz, den ich da drin hatte“, sagt sie an einer Stelle. Andere Aussagen hält sie für Fadenscheinig: „So steht das in meinem Text nicht drin“.

Frustrierend für viele Prüflinge ist sicher die Erkenntnis am Ende des Videos. Rönne sagt, sie hätte für den Text lediglich 40 Minuten gebraucht. Die Schüler*innen hatten mindestens das dreifache der Zeit gehabt, den Text auszuquetschen. Da hat sich wohl wieder gezeigt, wie relativ Zeit ist.

Hier könnt ihr das Video nochmal nachschauen:

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